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Seeschwalben-Weltreise erstmals dokumentiert

18.01.2010
70.000 Kilometer Flug von Pol zu Pol mit Sender aufgezeichnet

Erstmals ist es einem Forscherteam gelungen, die Weltreise der arktischen Seeschwalbe aufzuzeichnen. Mit kleinen Sendern konnte das Team um Carsten Egevang vom Greenland Institute of Natural Resources die genaue Route des 70.000 Kilometer Fluges von Pol zu Pol nachvollziehen.

"Anhand der kleinen Ringe konnten wir zunächst feststellen, dass die Seeschwalben wandern", so Egevang. Den Aufzeichnungen der Wissenschaftler zufolge, fliegen die Schwalben entweder der afrikanischen oder der brasilianischen Küste entlang gegen Süden und kommen in einem S-förmigen Pfad mitten durch den Atlantik wieder zurück, berichten sie im Fachmagazin PNAS.

Längste Reise in der Vogelwelt

Die Welt der gefiederten Tiere ist für epische Zugreisen bekannt. Albatrosse, Schnepfen und Sturmtaucher unternehmen lange Flüge. Doch die Distanz, die die arktische Seeschwalbe, die nur etwas mehr als 100 Gramm auf die Waage bringt, zurücklegt, ist Weltrekord. Im August oder im September beginnt die Reise von Grönland Richtung Weddell-Meer vor die Küste des antarktischen Kontinents.

Richtung Süden legt eine Seeschwalbe täglich 330 Kilometer zurück. Vier bis fünf Monate verbringen die Tiere in der Antarktis, ehe sie den Rückweg antreten und im Mai oder Juni wieder in Grönland zu sein. Beim Rückflug schaffen die Tiere 520 Kilometer täglich. Selbst während der Überwinterung sind die Vögel nicht faul, sondern legen fast 11.000 Kilometer zurück.

Geolocator gibt Aufschluss über Weg

Das Forscherteam hat den Seeschwalben 1,4 Gramm schwere Sender, so genannte Geolocators, ans Bein gebunden. Diese Geräte, die von der British Antarctic Survey BAS zur Bestimmung der Wanderwege von Zugvögeln entwickelt wurden, zeichnen die Lichtintensität auf. Damit kann man die genaue Position der Tiere feststellen.

"Die Verwendung dieser technischen Hilfsmittel ermöglicht nicht nur ein besseres Verständnis der Zugrichtungen, sondern weist auch eventuelle biologische Hotspots aus", so Co-Autor Richard Phillips von der BAS.

Überraschende Wanderwege

Die erste Überraschung war etwa die Tatsache, dass die Vögel Richtung Süden einen längeren Stopp Mitten im Nordatlantik - etwa 1.000 Kilometer nördlich der Azoren - einlegen. Hier nehmen sie große Mengen von Zooplankton zu sich, um die weite noch vor ihnen liegende Distanz zu bewältigen. 50 Prozent der Vögel nahmen die Route über Afrika, die anderen flogen der Küste Südamerikas entlang.

Die zweite große Überraschung war die Rückreise von der Antarktis nach Norden, denn für diese wählten die Vögel eine andere Route. Sie nahmen einen S-förmigen Weg Mitten durch den Südatlantik. Das ist zwar ein Umweg von mehreren tausend Kilometern, entspricht allerdings den Windsystemen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.arctictern.info
http://www.birdtracker.co.uk
http://www.antarctica.ac.uk

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