Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sechs neue Nilhecht-Arten entdeckt - Zoologen untersuchen Süßwasser-Fauna im Süden Afrikas

20.11.2012
Forscher der Universität Regensburg haben sechs neue Nilhecht-Arten entdeckt und sechs Unterarten zu eigenständigen Arten erklärt.

Prof. Dr. Bernd Kramer vom Institut für Zoologie machte diesen Fund gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und des South African Institute for Aquatic Biodiversity bei der Erforschung der Nilhecht-Gattung Petrocephalus im Süden Afrikas.


Die neu entdeckte Nilhecht-Art Petrocephalus longianalis aus dem Lufubu-Fluss im Einzugsgebiet des Oberlaufs des Kongo.

Foto: Roger Bills

Bislang war man davon ausgegangen, dass die Gattung Petrocephalus weit weniger Arten umfasst. Die Untersuchungen des internationalen Forscherteams sind in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Natural History“ erschienen (DOI: 10.1080/00222933.2012.708452).

Nilhechte besitzen elektrische Organe und sind elektrosensibel: Sie verfügen also über Sinnesorgane, die die elektrischen Entladungen (EODs) anderer Nilhechte für die inner- und zwischenartliche Kommunikation melden und die eigenen Entladungen für die aktive Elektroortung nutzen. Das gilt ebenfalls für die neun bis zwölf Zentimeter großen Exemplare der Gattung Petrocephalus, die wegen ihrer stumpfen Schnauzen auch „Boxernilhechte“ genannt werden. Die EODs und die Morphologie bzw. zahlreiche Merkmale des Körperbaus sind allerdings artspezifisch.
Kramer und seine Kollegen gingen bei ihren Untersuchungen insbesondere der Frage nach, ob die Nilhecht-Art Petrocephalus catostoma wirklich – wie bisher vermutet – an zahlreichen, mitunter weit voneinander entfernten Gebieten angesiedelt ist. Sie nahmen die angeblichen Verbreitungsgebiete von Petrocephalus catostoma genauer unter die Lupe. Dabei stützten die Wissenschaftler ihre Arbeit vor allen Dingen auf morphologische Studien, in einigen Fällen konnten sie auch molekulargenetische Methoden einsetzen.

Die Analysen des internationalen Forscherteams förderten eine ungeahnte Artenvielfalt der Gattung Petrocephalus zutage: Kramer und seine Kollegen erkannten gleich sechs Unterarten, die bisher zu Unrecht mit der Art Petrocephalus catostoma in Verbindung gebracht wurden, als eigenständige Arten an. Als neue, bisher unentdeckte Arten identifizierten sie zudem Petrocephalus okavangensis und Petrocephalus magnitrunci im Okavango-Delta (Botswana), Petrocephalus magnoculis im Kunene-Fluss (Namibia), Petrocephalus petersi im Unteren Sambesi-Fluss (Mosambik), Petrocephalus longicapitis im Oberen Sambesi-Fluss (Namibia) und Petrocephalus longianalis im Lufubu-Fluss (im Norden Sambias).

Analysen der letzten Jahrzehnte basierten zumeist auf einer verhältnismäßig geringen Zahl von Vergleichsobjekten. Das Team um Kramer konnte nachweisen, dass dadurch – mit Blick auf die Nilhecht-Gattung Petrocephalus – ein verzerrtes Bild des großen Artenreichtums der Süßwasser-Fauna im Süden Afrikas entstehen kann. Für die Wissenschaftler gilt es nun, durch weitere morphologische und genetische Studien sowie über eine detaillierte Untersuchung der artspezifischen EODs die geographische Verbreitung und Herkunft der unterschiedlichen Petrocephalus-Arten zu klären.

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Bernd Kramer i.R.
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2263 (oder 0941 91572)
Bernd.Kramer@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Darmflora beeinflusst das Altern
21.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten