Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwerelos in der Luft: Monographie der skurrilen Welt der Orchideensamen veröffentlicht

02.02.2015

Die Familie der Orchideen (Orchidaceae) ist mit etwa 22.000 Arten eine der größten Pflanzenfamilien. Trotz der großen Fülle an Orchideen-Literatur ist bisher nur wenig über deren Samen bekannt. Diese gelten generell als windverbreitete, kleine, reduzierte „Staubsamen“.

Forscherinnen und Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und des Botanischen Garten und Botanischen Museums Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin präsentieren ihre Ergebnisse aus 40 Jahren Forschung an Orchideensamen in einer umfangreichsten Monographie. Herausgeber ist der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin.


Vielfältige Gestalt von Orchideensamen: Samen der Orchideenart Altensteinia fimbriata (oben) und Disperis aphylla (unten)

W. Barthlott / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem


Samen der Orchidee Chiloschista lunifera entrollen bei Feuchtigkeit einen raffinierten Haftapparat aus spiraligen Anker-Fäden und können sich so in den höchsten Zweigen asiatischer Bäume etablieren.

W. Barthlott / Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem

Orchideensamen sind vielfältiger als bisher angenommen: Sie variieren in der Größe von 0,1 mm bis 6 mm und in ihrer Gestalt, aber vor allem in der Oberflächenstruktur und Aufbau der Samenschale. Die morphologischen Merkmale der Samen verschiedener Artengruppen stimmen oft sehr gut mit Stammbäumen überein, die auf Analysen der Erbinformationen basieren. Somit erlauben bestimmte Samenmerkmale bei Orchideen die Evolution dieser faszinierenden Pflanzengruppe besser zu verstehen.

Orchideen lösen seit Jahrhunderten weltweit Begeisterung bei Botanikern wie Laien aus und enthalten beliebte Zimmerpflanzen. Die bekanntesten Orchideensamen sind die der Vanille, die in echtem Vanilleeis als schwarze Punkte sichtbar sind. Die Literatur über Orchideen ist kaum überblickbar. Umso überraschender, dass über die Samen von Orchideen bisher wenig bekannt war.

Die Monographie veröffentlicht Ergebnisse einer systematischen Untersuchung von 1100 Arten aus 352 Gattungen der Familie der Orchidaceae. Über 620 Abbildungen auf 245 Seiten zeigen die beeindruckende Vielfalt der Orchideensamen, vor allem ihrer Feinstruktur in rasterelektronischen Aufnahmen.

Erstaunliche Besonderheiten wurden deutlich. So enthalten die Samen der Gattung Thecostele bis zu 12 Embryonen – und nicht wie bei Samenpflanzen üblich nur einen. Das ist umso bemerkenswerter, da die Samen von Orchideen stark reduziert sind im Vergleich zu denjenigen der meisten anderen Samenpflanzen.

So enthalten Orchideensamen beispielweise kein Nährgewebe, um den Embryo während der Keimzeit zu ernähren. Darum brauchen die Samen zur Keimung einen Pilz, mit dem Erdorchideen meist zeitlebens in Symbiose leben. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: die Samen einiger Arten der Gattung Disa enthalten sehr wohl Nährgewebe.

Einige der winzigen Orchideenarten zeigen unerwartet komplizierte Strukturen als Anpassung an die Verbreitung. In den Regenwäldern Asiens lebt Chiloschista lunifera. Ihre mikroskopischen Samen werden schwerelos vom Wind verbreitet. Kommen sie in Kontakt mit feuchter Baumrinde, entrollen sie einen raffinierten Haftapparat aus spiraligen Anker-Fäden und können sich so in den höchsten Zweigen der Baumriesen etablieren.

Der Autor Wilhelm Barthlott ist Systematiker und hat sich vor allem mit tropischen Epiphyten beschäftigt. Gleichzeitig ist er ein Experte für die Raster-Elektronenmikroskopie pflanzlicher Oberflächen. Der von ihm entdeckte Lotus-Effekt wurde Vorbild für technische selbstreinigende Oberflächen und feiert weltweit wirtschaftlichen Erfolg.

Publikation:
Barthlott, W., Große-Veldmann, B. & Korotkova, N. 2014: Orchid seed diversity: A scanning electron microscopy survey. – Englera 32, Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin-Dahlem.
– Softcover, 17.6 × 25 cm (B5), 245 pages, 620 micrographs, 26 phylogenetic trees and 7 other figures.
ISBN 978-3-921800-92-8
EUR 25.00
Bestellung: www.bgbm.org/de/node/700  oder über den Buchhandel


Weitere Information gibt Ihnen gern:

Dr. Nadja Korotkova, Wissenschaftlerin
Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem und
Institut für Biologie/Botanik, Freie Universität Berlin
Telefon: +49 30 838 57837, E-Mail: n.korotkova@bgbm.org

Prof. Dr. Wilhelm Barthlott
Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen
Arbeitsgruppe Biodiversität und Bionik
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Telefon: +49 228 73 2271, E-Mail: barthlott@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.bgbm.org/de/presse/pressefotos#Orchideen_Samen – Pressefotos

Gesche Hohlstein | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie