Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwere Komplikationen nach Stammzelltransplantation könnten gemindert werden

02.12.2010
„Danger signal“ bei Stammzelltransplantationen entschlüsselt: Neue Forschungsergebnisse des Universitätsklinikums Freiburg könnten die Prognose von Leukämiekranken verbessern

Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Immunreaktionen nach Stammzelltransplantation untersucht und dabei Erkenntnisse gewonnen, die den Erfolg dieser Therapiemöglichkeit bei Leukämiekranken verbessern könnten. Die Ergebnisse wurden am 21. November in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Wenn Herz- oder Nierenkranke ein fremdes Organ erhalten, kommt es oft zu Abstoßungsreaktionen, weil die körpereigene Immunabwehr das transplantierte Gewebe bekämpft. Bei der Transplantation von Stammzellen aus dem Knochenmark eines Spenders (allogene Transplantationen) ist es genau umgekehrt: Nach der Transplantation entstehen weiße Blutkörperchen, die das Gewebe und die Organe des Empfängers als fremd erkennen – und angreifen. Oder anders gesagt: Das Transplantat wendet sich gegen den Wirt, auf Englisch wird dieser Vorgang als Graft versus host disease bezeichnet (GvHD).

„Diese Reaktion tritt besonders häufig nach Transplantationen fremder Knochenmarkstammzellen auf“, erklärt PD Dr. Robert Zeiser aus der Abteilung Innere Medizin am Universitätsklinikum Freiburg. „Die Zellen des Spenders bekämpfen insbesondere Haut-, Leber- und Darmgewebe und schädigen das Gewebe schwer.“

Weil die GvHD bei allogenen Knochenmarktransplantationen ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellt, schränkt sie bislang deren breitere Anwendung ein. Das könnte sich möglicherweise ändern, denn Freiburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben jetzt gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern der Universitäten Würzburg, Ferrara (Italien) und Stanford (USA) einige grundlegende Mechanismen der GvHD aufgeklärt und erforscht, wie sich deren Entstehung verhindern lassen kann: „Wenn wir die GvHD in den Griff bekommen, wird die Prognose von Patientinnen und Patienten mit Leukämie deutlich besser“, sagt PD Dr. Robert Zeiser. Denn bisher wurde die Abstoßungsreaktion mit Immunsuppressiva behandelt, also mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken: „Dadurch steigt das Risiko, dass die Leukämie erneut aufflammt“, erklärt PD Dr. Robert Zeiser, „außerdem sind die Patientinnen und Patienten anfälliger für Infektionen.“

Die Freiburger Forschungsgruppen um PD Dr. Robert Zeiser sowie PD Dr. Marco Idzko aus der Abteilung Pneumologie des Universitätsklinikums Freiburg, haben nun nachgewiesen, dass bei Patientinnen und Patienten mit GvHD ein spezielles Molekül außerhalb der Körperzellen freigesetzt wird, das normalerweise in dieser Konzentration nur innerhalb der Zellen vorkommt: Das Adenosintriphosphat (ATP).

„Wenn ATP, das eigentlich die Körperzellen mit Energie versorgt, in den Zellzwischenräumen in der Bauchhöhle nachgewiesen werden kann, ist das ein Warnhinweis für eine GvHD“, sagt PD Dr. Robert Zeiser. Den Forscherinnen und Forschern ist es jedoch nicht nur gelungen, ATP als „danger signal“ zu entschlüsseln: „Wir konnten diese Beobachtung auch therapeutisch nutzen. Am Mausmodell zeigte sich, dass die pharmakologische Behandlung das Überleben signifikant verbesserte. Auch der Krankheitsschweregrad in Darm und Leber war deutlich verringert.“

Laut PD Dr. Robert Zeiser haben die Daten aus dem Mausmodell und die Untersuchungen bei Patientinnen und Patienten nicht nur eine große Bedeutung für Leukämiekranke, sondern möglicherweise auch für die gesamte Transplantationsmedizin: „Durch die pharmakologische Unterbrechung von danger signals wie ATP können unkontrollierte Reaktionen des Immunsystems möglicherweise besser behandelt werden. Das trifft auf GvHD zu, möglicherweise aber auch auf Transplantatabstoßung oder Sepsis.“

Patrick Kunkel | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.2242.html
http://www.uniklinik-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik