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Schwarz-Gelb – ein Trick, der Leben rettet

21.06.2012
Bonner Forscher entdecken neue Mimikry-Schabe in Vietnam.
Bonner Forscher vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität entdeckten in den Regenwäldern Südvietnams nun eine Schabe, die so gar nicht in das landläufige Bild der „kleinen braunen Kakerlake“ passt – Im Gegenteil, das Tierchen ist mit seinen gelben Flecken auf schwarzem Grund ein echter Hingucker!

Heiko Schmied, Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn), Markus Lambertz, Institut für Zoologie (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn) und Peter Geissler (Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn) erkannten, dass sich das Tier mit dieser Färbung unliebsame Fressfeinde vom Leib hält. Der Trick dabei: die Schabe ahmt einen ungenießbaren Mitbewohner im Regenwald nach – den ebenfalls schwarz-gelben Laufkäfer Craspedophorus sublaevis. Dieser unangenehme Geselle spritzt seinem Angreifer eine übelriechende Flüssigkeit entgegen und verhindert so erfolgreich, gefressen zu werden.
Schwarz-gelb ist eine Warnfärbung, die im Tierreich oft zum Einsatz kommt. Man denke nur an Wespen, Bienen oder den Feuersalamander. Doch nicht immer ist der Träger dieser Farben auch notwendigerweise giftig. So auch in diesem Fall.

Die schwarz-gelbe Schabe macht sich dies zunutze und täuscht darüber hinweg, dass sie selbst zum Beispiel für Vögel vermutlich ein echter Leckerbissen wäre. Diese Täuschung wird von Biologen als Mimikry bezeichnet, möglicherweise ist die Schabe auch zusätzlich nicht sonderlich schmackhaft. Um dies nachzuweisen, müsste man allerdings Experimente mit potentiellen Fressfeinden durchführen. Das Mimikry-Phänomen war bei Schaben in dieser Form bisher unbekannt. Weil es sich um eine Schabennymphe handelt, kann die Art noch nicht bestimmt und benannt werden. Die Artbeschreibung wird erfolgen, wenn die ausgewachsenen Insekten (Imagines) vorliegen.

Quelle: Lit: Schmied, H., Lambertz, M. & P. Geissler (2012): New case of true mimicry in cockroaches (Blattodea). Entomological Science DOI: 10.1111/j.1479-8298.2012.00529.x

Ansprechpartner:
Sabine Heine
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Adenauerallee 160
53113 Bonn
Tel. 0228 9122 215

E-Mail:
s.heine.zfmk@uni-bonn.de

Abteilung Presse und Kommunikation
Der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Wissenschaftsredakteur:
Johannes Seiler
Tel. 0228/73 4728,
Fax: 0228/73 7451
j.seiler@uni-bonn.de


Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Ministeriums für Innovation, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Leibniz-Institut für die Biodiversität der Tiere hat es einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Innovative Methoden- und Arbeitsansätze der molekularen Biodiversitätsforschung dienen auch Studien zur Nachhaltigkeit. Das ZFMK hat 89 fest angestellte Mitarbeiter, davon 37 Wissenschaftler. Studenten der Biologie werden in Kooperation mit der Universität Bonn ausgebildet. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

Sabine Heine | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1479-8298.2012.00529.x/abstract

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