Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schon zwei entscheiden schneller und klüger als einer allein

18.02.2011
Das Prinzip der Demokratie beruht auf der Idee, dass die Gruppe bessere Entscheidungen fällt als das Individuum. Die Entscheidungsfindung dauert jedoch in der Regel länger. Nicht so bei Moskitofischen – im Schwarm sind sie treffsichere Blitzentscheider, denn bei ihnen gilt: Umso größer die Gruppe, desto präziser und schneller die Entscheidung.

Forscher des Berliner Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) konnten in Verhaltensexperimenten an Moskitofischen zeigen, dass die Präzision und die Geschwindigkeit kollektiver Entscheidungen mit der Gruppengröße steigt.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die bessere Treffsicherheit in der Entscheidungsfindung auf guter Arbeitsteilung beim Scannen der Umgebung beruht. Das Viele-Augen-sehen-mehr-Prinzip, begleitet von einem guten Informationsaustausch unter den Individuen, macht die Entscheidung nicht nur präziser, sondern auch schneller. Die Studie wurde kürzlich in PNAS veröffentlicht.

Die Fische waren in größeren Gruppen wesentlich erfolgreicher, einer Raubfisch-Attrappe auszuweichen, als kleine Gruppen oder einzelne Individuen. In einer Gruppe von 16 Fischen lag die Fluchterfolgsquote bei etwa 90 Prozent, einzelne Fischen wählten dagegen nur zu 50 Prozent den sicheren Weg. Die Forscher konnten zeigen, dass die Genauigkeit der Entscheidung zunächst mit der Gruppengröße steigt und die Kurve dann abflacht.

Doch welche Mechanismen nutzt die Gruppe, um Entscheidungen zu optimieren?

Prof. Dr. Jens Krause, einer der Hauptautoren der Studie, sagt: „Wir wollten herausfinden, ob vielleicht einige Fische bessere Entscheidungen treffen als andere. In einer größeren Gruppe gäbe es dann mehr solcher ‚Experten‘ und die Gruppe wäre dadurch klüger. Wiederholte Versuche an Individuen zeigten jedoch keine individuellen Unterschiede in der Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Wir untersuchten daher, ob die einzelnen Fische sich vielleicht die Arbeit aufteilen, so dass jeder nur für einen bestimmten Bereich der Informationssuche zuständig ist. Dabei konnten wir tatsächlich unterschiedliches Verhalten beobachten, wenn die Gruppengröße sich ändert.: Die Frequenz der Richtungswechsel der einzelnen Fische war bei größeren Gruppen reduziert.“

Selbstorganisation (Schwarmverhalten) ist gekennzeichnet durch Interaktion und Informationsaustausch unter den Mitgliedern der Gruppe. Dass Informationen unter den Moskitofischen ausgetauscht werden, konnten die Forscher nachweisen und sie fanden heraus, dass in der Gruppe kaum Zeit durch Informationsaustausch verlorengeht. Im Gegenteil: die Entscheidung wird schneller gefällt, als die von einzelnen Individuen. „Dieses Ergebnis hat uns doch sehr verblüfft, da man oft davon ausgeht, dass Kommunikation Zeit raubt“, so Krause. Auf welche Weise die Moskitofische Informationen weitergeben, werden die Wissenschaftler in Zukunft noch genauer untersuchen.

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist das größte deutsche Zentrum für ökosystemare Forschung an Binnengewässern.

Was uns anspornt? Zum einen die reine Neugierde, die grundlegenden Prozesse in Gewässern zu verstehen, zum anderen möchten wir Antworten finden auf wichtige gesellschaftliche Fragen zum nachhaltigen Gewässermanagement.

PNAS February 8, 2011 vol. 108 no. 6 2312-2315, doi: 10.1073/pnas.1007102108

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Jens Krause
Leiter der Abteilung „Biologie und Ökologie der Fische“
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Telefon: +49 (0)30 64181 610, Telefax: +49 (0)30 64181 750
E-Mail: j.krause@igb-berlin.de
Pressekontakt:
Nadja Neumann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Telefon: +49 (0)30 64181 631, Telefax: +49 (0)30 64181 663
E-Mail: nadja.neumann@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie sich Krebszellen gegen Chemotherapeutika „immun“ machen
24.08.2017 | Universität Witten/Herdecke

nachricht "Comammox"-Bakterien: Langsam, aber super-effizient
24.08.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ein Feuerwerk der chemischen Forschung

24.08.2017 | Veranstaltungen

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eisberge: Mathematisches Modell berechnet Abbruch von Schelfeis

24.08.2017 | Geowissenschaften

Besseres Monitoring der Korallenriffe mit dem HyperDiver

24.08.2017 | Geowissenschaften

Rauch von kanadischen Waldbränden bis nach Europa transportiert

24.08.2017 | Geowissenschaften