Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schnelltest für Krankenhauskeime - Forscherteam der Hochschule Bremerhaven entwickelt Verfahren

08.12.2014

Sie sind winzig klein und wirken doch tödlich: Krankenhauskeime – auch bekannt als Multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA).

In Deutschland treten mehr als 60.000 Krankenhausinfektionen auf, von denen etwa 18 % auf dieses Bakterium zurückzuführen sind. Jetzt hat das Forscherteam der Hochschule Bremerhaven um Prof. Dr. Carsten Harms drei Methoden entwickelt, um den Keim schnell und gezielt zu erkennen.


Prof. Dr. Carsten Harms hat verschiedene Methoden zur Analyse von Krankenhauskeimen mitentwickelt.

Hochschule Bremerhaven

Dazu verwenden sie Screening-Verfahren, die eine aktive und gezielte Suche nach MRSA-Trägern unabhängig von Symptomen und Risikofaktoren ermöglicht, d.h. alle Patienten in Krankenhäusern werden routinemäßig auf MRSA getestet.

Die besondere Problematik liegt darin, dass gegen das Bakterium Antibiotika unwirksam sind und eine Behandlung sehr schwierig ist. Mit den drei Methoden hat das Team um Prof. Dr. Carsten Harms mit dem Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS/ttz) eine Möglichkeit entwickelt, um Patienten in Krankenhäusern routinemäßig auf MRSA testen zu können. Auf diese Weise kann das Bakterium schnell erkannt und bekämpft werden.

Insgesamt verfolgen die Forscherinnen und Forscher verschiedene Technologien. Dabei steht die Entwicklung einer vereinfachten Laboranalytik im Fokus. „Wir haben ein schnelles, routinetaugliches Testverfahren entwickelt, mit dem gleichzeitig MRSA-Stämme differenziert nachgewiesen werden können“, so Prof. Dr. Carsten Harms.

Hierzu sei ein multiplexer PCR-Test entwickelt worden, der direkt vor Ort beispielsweise in den Krankenhäusern durchgeführt werden könne. Konkret sieht das wie folgt aus: einem Patienten wird von der Haut ein Abstrich genommen und anschließend der potentielle Keim mit dem Genetischen Fingerabdruck in weniger als 3 Stunden identifiziert.

Wie bei der Polizei wird nach dem MRSA-Keim gefahndet, in dem auf der Erbsubstanz nach Genen gesucht wird, die nur beim resistenten Keim vorkommen. Dabei ist das Forscherteam in der Lage, bis zu 5 verschiedene Subtypen gleichzeitig zu unterscheiden.

Ein zweites System, dass im Rahmen des vom Bundesministeriums für Wirtschaft geförderten Forschungsprojekts entwickelt wurde, basiert auf einem Lab-on-a-Chip System. Im Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) wurde dieses Verfahren bereits vom Forscherteam der Hochschule Bremerhaven erfolgreich getestet.

Es funktioniert wie folgt: ein Watteträger, der die vom Patienten kommenden MRSA-Keime trägt, wird in einen neuartigen Chip platziert, auf dem sämtliche Laborprozesse auf kleinstem Raum automatisch und autonom ablaufen. Ein Analysegerät zeigt dann die Präsenz oder Absenz eines Keimbefalles in ca. 30 Minuten an. Diese Methode eignet sich daher hervorragend für den schnellen Einsatz bei Patienten, die beispielsweise in der Unfallchirurgie zur Operation vorbereitet werden.

Doch damit nicht genug, die Nachweismethode soll noch weiter geführt werden. In einem dritten Verfahren wollen die Forscherinnen und Forscher ein Gesamtsystem erstellen, dass auf der Basis eines Teststreifens beruht, wie er auch von den Schwangerschaftstests bekannt ist.

Diese Methodik hat den Vorteil, dass auch wenig geschultes Personal die Abstrichproben nehmen können und innerhalb kürzester Zeit die Proben vor Ort analysiert werden können, da kein hochqualifiziertes Laborpersonal und teure Geräte benötigt werden.

Alle drei Verfahren unterscheiden sich durch ihre Genauigkeit und Schnelligkeit. Wo eine genaue Charakterisierung benötigt wird, können auf die Genetischen Fingerabdruck und Lab-on-a-Chip-Verfahren zurückgegriffen werden und wo es auf Schnelligkeit ankommt, steht künftig das Teststreifensystem zur Verfügung. Alle drei Systeme zeigen ihrerseits Vorteile in der Schnelligkeit der Analyse.

„Wir freuen uns, dass wir zeitnah mit den Methoden einen Einsatztest in Kooperation mit Krankenhäusern der Region durchführen können“, so Prof. Dr. Carsten Harms. Dadurch könnten die im Labor entwickelten Testverfahren im Livebetrieb getestet und optimiert werden und die Ergebnisse auch in die Lehre im Bereich der Biotechnologie wiederum praxisnah einfließen.


Weitere Informationen:

http://www.hs-bremerhaven.de

Cornelia Driesen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere
20.02.2018 | Forschungszentrum Jülich GmbH

nachricht Markierung für Krebsstammzellen
20.02.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics