Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlüssel-Faktor bei Metastasen-Bildung des Melanoms gefunden

22.01.2015

Der schwarze Hautkrebs ist die aggressivste aller Hautkrebsformen und verläuft für Patienten wegen der ausgeprägten Metastasen-Bildung oft tödlich. Bisher wurden hauptsächlich genetische Ursachen, etwa Mutationen in bestimmten Genen, für das Wuchern eines Melanoms verantwortlich gemacht.

Forschende der Universität Zürich zeigen nun, dass auch sogenannte epigenetische Faktoren bei der Metastasen-Bildung beim schwarzen Hautkrebs eine Rolle spielen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für zukünftige Krebstherapien.

Patienten, die wegen schwarzen Hautkrebs den Arzt aufsuchen, kommen oft zu spät – der aggressive Krebs hat bereits zahlreiche Ableger in ihrem Körper gebildet. Diese schnelle und bösartige Metastasenbildung von Tumoren des schwarzen Hautkrebses, auch Melanome genannt, wurde bisher vor allem auf die für das Melanom charakteristische hohe Mutationsrate zurückgeführt, auf genetische Veränderungen also, die das Wachstum der Krebszellen ankurbeln. Die dabei aktivierten Signalwege sind deshalb auch das Ziel verschiedener Krebsmedikamente, die in der Klinik teilweise erstaunlich positive Resultate erbracht haben und das Leben von schwerkranken Patienten verlängern können.

Leider kommt es aber in den meisten Fällen zu einer Art Resistenzbildung: Die Krebszellen reagieren nach einiger Zeit nicht mehr auf das Medikament, der Tumor breitet sich wieder aus. Offenbar haben die Krebszellen neue Wege gefunden, um zu wachsen. Ein Forscherteam um Prof. Lukas Sommer vom Anatomischen Institut der Universität Zürich hat nun eine mögliche Erklärung für dieses dynamische Verhalten der Krebszellen gefunden: Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass Krebszellen je nach vorherrschenden Bedingungen unterschiedliche Gene «lesen» und für sich nutzen können.

Ein in Krebszellen hoch aktiver epigenetischer Faktor

Die Lesbarkeit von Genen wird durch epigenetische Faktoren gesteuert. Das sind Faktoren, die nicht direkt die Gensequenz beeinflussen, sondern bewirken, dass bestimmte Gene und Chromosomenabschnitte unterschiedlich dicht verpackt – und damit für das Ablesen zugänglich sind. Die Zürcher Forscher untersuchten deshalb, ob epigenetische Faktoren in Melanomzellen besonders aktiv sind. Dabei stiessen sie auf «EZH2», ein epigenetisches Kontrollprotein, das im Vergleich zu normalen Zellen sehr häufig in bösartigen Melanomzellen zu finden war.

In Zusammenarbeit mit Dermatologen und Onkologen des Universitätsspitals in Zürich und mit Unterstützung durch den Universitären Forschungsschwerpunkt «Translationale Krebsforschung» konnte Sommers Team zeigen, dass der epigenetische Faktor «EZH2» in Melanomzellen sowohl Gene kontrolliert, die das Tumorwachstum steuern, als auch Gene, die für die Bildung von Metastasen wichtig sind.

Diese zentrale Stellung von «EZH2» nutzten die Forscher in ihrer Studie zur Bekämpfung des Krebs: Sie unterdrückten die Aktivität von «EZH2» unter anderem mit einem pharmakologischen Hemmstoff. Im Tiermodell und in humanen Melanomzellen konnten die Forschenden dadurch das Wachstum und eine bösartige Verbreitung des Krebs verhindern.

«Zu unserer Überraschung konnten wir mit diesem Ansatz das Fortschreiten der Krankheit selbst dann noch beeinflussen, wenn sich bereits Tumore gebildet hatten», ergänzt Studienleiter Lukas Sommer. Epigenetische Faktoren wie «EZH2» scheinen damit vielversprechende Ziele zukünftiger Krebstherapien zu sein, insbesondere in Kombination mit anderen bereits verfügbaren Medikamenten.


Literatur:
Daniel Zingg, Julien Debbache, Simon M. Schaefer, Eylul Tuncer, Sandra C. Frommel, Phil Cheng, Natalia Arenas-Ramirez, Jessica Haeusel, Yudong Zhang, Michael T. McCabe, Caretha L. Creasy, Mitchell P. Levesque, Onur Boyman, Raffaella Santoro, Olga Shakhova, Reinhard Dummer, and Lukas Sommer. The epigenetic modifier EZH2 controls melanoma growth and metastasis through silencing of distinct tumour suppressors. Nature Communications, 22 January, 2015. Doi: NCOMMS7051


Kontakt:
Prof. Lukas Sommer
Anatomisches Institut
Universität Zürich
Tel. +41 44 635 53 50
E-Mail: lukas.sommer@anatom.uzh.ch

Bettina Jakob

Media Relations
Universität Zürich

Tel. +41 44 634 44 39

E-Mail: bettina.jakob@kommunikation.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2015/schluessel-faktor-bei-metastasen-bildu...

Bettina Jakob | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics