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Schlange in Schichten

23.03.2011
Biologiedidaktiker der Universität Jena entdecken mehrere Hundert historische Rollbilder wieder

Bereit zum Angriff: Die Kreuzotter sperrt ihr Maul weit auf. Direkt darunter sieht man den Aufbau ihres Schädels, aus welchem die gefährlichen Giftzähne herausragen. Über 100 Jahre alt ist das historische Rollbild, das Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt wiederentdeckt haben.


Historische Rollbildtafel mit der Darstellung einer Kreuzotter aus der Sammlung der Jenaer Biologiedidaktiker. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Einst haben Jenaer Studenten der Zoologie und Medizin das Innenleben beispielsweise von Insekten, Wirbel- und Hohltieren mit Hilfe dieser Rollbilder erlernt. Irgendwann in Vergessenheit geraten, von Gerta Puchert aus dem Phyletischen Museum vor dem Verfall bewahrt, schlummerten die rund 370 Exemplare lange Zeit unbeachtet im sog. „Bunker“ der Universität. Nun fielen sie den Biologiedidaktikern durch einen Zufall wieder in die Hände.

„Die Rollbilder sind einzigartig in ihrem künstlerischen Aufbau und der Ästhetik, stammen sie doch aus den ,Zeichenschulen‘ von Pfurtscheller und Leukart. Sie sind sehr detailliert, zeitlos, politisch neutral und noch immer aktuell“, sagt Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Universität Jena. „Der ideelle und wissenschaftliche Wert der Rollbilder ist sehr hoch und auch der materielle Wert ist nicht zu unterschätzen“, erklärt der Leiter der AG Biologiedidaktik weiter. Da die Bilder teilweise beschädigt sind, hofft er auf eine konservatorische Behandlung.

Damit verfügt die AG Biologiedidaktik aktuell über fast 750 Rollbilder unter ihren nunmehr ca. 1.600 Unterrichtsmitteln. Diese können auch von den Biologielehrern Thüringens in der Lehre eingesetzt werden.

Die Jenaer Biologiedidaktiker interessiert besonders der Einsatz der Bilder als Lehrmittel an Universität und Schule: Sind es „alte“ neue Unterrichtsmittel? Die inhaltliche und darstellerische Qualität der Bilder beeindruckt dabei besonders: Sie ist Kennzeichen einer einzigartigen Lehrmethodik, die sich nah an den Lernbedürfnissen der Schüler und Studenten orientiert: „Man sieht den gesamten und schichtweise aufgeklappten Organismus. So lernt man nicht nur schnell und bildhaft, sondern es kann auch auf Versuchstiere verzichtet werden“, führt Hoßfelds Mitarbeiter Michael Markert aus.

Derzeit betreuen Hoßfeld und Markert eine Staatsexamensarbeit zu diesem Fund, deren erste Ergebnisse bereits im Sommer erwartet werden. Um eine umfassende wissenschaftliche Auswertung vornehmen zu können, werden die Rollbilder in den nächsten Monaten parallel zur Erstellung der Staatsexamensarbeit digital erfasst und katalogisiert. Danach – vermutlich ab Sommer 2011 – werden die Bilder von Kreuzotter, Spinne und Co. auch der Öffentlichkeit präsentiert und auf der Homepage der AG für jedermann einsehbar sein.

Weitere Informationen und Bilder zu den Sammlungen der Biodidaktiker sind zu finden unter: http://www.uni-jena.de/AG_Biologiedidaktik.html.

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail: uwe.hossfeld[at]uni-jena.de

Jette Fröhlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/AG_Biologiedidaktik.html

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