Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Schicksal der Gene erforscht

17.02.2014
Gene werden nicht nur von Generation zu Generation vererbt, es entstehen auch regelmäßig neue Gene.

Ihre Anzahl im Organismus müsste also stetig ansteigen. Das ist jedoch nicht der Fall. Forschende der Vetmeduni Vienna zeigen erstmals, dass neu entstandene Gene auch wieder verschwinden und klären ein bislang ungelöstes Paradoxon.


Die Fruchtfliege Drosophila diente den Forschenden als genetisches Studienobjekt.
Foto: Markus Riedl/Vetmeduni Vienna

Das spontane Entstehen und Verschwinden von Genen ermöglicht Organismen eine rasche Anpassung an die Umwelt und treibt den Evolutionsprozess an. Die wissenschaftliche Arbeit wurde heute im Journal eLife veröffentlicht.

Wie entstehen neue Gene, so genannte de Novo oder Orphan Gene? Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass neue Gene durch Mutationen in einem bis dahin funktionslosen DNA Abschnitt, gewissermaßen aus dem Nichts entstehen. Interessanterweise haben diese Orphan Gene bereits eine Funktion, obwohl sie erst ganz jung sind. Bis zu 30 Prozent aller Gene in einem Organismus gehören zu diesen „jungen“ Genen. Sie wurden in der Fruchtfliege entdeckt, es gibt sie jedoch in allen Organismen, einschließlich des Menschen. WissenschfterInnen vom Institut für Populationsgenetik haben das Schicksal von Orphan Genen untersucht und erstmals gezeigt, dass Orphan Gene auch wieder verloren gehen und welche Faktoren das „Überleben“ dieser Gene beeinflussen.

„Junge“ Orphan Gene gehen rascher verloren

Institutsleiter Christian Schlötterer und Bioinformatiker Nicola Palmieri untersuchten gemeinsam mit KollegInnen den Lebenszyklus der Orphan Gene in Fruchtfliegen. Die Forschenden zeigten, dass die meisten Orphan Gene einen relativ kurzen Lebenszyklus besitzen. „Es gibt Gene, die im Verlauf der Evolution lange erhalten bleiben, wir bezeichnen diese Gene als konserviert. Orphan Gene sind genau das Gegenteil, sie kommen und gehen. Interessanterweise sind es die jüngeren Orphan Gene, die rascher wieder verschwinden. Orphan Gene die schon länger bestehen, bleiben eher vorhanden“, so Schlötterer.

Die Forschenden zeigten, dass es zwei Faktoren sind, die die Lebensdauer eines jungen Gens beeinflussen. Erstens bleiben aktive Gene, also jene die viel RNA produzieren, länger erhalten als weniger aktive Gene. Zweitens sind jene Gene, die in Männchen aktiver sind als in Weibchen, länger intakt.

Das kurze „Leben“ auf dem X-Chromosom

Auch der Ort an dem sich ein Orphan Gen befindet entscheidet über sein Fortbestehen. Orphan Gene auf X-Chromosomen (Männchen besitzen ein X- und Weibchen zwei X-Chromosomen), verlieren viel schneller ihre Funktion als Orphan Gene auf anderen Chromosomen. Zudem gibt es auf dem X-Chromosom mehr Orphan Gene als anderswo. Dieses Phänomen können die Forschenden bislang jedoch noch nicht erklären. Es scheint jedoch einen Mechanismus zu geben, der das „Überleben“ der Orphan Gene auf dem X-Chromosom erschwert.

Wichtige Werkzeuge der Evolution

Christian Schlötterer betont die Bedeutung der Orphan Gene für die Evolution: „Gerade für kurzfristige Anpassungen der Art, wenn Organismen etwas Neues und Innovatives brauchen, sind die Orphan Gene wahrscheinlich von großer Bedeutung. Werden sie nicht mehr gebraucht, gehen sie auch rasch wieder verloren. In einem kürzlich erschienen Science Paper zeigen KollegInnen wie diese Gene entstehen und wie sie sich verbreiten. Wir zeigen nun erstmals, wie und wann sie wieder verschwinden.“

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden eine europäische Fruchtfliegenspezies (Drosophila pseudoobscura), deren genetischer Code schon lange bekannt ist. Sie verglichen die genetischen Daten fünf verwandter Fliegenstämme dieser Art und konnten so Orphan Gene identifizieren und den Lebenszyklus verschiedener Gene untersuchen.

Der Artikel „The life cycle of Drosophila orphan genes” von Nicola Palmieri, Carolin Kosiol und Christian Schlötterer wurde heute im Journal eLife veröffentlicht. http://arxiv.org/abs/1401.4956

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und modernste Forschungsinfrastruktur. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls dazu. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Christian Schlötterer
Institut für Populationsgenetik
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-4300
christian.schloetterer@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie