Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schavan: „Virtuelles Lebermodell für zielgenaue Medikamente“

02.07.2010
Weltweit einzigartiges Forschungsnetzwerk der Systembiologie gestartet

Die Leber ist eine komplizierte biochemische Fabrik. Sie baut täglich über 10.000 Substanzen um oder ab. Um diese Prozesse genau zu verstehen und für den Fall einer Erkrankung passgenaue Medikamente entwickeln zu können, wollen Forscher ein virtuelles Modell der Leber erstellen. Damit soll weltweit erstmals ein komplettes Organ des Menschen in einem Computermodell abgebildet werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird dem Deutschen Netzwerk Systembiologie der Leber dafür in den kommenden fünf Jahren rund 43 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

„Deutschland hat in der medizinischen Systembiologie international eine Spitzenposition. Mit diesem einzigartigen Netzwerk eröffnen die Forscher neue Perspektiven für die Medizin“, kommentierte Bundesforschungsministerin Annette Schavan das ehrgeizige Vorhaben. Der noch junge Wissenschaftszweig der Systembiologie erforscht biologische Prozesse in ihrer Gesamtheit: von der Funktion einzelner Moleküle bis zum Zusammenspiel verschiedener Zellen und schließlich der Organe im Körper. Dazu werden Methoden der Molekularbiologie mit Wissen und Technologien aus Mathematik, Informatik, Chemie, Physik und Systemwissenschaften verknüpft.

Das interdisziplinäre Netzwerk Systembiologie der Leber besteht derzeit aus 70 Arbeitsgruppen in 41 Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mithilfe der Computersimulationen wollen sie die Funktionsweise der Leber und ihre Krankheitsmechanismen besser verstehen und vorausberechnen, wie sich Arzneistoffe im Organ verteilen, wo sie angreifen und wie schnell sie abgebaut werden. Das kann langwierige Experimente ersetzen und helfen, Medikamente gezielter zu entwickeln und sie für jeden Patienten passgenau zu dosieren. So sollen die Wirkung optimiert und Nebenwirkungen minimiert werden. „Die Systembiologie kann den Transfer aus der Forschung zum Patienten beschleunigen und in der Medikamentenentwicklung auch Kosten sparen. Sie ist deshalb Schlüsseltechnologie und Innovationsmotor für eine zukünftige individualisierte Medizin“, betonte Ministerin Schavan.

... mehr zu:
»Lebermodell »Organ »Systembiologie

Die Forscher können ihre Arbeit an der virtuellen Leber auf die vielversprechenden Ergebnisse des Vorgängerprojekts HepatoSys aufbauen, das seit 2004 mit Unterstützung des BMBF die zellulären Prozesse der Leber erforscht hat. Nun werden die Vorgänge in ganzen Zellverbünden bis hin zum gesamten Organ untersucht.

Silvia von Einsiedel | i
Weitere Informationen:
http://www.hepatosys.de

Weitere Berichte zu: Lebermodell Organ Systembiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften