Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schadtier und Nützling zugleich - Pflanzenwespen in Afrika untersucht

03.03.2015

Wissenschaftler des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg haben gemeinsam mit deutschen und afrikanischen Kollegen die Verbreitung und Ernährungsweise von Pflanzenwespen in Afrika untersucht. Die Larven der Tiere ernähren sich von Lebensmittel- und Futterpflanzen und können dadurch deren Ernte schädigen. Eine der Arten könnte aber auch als biologische Maßnahme gegen die invasive „Tagblume“ (Commelina communis) eingesetzt werden, die sich in Teilen Europas und Nordamerikas ausbreitet. Die Studie ist in der „Deutschen Entomologischen Zeitschrift“ erschienen.

Das westafrikanische Benin lebt von seiner Landwirtschaft: Rund zwei Drittel aller Beniner arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb und erwirtschaften dabei etwa ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes. Umso wichtiger ist es potentielle Schädlinge an Lebensmittel- oder Futterpflanzen frühzeitig zu erkennen.


Die Pflanzenwespen Xenapates braunsi und..

© Georg Georgen


Xenapates gaullei sind potentielle Schädlinge der afrikanischen Landwirtschaft.

© Georg Georgen

„Wir haben deshalb westafrikanische Pflanzenwespen untersucht, deren Larven als landwirtschaftliche Schadinsekten verdächtigt werden“, erzählt Andrew Liston vom Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg und resümiert: „Unsere Studie zeigt, dass die von uns untersuchten Insekten alle mehr oder weniger Einfluss auf die Ernteergebnisse haben.“

Pflanzenwespen gehören zwar zur Gruppe der Wespen, haben aber im Gegensatz zu ihren gelb-schwarz gestreiften Verwandten keine sogenannte „Wespentaille“. Die Larven der Wespen leben meist auf Pflanzen und ähneln optisch den Schmetterlingsraupen. Zahlreiche Arten der Pflanzenwespe sind in den gemäßigten Klimaregionen beheimatet, „aber auch in Afrika gibt es eine Vielzahl von Pflanzenwespen-Arten“, ergänzt Liston.

Während in Europa der potentielle Schädling als sehr gut untersucht gilt, sind die afrikanischen Pflanzenwespen nahezu unerforscht. „Und das obwohl die beiden häufigsten Arten der afrikanischen Gattung Xenapates (X. braunsi und X. gaullei) schon 1896 von einem deutschen Wissenschaftler beschrieben wurden“, fügt der Müncheberger Entomologe hinzu.

Liston hat mit seinen Kollegen Dr. Georg Goergen vom „International Institute of Tropical Agriculture“ in Benin und Dr. Frank Koch vom Museum für Naturkunde in Berlin nun diese beiden weit verbreiteten Pflanzenwespen-Arten genauer unter die Lupe genommen.

„Wir haben sowohl die Morphologie der Tiere als auch ihre Lebensräume und Ernährungsgewohnheiten untersucht“, erläutert Liston. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Larven der Pflanzenwespe Xenapates braunsi von verschiedenen Gräsern ernährt, unter anderem von Mais – einem wichtigen Bestandteil der afrikanischen Landwirtschaft. „Die Pflanzenwespenart ist bisher die einzig bekannte, die sich von dieser wichtigen Futterpflanze ernährt“, erklärt Liston.

Die Larven von Xenapates gaullei dagegen fressen bevorzugt Tagblumen (Commelina) und nehmen so ebenfalls direkten Einfluss auf die Landwirtschaft: die Blätter dieser meist blau blühenden Pflanzen werden in afrikanischen Ländern als Gemüsebeilage gegessen.

Doch auch Commelina communis steht auf dem Speiseplan der gefräßigen Raupen, „diese Pflanze breitete sich invasiv in Europa und Nordamerika aus. In den USA steht sie in einigen Ländern auf der „schwarzen Liste“ für gefährliche invasive Pflanzenarten“, ergänzt Liston. Einen Einsatz der Pflanzenwespe zur biologischen Kontrolle der Ausbreitung von Commelina communis schließt der Müncheberger Wissenschaftler nicht aus.

Kontakt
Andrew Liston
Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut
Tel. 033432- 736983734
andrew.liston@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Liston A, Goergen G, Koch F (2015) The immature stages and biology of two Xenapates species in West Africa (Hymenoptera, Tenthredinidae). Deutsche Entomologische Zeitschrift 62(1): 9-17.
doi: 10.3897/dez.62.8922

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de 

Judith Jördens | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

nachricht Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt
23.03.2017 | Stiftung Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Impfstoffe zuverlässig inaktivieren mit Elektronenstrahlen

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Darmkrebs: Wenn die Wachstumsbremse fehlt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie