Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Salmonellen im Blick der Infektionsforschung

11.03.2014

Wenn Salmonellen einen Menschen infizieren, lösen sie deutliche Veränderungen in den RNA-Mustern seiner Zellen aus. Auf diesem wenig erforschten Gebiet arbeiten Infektionsbiologen der Universität Würzburg – mit neuen Techniken und interessanten Ergebnissen.

Kopfschmerzen, Fieber, heftiger Durchfall: Das sind die Symptome einer Infektion mit Salmonellen. Die krank machenden Bakterien gelangen zum Beispiel mit rohen Eiern oder nicht ganz durchgegartem Fleisch in den Darm.


Salmonellen (grün) in einer Kultur von menschlichen Immunzellen (blau). Durch die Aktivität einer speziellen mikro-RNA konnten die Bakterien in der Kultur unten die Zellen nicht infizieren.

(Fotos: Ana Eulalio)

Die Infektionsquellen dürften sich herumgesprochen haben, denn in Deutschland ist laut Robert-Koch-Institut (Berlin) die Zahl der registrierten Fälle kontinuierlich gesunken: von über 72.000 im Jahr 2002 auf rund 21.000 im Jahr 2012.

„An Salmonellen stirbt man als gesunder Mensch in der Regel zwar nicht“, sagt Jörg Vogel, Professor für Infektionsbiologie an der Universität Würzburg. Trotzdem bleibe Vorsicht angesagt – denn für Kinder, Senioren oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Infektion durchaus lebensgefährlich werden.

Bei diesen Personengruppen kommt es vor, dass die Bakterien den Darm durchbrechen und den ganzen Körper überfluten. Dann ist ein Krankenhausaufenthalt mit Antibiotika-Therapie nötig.

Erkrankungen. Die zunehmend gegen Antibiotika resistent werden.

Infektion verändert das RNA-Muster

Gründe genug also für die Wissenschaft, die Salmonellen weiter zu erforschen. Am Würzburger Institut für Molekulare Infektionsbiologie befasst sich die Biochemikerin Ana Eulalio mit einem neuen Aspekt: Sie will herausfinden, welche Rolle kleine regulatorische RNA-Moleküle (mikro-RNAs) beim Ablauf der Infektion spielen. Die kleinen Moleküle drosseln generell die Genaktivität, wobei jede einzige mikro-RNA das bei vielen verschiedenen Genen tun kann.

Was schon bekannt ist: Sind die Salmonellen erst einmal in die Zellen des Menschen eingedrungen, verändert sich dort die Ausstattung mit mikro-RNAs sehr deutlich. Wehrt sich die Zelle damit gegen die Bakterien? Schaffen sich die Erreger auf diese Weise eine Umgebung, in der sie sich gut vermehren können? Oder haben die Veränderungen gar keinen Einfluss auf die Infektion?

Diese Fragen sind bislang nicht erforscht. Ana Eulalio geht sie mit einem neuen Ansatz an: Sie prüft systematisch, wie sich die fast 2000 verschiedenen mikro-RNAs des Menschen auf den Ablauf der Infektion auswirken. Das ist eine gewaltige Aufgabe, die sich aber mit der neuen Technik der Hochdurchsatz-Mikroskopie relativ zügig lösen lässt.

Voll automatisierte Experimente

Die Wissenschaftlerin benutzt menschliche Immunzellen, die ein bevorzugtes Ziel von Salmonellen sind. Diese Zellkulturen werden mit jeder einzelnen der 2000 mikro-RNAs des Menschen in Kontakt gebracht. Zwei Tage danach werden die Kulturen mit Salmonellen infiziert, 24 Stunden später wird dann jede Kultur einzeln unter dem Mikroskop fotografiert. Anhand der Bilder wird schließlich überprüft, welche mikro-RNAs die Infektion begünstigt oder behindert haben.

Diese Experimente laufen voll automatisiert ab; durchgeführt werden sie bei Kooperationspartnern von Ana Eulalio in Triest (Italien). Dort war die Biochemikerin tätig, bevor sie 2012 als Leiterin einer Nachwuchsgruppe nach Würzburg wechselte. Müsste man die beschriebenen Experimente von Hand machen, wären mehrere Personen über Jahre beschäftigt. So aber dauert es nur wenige Tage, bis Ergebnisse vorliegen. Und die sehen bislang gut aus: Die Würzburger Forscherin hat schon verschiedene mikro-RNAs identifiziert, die eine Infektion mit Salmonellen unterdrücken. Als nächstes will sie die Details dieser Reaktion erforschen.

Mikro-RNAs als potenzielle Medikamente

Ein akutes Gegengift für Salmonellen und andere Bakterien sei von diesen Forschungen nicht zu erwarten, betont Professor Vogel: „Mikro-RNAs könnten aber gut darin sein, eine Infektion langsamer zu machen – indem sie den Wirtszellen helfen, sich selbst zu helfen.“ Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg. Und sicher werde die Medizin zur Behandlung von Infektionen auch künftig Antibiotika und andere Medikamente brauchen, die Bakterien zuverlässig abtöten.

Dass mikro-RNAs grundsätzlich als Medikamente in Frage kommen, hat Ana Eulalio in ihrer Zeit in Triest bewiesen. Dort beschäftigte sie sich mit der Rolle der kleinen RNAs bei Herzinfarkten: Sie fand mit ihrer Methodik mikro-RNAs, die die Regeneration der Herzzellen nach einem Infarkt fördern. Bei Mäusen wirkten die heilsamen Moleküle so gut, dass die Italiener nun weiter deren Eignung für einen Einsatz beim Menschen erforschen.

Ana Eulalio: Projekte und Person

Das beschriebene Projekt von Ana Eulalio wird finanziell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. Gefördert wird die Wissenschaftlerin außerdem im Bayerischen Forschungsnetzwerk für Molekulare Biosysteme (BioSysNet).

Dessen Ziele: die Regulation des Erbguts auf zellulärer und molekularer Ebene verstehen, biologische Systeme als Ganzes erfassen, neue diagnostische Verfahren und Therapieansätze ermöglichen.

Ana Eulalio stammt aus Portugal. Sie hat dort Biochemie an der Universität Coimbra studiert; nach der Promotion forschte sie an Max-Planck-Instituten in Tübingen und Berlin. 2010 wechselte sie ans International Centre for Genetic Engineering and Biotechnology in Triest, von dort kam sie 2012 als Leiterin einer Nachwuchsgruppe ans Zentrum für Infektionsforschung der Uni Würzburg.

Kontakt

Dr. Ana Eulalio, Institut für Molekulare Infektionsbiologie/Zentrum für Infektionsforschung, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, T (0931) 31-89078, ana.eulalio@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie