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Saar-Forscher untersuchen, wie das Gehirn Sprache und visuelle Wahrnehmung verbindet

21.11.2012
Ein Student sitzt in einem Café, beantwortet eine E-Mail mit seinem Smartphone und lauscht unbewusst dem Gespräch am Nebentisch.

Unser Alltag ist voll mit Situationen wie diesen, in denen wir uns gleichzeitig mit mehreren Dingen beschäftigen. Doch was läuft beim Multitasking im Gehirn ab? Wie verbinden Menschen Sprache und visuelle Eindrücke miteinander?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Psycholinguisten um Professor Matthew W. Crocker und Dr. Pirita Pyykkönen-Klauck von der Saar-Uni im Rahmen eines europaweiten Forschungsprojekts. Die Forscher wollen Blickbewegungen und Gehirnströme bei Probanden untersuchen, um herauszufinden, wie unser Gehirn Sprache und Sehen verbindet.

„Wenn Menschen zum Beispiel eine E-Mail auf ihrem Handy schreiben und dabei einen Kaffee bestellen, laufen in unserem Gehirn gleichzeitig verschiedene Prozesse ab, die miteinander interagieren“, erklärt Professor Matthew W. Crocker. „Wir wollen herausfinden, welche kognitiven Mechanismen daran beteiligt sind, Sprache und visuelle Wahrnehmung zu kombinieren.“ Die Saarbrücker Wissenschaftler werden dazu parallel Gehirnströme und Augenbewegungen bei Probanden im Labor messen. Die neuronalen Aktivitäten im Gehirn können mittels Elektroenzephalogramms ermittelt werden. Um die Blickbewegungen zu analysieren, werden die Forscher eine spezielle, neu entwickelte Brille, eine sogenannte Eye-Tracking-Brille, verwenden. Sie kann Blicke einer Testperson erfassen und die Blickbewegungen auswerten. Die Forscher wollen dabei auch neuronale Aktivitäten herausfiltern, die nur der Sprache zugeordnet werden können.

„Darüber hinaus wollen wir mit der Eye-Tracking-Brille Augenbewegungen von Probanden in Alltagssituationen untersuchen“, sagt Pirita Pyykkönen-Klauck, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Professor Crocker. So könne die Brille zum Beispiel erfassen, auf welche Handlungen sich die Blicke eines Studenten in einem Café hauptsächlich konzentrieren. „Wenn wir verstehen, wie und welche Informationen unsere Gehirn in Multitasking-Situationen verarbeitet, können diese Erkenntnisse dazu beitragen, spezielle Trainingsprogramme und Software zu entwickeln“, erläutert Pirita Pyykkönen-Klauck. „Diese könnten künftig Menschen mit Sprach- und Wahrnehmungsstörungen helfen.“

Die Europäische Union fördert das Vorhaben im Rahmen des Marie Curie Initial Training Networks mit insgesamt 4,15 Millionen Euro; davon gehen 428.000 Euro ins Saarland. Das EU-Programm unterstützt vor allem Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bei ihrer Arbeit und hilft ihnen dabei, Netzwerke aufzubauen. An diesem europaweiten Forschungsvorhaben (LanPercept) sind Universitäten aus Dänemark, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen und Spanien beteiligt, die in der Sprach- und Wahrnehmungsforschung führend sind. Darüber hinaus sind Unternehmen aus Deutschland, Finnland, Großbritannien, Norwegen und Schweden dabei.
Weitere Informationen zu dem gesamten LanPercept-Projekt (in englischer Sprache) finden Sie hier: http://www.ntnu.edu/lanpercept

Pressefotos für den kostenlosen Gebrauch finden Sie unter http://www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Fragen beantworten:
Prof. Matthew Crocker
Tel: 0681 / 302-6555, 6560
E-Mail: crocker(at)coli.uni-sb.de

Dr. Pirita Pyykkönen-Klauck
Tel: 0681 / 302 6557
E-Mail: pirita(at)coli.uni-sb.de

Melanie Löw | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de
http://www.ntnu.edu/lanpercept

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