Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWTH-Forscher entdecken neue Brustkrebsmarker

25.01.2010
Im Kampf gegen den Brustkrebs verzeichnet die Wissenschaft immer größere Erfolge zugunsten der Patientinnen. Auch Wissenschaftler der RWTH Aachen sind an dieser positiven Entwicklung beteiligt und erforschen die oft heimtückische Erkrankung.

Die Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Edgar Dahl am Institut für Pathologie (Direktorin: Univ.-Prof. Ruth Knüchel-Clarke) des Universitätsklinikums Aachen hat nun Brustkrebsmarker entdeckt, die zukünftig möglicherweise einer größeren Patientinnengruppe die Chemotherapie ersparen können.

Dank Krebsfrüherkennungsprogrammen - wie regelmäßiger Mammographie - sind bei 50 bis 60 Prozent der Brustkrebspatientinnen die Lymphknoten der Achselhöhlen zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht befallen, Metastasen in anderen Organen können dann nahezu ausgeschlossen werden. Mediziner sprechen in diesem Fall von einem Nodal-negativen Brusttumor, der eine deutlich bessere Prognose für die Patientin bedeutet, als ein Nodal-positiver Brusttumor, bei dem die Lymphknoten bereits von Tumorzellen befallen sind.

"Leider bekommen immer noch rund 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen mit einem Nodal-negativen Brusttumor eine Chemotherapie, obwohl dies nur bei etwa 30 Prozent der Patientinnen dieser Gruppe notwendig wäre", erklärt Professor Dahl. "Das Problem ist, dass wir bisher nicht wissen, welche Patientinnen zu den 30 Prozent gehören, die ein hohes Rückfall-Risiko haben, daher wird den meisten Frauen zur Sicherheit die Chemotherapie empfohlen." Dieses Problem der Übertherapierung soll in Zukunft durch die molekularpathologische Analyse des Tumorgewebes gelöst werden. Professor Dahl: "Im genetischen Profil des Tumors steckt genügend Information über dessen Aggressivität und damit über das Rückfall-Risiko der individuellen Patientin. Wir müssen diese Information nur richtig lesen lernen, um sie zu nützen."

Edgar Dahl ist Molekularbiologe und arbeitet mit seinem Team seit fünf Jahren daran, Brustkrebsmarker zu finden, die helfen können, sowohl Diagnose- als auch Therapiemöglichkeiten von Brustkrebs weiter zu verbessern. Dabei steht die Individualisierung der Krebstherapie aufgrund molekularer Marker des Tumors im Vordergrund. Die Arbeitsgruppe hat in dieser Zeit anhand der Untersuchung von etwa 300 Brusttumoren mehrere Gene gefunden, deren Aktivität im Tumor verloren geht und die vermutlich sogenannte Tumorsuppressorgene darstellen, deren natürliche Funktion es ist, Tumorwachstum zu unterdrücken. Dabei ist ein von Professor Dahl neu kloniertes Tumorsuppressorgen mit dem Namen ITIH5 möglicherweise sehr wichtig für die Vorhersage der Heilungschancen von Patientinnen mit Nodal-negativen Brusttumoren. "Patientinnen mit Nodal-negativem Mammakarzinom, bei denen ITIH5 noch im Gewebe nachgewiesen werden kann, haben nach unseren Analysen ein geringes Rückfall-Risiko und daher eine sehr gute Prognose", weiß Dahl.

Derartige Tumormarker, wie die Arbeitsgruppe sie nun mit dem Gen ITIH5 gefunden hat, werden in der modernen Behandlung von Krebspatienten immer wichtiger; allerdings steht deren systematische Entdeckung, Bestätigung und Anwendung in der Klinik immer noch in den Anfängen.

Professor Dahl: "Je besser die Wissenschaftler die Signalwege in der Krebszelle verstehen, um so individueller kann in Zukunft die Therapie auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden." Dazu ist noch viel Forschungsarbeit nötig, denn es gibt etwa 30.000 Gene, die in vielfältiger Weise interagieren. Den Forschern kommt bei ihren Analysen aber zu gute, dass Gene sehr stabil sind. Sie bestehen aus dem informationstragenden Molekül DNS, welches bei entsprechender Lagerung auch noch nach Jahren analysiert werden kann. Professor Dahl schreibt der sorgfältigen Aufbewahrung von Tumorgeweben in sogenannten Tumorbanken eine fundamentale Bedeutung für eine effiziente Krebsforschung, aber auch für die zukünftige Behandlung der Patienten zu.

Weiterhin maßgeblich für die Prognose einer Brustkrebserkrankung ist die frühzeitige Erkennung des Tumors. Das Team um Edgar Dahl forscht daher auch an einer neuen Methode der Früherkennung von Brustkrebs mittels Blutuntersuchung. "Dies ist technisch möglich, weil Tumore kleinste Mengen an DNS ins Blut abgeben und wir somit die genetischen Veränderungen im Tumor mit hochsensitiven Methoden zum Teil auch im Blut nachweisen können", so der Naturwissenschaftler. Die Forschergruppe hat sich auf den Nachweis von Veränderungen in der so genannten DNS-Methylierung spezialisiert, ein Feld, das rasant an Bedeutung zunimmt. Die Methylierung ist eine natürlich vorkommende chemische Veränderung an der DNS, die zum Abschalten von Tumorsuppressorgenen führen kann. Zurzeit untersucht Doktorandin Vera Kloten im Rahmen ihrer Dissertation, ob verschiedene DNS-Methylierungsmarker geeignet sind, Brustkrebs im Blut zu entdecken. Dazu vergleicht die Wissenschaftlerin zunächst das Methylierungsmuster dieser Gene im Tumor und dem Blut der gleichen Patientinnen. Professor Dahl: "Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, aber die Entwicklung eines neuen Diagnoseverfahrens ist ein langer Weg, ähnlich zeitaufwendig wie die Entwicklung neuer Medikamente. Wir werden diesen Weg gehen."

Nähere Informationen gibt es bei Univ.-Prof. Dr. Edgar Dahl, Lehr- und Forschungsgebiet Tumorpathologie, Telefon 0241/80-88431, E-Mail: edahl@ukaachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukaachen.de/content/folder/4326383

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aufräumen? Nicht ohne Helfer
19.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Einzelne Rezeptoren auf der Arbeit
19.10.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie