Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RWTH-Biologen bekämpfen den Sojabohnen-Rost

14.01.2009
Die Sojabohne ist seit Jahrtausenden ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Ob Sojasoße, asiatische Misosuppe oder vegetarisches Tofuschnitzel: Die Hülsenfrucht aus der Familie der Schmetterlingsblütler ist ein wertvoller Eiweißlieferant für Mensch und Tier.

Doch Umweltkatastrophen wie Dürren oder Schädlingsepidemien gefährden Ernten und damit die Versorgung vieler Menschen. Zum Beispiel bedroht ein Pilz, der rostrote Pusteln auf den Blättern verursacht und als Sojabohnen-Rost bezeichnet wird, den Ernteertrag.

Für die RWTH-Wissenschaftler Univ.-Prof. Dr. Uwe Conrath und Priv.-Doz. Dr. Ulrich Schaffrath ist dies eine große Herausforderung: Die Pflanzenschutzexperten vom Institut für Biologie III der Aachener Hochschule untersuchen, welche genetischen, molekularbiologischen und biochemischen Ursachen dafür verantwortlich sind.

"Ein Großteil der Pflanzen sind in der freien Natur gegen die meisten Schaderreger resistent", erläutert Conrath. So ist beispielsweise das heimische Wildkraut Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) gegen den Rostbefall immun. Doch wie kommt es zu dieser Nicht-Wirt-Resistenz? Die Aachener Wissenschaftler und ihr Team gehen dieser Frage nach. Für sie ist diese Pflanze ein ideales Forschungsobjekt: "Von Arabidopsis thaliana ist der gesamte genetische Schaltplan mit fast 30.000 Genen bekannt.

Daher dient sie uns als Modellpflanze", erklärt Conrath. Gemeinsam mit ihrem Team konnten die Wissenschaftler unlängst nachweisen, dass eine Mutante von Arabidopsis thaliana wesentlich anfälliger für den Rostbefall ist. "Bei dieser pen3-Mutante ist interessanterweise die Nicht-Wirt-Resistenz reduziert, der Pilz geht durch die äußere Zellschicht hindurch und wird erst später abgewehrt." Diese Erkenntnis fand und findet weltweites Interesse.

So rangiert die dazu erschienene Publikation "Characterization of Nonhost Resistance of Arabidopsis to the Asian Soybean Rust" in der Online-Ausgabe des führenden amerikanischen Fachmagazins "Molecular Plant-Microbe Interactions" (MPMI) bereits seit Wochen auf Platz zwei.

Für Conrath und sein wissenschaftliches Team sind die gewonnenen Erkenntnisse allerdings nur eine Zwischenetappe für weitere Experimente. "In den nächsten Wochen und Monaten werden wir Samen der pen3-Mutante genetisch weiter verändern. Die nachwachsenden Pflanzen, die dann einen veränderten Gencode aufweisen, werden wir mit Sojabohnen-Rost infizieren - in der Hoffnung, so das Gen zu finden, das die Rost-Resistenz bedingt." In zwei oder drei Jahren, so schätzt der RWTH-Biologe, werden die so genannten "Kandidaten-Gene" diagnostiziert sein. Dies wäre ein Durchbruch auf dem Weg, Sojabohnenpflanzen durch gezielte Eingriffe dauerhaft gegen den Rostbefall immun zu machen. Die Forschungsarbeiten wurden und werden sowohl mit Mitteln aus der Exzellenzinitiative, als auch von der Industrie gefördert.

Die Welternte an Sojabohnen betrug laut Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) im vergangenen Jahr 216.144.262 Tonnen. Die wichtigsten Exportländer sind die Vereinigten Staaten, Brasilien und Argentinien während Japan, die Niederlande und Deutschland beim Import vorn lagen.

Weitere Informationen bei Univ.-Prof. Dr. rer.nat. Uwe Conrath, Lehr- und Forschungsgebiet Biochemie und Molekularbiologie der Pflanzen, Institut für Pflanzenphysiologie, Telefon: 0241/8026540, E-Mail: uwe.conrath@bio3.rwth-aachen.de

von Ilse Trautwein

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics