Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Forscher nutzen Cyanobakterien für Produktion von Chemikalien

31.03.2016

Bochumer Forscher haben Cyanobakterien so verändert, dass sie die Synthese wertvoller Feinchemikalien katalysieren. Die für die enzymatische Katalyse notwendige Energie produzieren die Mikroorganismen durch Fotosynthese selbst. Die Ergebnisse veröffentlichte das Team um Prof. Dr. Robert Kourist in der Zeitschrift „Angewandte Chemie“.

Ziel: Energieverbrauch verringern


Prof. Dr. Robert Kourist (links) und Dr. Marc Nowaczyk sind sich sicher, dass ihre gentechnisch veränderten Cyanobakterien helfen werden, die chemische Industrie sauberer zu machen.

© RUB, Marquard

Die chemische Industrie verbraucht enorme Mengen fossiler Energie und produziert gleichzeitig viel Abfall. Der Bedarf an neuen, umweltfreundlichen Prozessen und Produkten ist daher groß.

An der RUB forschen zwei Wissenschaftler an einem ressourcenschonenderen und damit nachhaltigeren Ansatz: Prof. Dr. Robert Kourist und Dr. Marc Nowaczyk ist es gelungen, Cyanobakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie Enzyme produzieren, mit denen sich Chemikalien herstellen lassen. Die Energie, die sie zur Katalyse der Vorgänge benötigen, gewinnen die Bakterien direkt aus Sonnenlicht.

Die Sonne liefert die notwendige Energie

Um ihrer Funktion als Biokatalysatoren nachzukommen, benötigen viele Enzyme chemische Energie. Die muss man ihnen für gewöhnlich in Form von Zucker oder anderen energiereichen Verbindungen zuführen. Die Bochumer Forscher nutzen den Umstand aus, dass Cyanobakterien, ähnlich wie Pflanzen, Fotosynthese betreiben und auf diese Weise Sonnenlicht als Energiequelle heranziehen können. Die gentechnisch veränderten Mikroben sind in der Lage, die gewünschten Enzyme mit eben dieser Energie zu versorgen, was sie unabhängig von Zucker macht.

Keine unerwünschten Nebenprodukte

Für ihre Arbeit verwendeten die Bochumer Biologen erstmals gentechnisch veränderte lebende Cyanobakterien. „Besonders wichtig ist uns die Beobachtung, dass die Cyanobakterien in unseren Versuchen ausschließlich die Synthese der gewünschten Chemikalie katalysierten und damit selektiv arbeiteten“, so Marc Nowaczyk.

In vielen katalytischen Prozessen entsteht nicht nur ein Produkt, sondern noch ein spiegelbildliches. Das müssen die Forscher aufgrund seiner abweichenden biologischen Wirkung zunächst mühsam abtrennen. „Die ausgezeichnete Selektivität ist eine wichtige Voraussetzung für eine industrielle Nutzung“, erklärt Robert Kourist.

Breites Anwendungsspektrum

Die Versuche zeigten zudem, dass Enzyme aus anderen Organismen erfolgreich in Cyanobakterien eingeführt werden können. Damit kann das Verfahren für eine Vielzahl an Reaktionen eingesetzt werden.

„Die chemische Industrie muss noch sauberer werden“, formuliert Robert Kourist das große Ziel der Forscher. Die Fotosynthese für die Katalyse chemischer Reaktionen zu nutzen, sei ein vielversprechender Ansatz in diese Richtung.

Originalveröffentlichung

K. Köninger, A. Gomez-Baraibar, C. Mügge, C. Paul., F. Hollmann, M. Nowaczyk, R. Kourist (2016): Recombinant cyanobacteria as tools for asymmetric C=C bond reduction fueled by biocatalytic water oxidation, Angewandte. Chemie, DOI: 10.1002/anie.201601200

Weitere Informationen

Prof. Dr. Robert Kourist, Nachwuchsgruppe Mikrobielle Biotechnologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234 32 2502
robert.kourist@rub.de

Dr. Marc Nowaczyk, Lehrstuhl Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234 32 23657
marc.m.nowaczyk@rub.de

Redaktion: Raffaela Römer

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE