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Rostocker „PILs“, wenn das Blut nicht mehr fließt

14.04.2014

Junge Chemikerin forscht an neuartigen Gewebemodellen

Kann man mit „Rostocker Pils“ ein Gefäß nachbilden? „Ja“, sagt die junge Chemikerin Jenny Bandomir von der Universität Rostock mit einem gewissen Lächeln. Die 29-Jährige wird schnell fachlich und klärt auf: „PILs“ steht in diesem Fall für polymerisierte ionische Flüssigkeiten. Diese können vielseitig eingesetzt werden, nicht nur in der Chemie. Stunden, Tage, Monate hat die junge Forscherin im Labor gestanden und Versuche durchgeführt.


Chemikerin Jenny Bandomir hat in aufwändiger Arbeit über 20 ionische Flüssigkeiten hergestellt

(Foto: ITMZ/Thomas Rahr)

Die Universität Rostock hat sich inzwischen zu einer international anerkannten Hochburg für die Forschung über ionische Flüssigkeiten entwickelt. Dabei handelt es sich um organische Salze mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, z.B. als neuartige Beschichtung für Ballonkatheter, die herzkranken Menschen wieder zur Gesundheit und einem aktiven Leben verhelfen sollen.

Bislang erhalten diese Patienten beispielsweise einen Stent oder das verengte Gefäß wird mit einem Ballonkatheter erweitert. Jenny Bandomir erforscht u.a. mit Dr. Svea Petersen und Sebastian Kaule vom Warnemünder Institut für Biomedizintechnik neuartige Gewebemodelle mit neuartiger Beschichtung von Ballons und sagt stolz: „Wir konnten im Labor über verschiedene Wirkstofffreisetzungen von Ballonkathetern nachweisen, dass diese Beschichtung sowie die eingesetzten Gewebemodelle durchaus Potenzial haben, also mögliche Alternativen bieten“.

Die gebürtige Wismaranerin empfindet viel Freude an ihrer Forschung. „Es klappt zwar nicht immer alles, aber man geht dadurch einen großen Schritt in der eigenen Entwicklung, wenn man Höhen und Tiefen durchlebt und sich immer wieder neu motivieren muss“, sagt sie. Ihr Freund Henrik, ebenfalls Chemiker, hat bereits die Promotion hinter sich und richtet Jenny auf, wenn es mal einen Tiefschlag in ihrer Forschungsarbeit gibt.

Die Zusammenarbeit zwischen Chemikern und Ingenieuren, also unterschiedlicher Fachbereiche im so genannten REMEDIS-Projekt, genau das ist es, was Jenny Bandomir so gefällt. REMEDIS ist ein Forschungsverbund der Universität Rostock mit nationalen und internationalen Forschungs- und Industriepartnern. Gemeinsam arbeiten Wissenschaftler der Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Medizin an der Entwicklung und Verbesserung von Implantaten:

„Es macht mir unheimlich Spaß, im Team die Forschungsentwicklung zur erfolgreichen Anwendung zu führen und fächerübergreifend Impulse zu bekommen“, sagt die junge Wissenschaftlerin. Ihr Doktorvater Professor Udo Kragl ist sehr zufrieden mit der wissenschaftlichen Leistung von Jenny Bandomir. „Sie hat ein neues Feld in der Medizintechnik durch ein neu entwickeltes Material weit mit aufgestoßen, das ein Problem löst“. Am Ende wurde ein Implantatprototyp entwickelt, ein Implantationsort künstlich erzeugt und somit eine Ballondilatation im Labor simuliert.

Die Rostocker Forschung der jungen Wissenschaftlerin – zur Charakterisierung der neuartigen künstlichen Gewebemodelle – sind jetzt in einer internationalen Zeitschrift bereits veröffentlicht. Ein Indiz für einen Ritterschlag. (Text: Wolfgang Thiel)

Kontakt
Universität Rostock
Institut für Chemie
Jenny Bandomir
T: 0381 498 6451
Mail: jenny.bandomir@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

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