Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Forscher entdeckt neue Krabbe an der Ostseeküste

28.10.2016

Wissenschaftler weist erstmals Asiatische Strandkrabbe in MV nach

Spektakuläre Funde an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern. Der Meeresbiologe Dr. Wolfgang Wranik von der Universität Rostock, entdeckte bei einem Schnorchelgang im Flachwasser der Wismarbucht eher zufällig neue Einwanderer, also so genannte Aliens. Konkret handelt es sich um die Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus takanoi) und Vertreter der Kopfschildschnecken.


Dieses Exemplar einer Asiatischen Strandkrabbe stammt aus der Wismarbucht.


Der Meeresbiologe Wolfgang Wranik

(Foto: Universität Rostock/Thomas Rahr)

„Die Weibchen der Asiatischen Strandkrabbe können bis zu viermal im Jahr bis zu 50 000 Eier produzieren“, sagt Wranik. „Diese drei Zentimeter breiten und zumeist grau bis braun gefärbten Meerestiere sind ursprünglich im westlichen Pazifik an den Küsten Chinas und Japans beheimatet und aggressive, räuberische Allesfresser“, betont Dr. Wranik.

Er vermutet, dass diese Meerestiere sich an der Außenhaut von Schiffen festgekrallt und so die Distanz aus asiatischen Gewässern bis in den Atlantik und die Nordsee überbrückt haben. Sie lassen sich sehr leicht von den anderen in der Ostsee vorkommenden Krabbenarten unterscheiden. Ein typisches Merkmal der Männchen sind pelzartige Strukturen an der Basis der Scheren.

Vor zwei Jahren entdeckten Kieler Biologen wohl auch eher zufällig solche Krabben in der Kieler Förde. Und nun also sind sie erstmals auf der Sedimentoberfläche in den küstennahen Gewässern von MV von Wolfgang Wranik gesichtet worden.

Diese neuen Einwanderer leben versteckt unter Steinen oder anderem Hartsubstrat und sind deshalb nicht leicht auszumachen. Der Rostocker Meeresbiologe geht davon aus, dass diese Meerestiere seit 1993 über Ballastwasser oder durch am Aufwuchs der Außenhaut von Frachtern an die französische Küste gelangt sind. Seither breiten sie sich Jahr für Jahr entlang der französischen, belgischen, niederländischen und auch deutschen Nordseeküste aus, haben sich hier fest etabliert.

Anders bei der ebenfalls neu entdeckten Schneckenart. Die etwa ein Zentimeter großen Tiere besitzen eine blasenförmige, aber nur sehr dünnwandige Schale. „Die genaue Artbestimmung über äußere Merkmale ist schwierig“, sagt Wranik. Deshalb erfolge gegenwärtig eine DNA-Untersuchungen. „Dann wissen wir, mit welcher Art wir es zu tun haben und woher die Tiere stammen“.

Das Entdecken von zwei neuen, gebietsfremden Arten an der Ostseeküste von MV „ist sowohl beunruhigend als auch aufregend“, sagt die international erfahrene Rostocker Meeresbiologin Prof. Inna Sokolova. „Es ist noch zu früh zu sagen, ob die neuen Arten Auswirkungen auf die Ökosysteme von MV haben werden oder ob sie sogar in der Lage sind, nachhaltige Populationen zu etablieren“. Trotzdem sei ihr Eintritt in die Gewässer von MV besorgniserregend“, betont Prof. Sokolova. „Wegen der Unberechenbarkeit der möglichen Konsequenzen für das Ökosystem“. Die Forschung der Rostocker Meeresbiologin erstreckt sich über die Ökosysteme von der Atlantik-und Pazifikküste der USA, der Nordsee, dem arktischen Weißmeer und jetzt besonders auf die Ostsee.

Weltweit ist die Expansion invasiver Arten eine der wichtigsten Faktoren für den Verlust der biologischen Vielfalt. „Die Ostsee ist ein Hotspot für die Arteninvasion, mit etwa 100 gebietsfremden Arten, die in den letzten 150 Jahren in die Ostsee eingeführt wurden, meistens unabsichtlich durch die Schifffahrt“, sagt Prof. Sokolova. Zum Glück seien nur wenige der eingeführten Arten in der Ostsee invasiv (d.h. ökologisch oder wirtschaftlich problematischer) geworden. Allerdings bestehe das Potenzial, für die neue Spezies invasiv zu werden, insbesondere für opportunistische Raubtiere wie die Asiatische Krabbe.

„Wir müssen nun die Lebensräume, die für diese Arten potenziell geeignet sind, genau überwachen, um festzustellen, ob sich die Alienspopulationen etablieren und ihre Reichweite in der Ostsee ausweiten werden“, benennt die Forscherin die Aufgaben. „Wir müssen auch mehr über ihre Ökologie und Physiologie in den neuen Lebensräumen lernen, um ihr Potenzial für die Verbreitung in den anderen Gebieten der Ostsee zu bestimmen und die Konsequenzen ihrer Ausbreitung für indigene Populationen von Pflanzen und Tieren zu bewerten. Zukünftige genetische Untersuchungen könnten die Herkunft der Eindringlinge bestimmen und verstehen, wie sie in unsere Gewässer gelangten, damit wir unsere Fähigkeit, künftige Invasionen zu verhindern, verbessern könnten.“ Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Prof. Dr. Inna Sokolova
Institute of Biological Sciences
Chair of Marine Biology
Tel.: ++49-381-4986050; Fax: ++49-381-4986052
Email: inna.sokolova@uni-rostock.de
Homepage: http://www.meeresbiologie.uni-rostock.de/

Ingrid Rieck | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nesseltiere steuern Bakterien fern
21.09.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Die Immunabwehr gegen Pilzinfektionen ausrichten
21.09.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften