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Robben und Seelöwen brachten Tuberkulose in die Neue Welt

21.08.2014

Robben und Seelöwen haben die Tuberkulose von Afrika an die Küsten Perus getragen. Das zeigt eine Studie in der Fachzeitschrift „Nature“.

Wissenschaftler analysierten 1000-jährige menschliche Knochen aus Peru und wiesen einen Verwandten des heutigen TB-Erregers der Robben in den menschlichen Knochen nach.

Durch die Jagd und den Verzehr der Tiere ist der Erreger auf die Menschen übergegangen, vermuten die Forscher. Diese Erkenntnisse könnten die zukünftige Entwicklung von Impfstoffen gegen die Tuberkulose beeinflussen.

Wissenschaftler der Universität Tübingen, der Arizona State University, des Wellcome Trust Sanger Institute und des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts stiessen bei der Analyse tausendjähriger menschlicher Knochen in Peru auf ein heute ausgestorbenes Bakterium, das am nächsten mit dem heutigen TB-Erreger in Robben verwandt ist. Die Forscher vermuten, dass Robben das Bakterium aus Afrika an die Küsten Perus transportierten.

«Robben als Verbreiter der TB sind eine unerwartete Erkenntnis», sagt Sebastien Gagneux vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH). «Der entsprechende Stamm kann Menschen zwar krank machen. Aber eine Ansteckung ist extrem selten und heute keine weiterverbreitete Infektionsform.»

Ein neues Kapitel der Tuberkulose-Geschichte Lateinamerikas
Die Resultate werfen aber ein neues Licht auf die Geschichte der Tuberkulose in Amerika. Forschende gingen lange Zeit davon aus, dass die Krankheit erst mit der Kolonisierung der neuen Welt im 15. Jahrhundert durch menschliche Kontakte nach Amerika eingeschleppt wurde. «Es gab bereits früher Anzeichen, dass diese These so nicht stimmte und dass die Krankheit dort schon vorher existierte», sagt Gagneux. «Mit der Studie konnten wir nun den eigentlichen Erreger der präkolumbianischen Tuberkulose identifizieren».

Wichtige Impulse für die Impfstoffentwicklung
Tuberkulose bleibt eine globale Bedrohung. Neue Medikamente und Impfstoffe sind dringend notwendig um diese Infektionskrankheit zu bekämpfen. Mehrfach-Resistenzen gegen gängige TB-Medikamente steigen in Osteuropa, Asien und Teilen Afrikas dramatisch an. Neue Erkenntnisse zur der Entstehungsgeschichte der TB-Bakterien und deren Anpassung beim Sprung vom Tier zum Mensch könnten helfen, um neuartige Medikamente oder Impfstoffe und bessere Strategien zur Kontrolle der Krankheit entwickeln zu können.

Studie
Pre-Columbian Mycobacterial Genomes Reveal Seals as a Source of New World Human Tuberculosis Kirsten I. Bos, Kelly M. Harkins, Alexander Herbig, Mireia Coscolla, Nico Weber, Iñaki Comas, Stephen A. Forrest, Josephine M. Bryant, Simon R. Harris, Verena J. Schuenemann, Tessa J. Campbell, Kerrtu Majander, Alicia K. Wilbur, Ricardo A. Guichon, Dawnie L. Wolfe Steadman, Della Collins Cook, Stefan Niemann, Marcel A. Behr, Martin Zumarraga, Ricardo Bastida, Daniel Huson, Kay Nieselt, Douglas Young, Julian Parkhill, Jane E. Buikstra, Sebastien Gagneux, Anne C. Stone, and Johannes Krause

Kontakt
Sebastien Gagneux, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH)
sebastien.gagneux@unibas.ch
Christian Heuss, Kommunikation, Swiss TPH
christian.heuss@unibas.ch
+41 61 284 8683

Über das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH)
Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist eine der führenden Institutionen der Schweiz im Bereich Public- und Global Health. Das mit der Universität Basel assoziierte Institut vereint Forschung, Lehre und Dienstleistungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Das Swiss TPH ist eine öffentlich-rechtliche Organisation und deckt etwa 18% seines Budgets von etwa 80 Millionen Franken durch Kernbeiträge der Kantone BS ,der Universität Basel und damit auch des Kantons BL (10%) sowie des Bundes (8%). Die restlichen Mittel (82%) werden kompetitiv eingeworben. Das Institut umfasst über 700 Mitarbeiter, die in 21 Ländern tätig sind.

Weitere Informationen:

http://www.swisstph.ch - Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut

Dr. Christian Heuss | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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