Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riesen-Dinos leichter dank "Luftballons" im Hals

07.10.2009
Die großen Pflanzen fressenden Dinosaurier nutzten raffinierte Luftsacksysteme und eine Fachwerk-Bauweise um ihren Hals stabil zu halten.

Eine deutsch-schweizerische Forschungskooperation von Wissenschaftlern aus des Museums für Naturkunde Berlin, dem Naturhistorischen Museum Basel und der Fachhochschule Nordwestschweiz untersuchte erstmals zwei riesige Dinosaurier-Halswirbel mit einer mechanischen Analyse-Technik, der Finiten-Elemente-Analyse, und lüfteten auf diesem Wege das Geheimnis, wie die Sauropoden das Kunststück schafften, ihre bis 10 m langen Hälse zu stabilisieren.

Die Pflanzen fressenden Sauropoden waren die größten Landtiere aller Zeiten und besaßen extrem lange, teilweise über 10 m reichende Hälse. Die Frage, wie sie diese langen Hälse überhaupt stabil halten können, beschäftigt Paläontologen seit vielen Jahrzehnten. Man weiß mittlerweile, dass die Hals- und Rumpfwirbel der Sauropoden ähnlich wie bei heutigen Vögeln von luftgefüllten Gewebeblasen umhüllt waren, welche sogar in das Wirbelinnere vordrangen und die Knochen löcherig wie einen Käse machten.

Für die neuesten Untersuchungen wurden Knochen des Brachiosaurus aus dem Museum für Naturkunde Berlin, sowie des Diplodocus aus dem Sauriermuseum in Aathal/Schweiz verwendet. Die Finite-Elemente-Analyse zeigt erstmals ein Bild der bei Halsbewegungen auftretenden Spannungen auf die Wirbelknochen.

Wie in einem Fachwerkbau verteilten sich diese Spannungen hauptsächlich außen am Knochen über ein komplexes Leistensystem. Die belastungsarmen Bereiche des Knochens dazwischen konnten somit durch das viel leichtere Luftsackgewebe ersetzt werden. Noch leichter wurden die Hälse durch die raffinierte Halsmuskulatur der Sauropoden. Die Muskeln waren in viele kleine Einheiten aufgegliedert und benötigten nur wenig Ansatzfläche am dadurch noch kleineren Knochen.

Wie die Paläontologen in der am 30. September 2009 in der internationalen Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society Biological Sciences erschienenen Studie schreiben, sparte die "Fachwerk"-Bauweise der Wirbelknochen im 9 m langen Hals des Berliner Brachiosaurus etwa 30% des Halsgewichtes. Die sehr effektive Kombination von Luftsacksystemen, kleinflächig gegliederter Muskulatur und dünnen Knochenleisten erklärt nun schlüssig, warum riesige Sauropodenwirbel trotz ihrer beeindruckenden Größe von bis zu 1 m Länge gleichzeitig so fragile Gebilde waren. Die einmalige Leichtbauweise im Skelett war eine wichtige Voraussetzung für die unerreichten Riesengrößen der Sauropoden.

Kontakt:

Dr. Daniela Schwarz-Wings, Saurier-Kuratorin,
Tel. +49(0)30 2093 8754 Fax. +49(0)30 2093 8868,
e-mail d.schwarz-wings@mfn-berlin.de
Dr. Gesine Steiner, Öffentlichkeitsarbeit, Tel. +49(0)30 2093 8917 Fax. +49(0)30 2093 8914, e-mail gesine.steiner@mfn-berlin.de; www.naturkundemuseum-berlin.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news337383

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.mfn-berlin.de
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Langhalsdinos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE