Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ribosomen – Neuer Sonderforschungsbereich erforscht Hochleistungsmaschinen biologischer Zellen

27.05.2011
Wie Ribosomen entstehen und wie sie bei der Produktion von Proteinen in biologischen Zellen kontrolliert werden, wird nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Regensburg in einem groß angelegten Forschungsverbund untersucht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) 960 „Die Bildung von Ribosomen: Grundlagen der RNP-Biogenese und Kontrolle ihrer Funktion“ über einen Zeitraum von vier Jahren mit etwa 9 Millionen Euro.

Ribosomen sind als zelluläre Fabriken für die Herstellung von Eiweißen verantwortlich und bestimmen damit die Funktionen und die Struktur aller biologischen Zellen. Bis zu 200.000 Stück von ihnen kommen in jeder Zelle vor. Doch Ribosomen sind nicht nur selbst komplexe Hochleistungsmaschinen, auch ihre eigene Entstehung (Synthese) ist ein sehr komplizierter Vorgang. Dafür scheint das exakte Zusammenspiel von etwa 300 unterschiedlichen Faktoren notwendig zu sein. Jeder fehlerhafte Einzelschritt im Verlauf der Ribosomenproduktion hat fatale Konsequenzen für eine Zelle, da sie nur mit funktionierenden Ribosomen lebensfähig ist. Wie Ribosomen in den Zellen zusammengebaut werden und wie ihre Funktion kontrolliert wird, ist allerdings noch wenig bekannt und wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Die offenen Fragen im Zusammenhang mit der Entstehung und der Regulation von Ribosomen zählen deshalb zu den großen Herausforderungen der modernen Biowissenschaften.

Die Beantwortung dieser Fragen steht im Fokus des neuen Regensburger SFBs, an dem auch ein Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt ist. Dabei sollen die Untersuchungen der Forscher nicht nur grundsätzliche Erkenntnisse über die Entstehung von Ribosomen, sondern auch über die vielschichtigen Maschinerien in biologischen Zellen liefern, die ähnlich wie die Ribosomen aus Proteinen und Ribonukleinsäuren aufgebaut sind: Ribonucleoproteine (RNPs). Es häufen sich die Hinweise darauf, dass mit einer fehlerhaften Ribosomen- oder RNP-Synthese verschiedene Krankheitsbilder verbunden sind. „Defekte Ribosomen oder RNPs werden inzwischen mit mehreren Erbkrankheiten, der Entstehung von Krebserkrankungen und mit Folgen für den natürlichen Alterungsprozess der Zellen in Verbindung gebracht“, erklärt der Sprecher des neuen SFBs, Prof. Dr. Herbert Tschochner vom Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie der Universität Regensburg. Das Wissen um die Faktoren und Mechanismen, die an der Ribosomensynthese und -kontrolle beteiligt sind, birgt deshalb langfristig auch großes Potential, um die molekularen Grundlagen verschiedener Erkrankungen zu klären.

Der neue Forschungsverbund kann auf Vorarbeiten der ebenfalls DFG-geförderten Forschergruppe 1068 „Vom Chromatin zum Ribosom. Regulation und Mechanismen der Ribosomen-Biogenese“ aufbauen, die 2008 an der Universität Regensburg eingerichtet wurde und auch von Prof. Tschochner geleitet wird. Der SFB ist zudem eine bedeutende Ergänzung für die molekular arbeitenden Gruppen der Regensburger Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin, die im Regensburger Zentrum für Biochemie und Biophysik (RZBB) zusammengefasst sind. An den Verbund angegliedert ist ein Doktorandenkolleg, in dessen Rahmen besonders qualifizierte Doktoranden zusätzlich gefördert werden können. Damit kann der SFB nicht nur einen wichtigen Beitrag zu hervorragender Forschung, sondern auch zur Ausbildung exzellenter Nachwuchswissenschaftler leisten.

... mehr zu:
»DFG »Genetik »Protein »RNPs »Ribosom »Zelle
Hintergrundinformationen zu DFG-Sonderforschungsbereichen:
Sonderforschungsbereiche der DFG sind auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die Grenzen ihrer jeweiligen Fächer, Institute und Fakultäten hinweg im Rahmen eines übergreifenden und wissenschaftlich exzellenten Forschungsprogramms zusammenarbeiten. Sie ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben durch Konzentration und Koordination der an einer Hochschule vorhandenen Kräfte. Von den antragstellenden Hochschulen wird dafür die Bereitstellung einer angemessenen Grundausstattung erwartet. Das SFB-Programm soll auf eine Profilbildung an den beteiligten Hochschulen hinwirken. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehören zu den weiteren Zielen eines Sonderforschungsbereichs (vgl. http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/sfb/index.html).
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Herbert Tschochner
Universität Regensburg
Institut für Biochemie, Genetik und Mikrobiologie
Tel.: 0941 943-2472
Herbert.Tschochner@vkl.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Berichte zu: DFG Genetik Protein RNPs Ribosom Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten