Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum sich resistente Tuberkulosebakterien verbreiten

19.12.2011
Tuberkulosebakterien, die gegen Medikamente resistent sind, haben in den letzten Jahren stark zugenommen.

Den Gründen dafür sind Forschende des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts (SwissTPH) auf der Spur. Dafür verantwortlich sein könnten sogenannte Kompensationsmutationen im Erbgut dieser Bakterien, wie sie in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature Genetics» berichten.

Tuberkulose ist nach wie vor eine der wichtigsten Infektionskrankheiten; nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich über 1,8 Millionen Menschen daran. Obwohl die Krankheit mit Antibiotika behandelt werden kann, gilt die zunehmende Medikamentenresistenz im Bakterium M. tuberculosis, dem Erreger der menschlichen Tuberkulose, als eine ernsthafte Bedrohung. Antibiotikaresistente Bakterien sind oft weniger ansteckend als empfindliche Erreger, weil die Mutationen, die zu den Resistenzen führen, den normalen Stoffwechsel beeinträchtigen. Trotzdem wird seit ein paar Jahren weltweit ein starker Anstieg von multiresistenten Tuberkulosebakterien beobachtet.

Prof. Sébastien Gagneux und seine Forschungsgruppe am SwissTPH in Basel haben eine mögliche Erklärung für die erfolgreiche Verbreitung dieser Bakterien gefunden. Sie entdeckten in der RNA-Polymerase von multiresistenten Tuberkulosebakterien nämlich sogenannte Kompensationsmutationen, die zu einer erhöhten Ansteckung beitragen, ohne zu einem Verlust an Resistenz zu führen. Kompensationsmutationen sind spezifische Mutationen, welche die wegen der erworbenen Resistenz verminderte Vermehrungsrate eines Organismus wieder erhöhen.

Die Analyse einer grosser Anzahl klinisch isolierter M. tuberculosis zeigte, dass Kompensationsmutationen in jenen Ländern am häufigsten auftreten, in denen das Problem der multiresistenten Tuberkulose am grössten ist. Dies deutet darauf hin, dass diese Kompensationsmutationen bei der Übertragung multiresistenter M. tuberculosis eine wichtige Rolle spielen. Diese Erkenntnisse erlauben es, die Kontrollstrategien anzupassen, um der Verbreitung besonders ansteckender, multiresistenter Tuberkulosebakterien entgegenzuwirken.

Weitere Auskünfte
Prof. Sébastien Gagneux, Swiss Tropical and Public Health Institute Basel, Tel.: +41 (0)61 284 83 69, E-Mail: Sebastien.Gagneux@unibas.ch
Originalbeitrag
Iñaki Comas, Sonia Borrell, Andreas Roetzer, Graham Rose, Bijaya Malla, Midori Kato-Maeda, James Galagan, Stefan Niemann & Sebastien Gagneux
Whole-genome sequencing of rifampicin-resistant M. tuberculosis strains identifies compensatory mutations in RNA polymerase genes

Nature Genetics, Advance Online Publication, 18 December 2011, DOI: 10.1038/ng.1038

Christoph Dieffenbacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.1038.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung
22.03.2017 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Mit voller Kraft auf Erregerjagd
22.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie