Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reinlichkeit im Spatzennest - Nesthygiene spielt eine Rolle bei der Vermeidung von Kuckuckskindern

10.12.2013
Seit den Kuckuckseiern wissen wir, dass in Vogelnestern nicht immer die Eier liegen, die auch wirklich zum brütenden Vogel gehören.

Forscher vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung an der Vetmeduni Vienna untersuchten 60 Feldspatzennester und fanden heraus, dass die Vögel fremde Eier durchaus erkennen und diese auch aus dem Nest entfernen. Warum sie das tun, und ob angeborenes Putzverhalten dabei eine Rolle spielt veröffentlichten die Forscher vor Kurzem im Journal Plos One.


Eines der fünf Eier in diesem Gelege ist anders gemustert. Dies findet man häufig in Gelegen von Feldspatzen. Bild: Herbert Hoi / Vetmeduni Vienna

Ein Nest bauen, Eier legen, ausbrüten und sich um die Küken kümmern, das sind energieaufwändige Aufgaben für einen Vogel. Deshalb sind Vögel darauf bedacht, auch wirklich nur in die eigenen Jungen zu investieren. „Nestparasiten“, so nennen Experten die Eier die in fremden Nestern liegen, machen es den Vogeleltern oft nicht leicht. Die Fremdlinge müssen erkannt und aus dem Nest geworfen werden. Können die Vögel fremde Eier nicht von den eigenen unterschieden, riskieren sie, dass der fremde Nachwuchs sogar den eigenen tötet.

Nicht alle Vogelarten erkennen fremde Eier

Jede Vogelspezies hat ihre eigene Strategie, wie sie mit „Fremdlingen“ im Nest umgeht. Vögel zählen beispielsweise die Eier im Nest und erkennen so genau, wenn plötzlich eines zu viel ist. Andere orientieren sie eher an der Größe oder der Pigmentierung der Eier. Manche entdecken zwar, dass ihnen ein „Kuckucksei“ untergejubelt wurde, besitzen aber gar nicht die Kraft, das fremde Ei aus dem Nest zu schubsen. Einigen Vögeln sind fremde Eier im Nest gar egal. Auf jeden Fall ist die Erkennung fremder Eier nicht einfach und viele Vögel scheitern daran.

Motivation für den Eierrauswurf wird hinterfragt

Der Feldspatz (Passer montanus) produziert zwar, innerhalb seiner Art, ganz unterschiedlich große und gefärbte Eier. Verhaltensforscher Herbert Hoi und seine Kollegen vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung wollten dennoch wissen, wie gut der Feldspatz seine eigenen von fremden Eiern unterscheiden kann und ob er sie auch aus dem eigenen Nest entfernt. Dafür legten die Forscher echte Eier, aber auch Ei-Attrappen in Form von eiförmigen Scheiben in unterschiedlichen Farben und Größen, in die Nester. Die Verhaltensforscher entschieden sich für diese Objekte, da sie auch für kleine Singvögel leicht aus dem Nest zu entfernen sind. Es besteht keine Gefahr, dass Spatzen aufgrund ihrer zu geringen Körperkraft, Eier nicht aus ihren Brutstätten werfen können.

Die Forscher wollten wissen, warum die Spatzen bestimmte Objekte aus den Nestern entfernen, wie schnell sie das tun, wann und warum. Aus welchen Gründen die Feldspatzen fremde Eier aus ihre Nestern werfen, wurde bisher noch nicht untersucht. Sie legten deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten (während des Eierlegens und während der Brutphase) fremde Eier bzw. Ei-Attrappen in die Nester, die sich stark von den arteigenen Eiern unterschieden.

Nester Sauberhalten als Motivation

Es stellte sich heraus, dass Feldspatzen etwa ein Drittel der fremden Eier während der Legephase aus dem Nest werfen. Die restlichen Fremdeier brüteten sie weiter aus. Die Ei-Attrappen wurden sogar zu über 80 Prozent aus den Nestern geworfen, ganz egal, ob währen des Eierlegens oder der Brutphase. Diese Resultate zeigen einerseits, dass die Spatzen fremde Eier erkennen können und diese auch aus ihren Nestern entfernen. Allerdings funktioniert dieses Verhalten nicht zu 100 Prozent. Entweder erkennen die Vögel nicht alle fremden Eier oder sie schaffen es nicht immer, die schweren Eier mit ihrem Schnabel aus den Nestern zu hieven. „Uns überraschte, dass die Vögel während der Legephase häufiger fremde Objekte aus ihren Nestern entfernten, als während der Brutphase. Wir glauben, dass die Feldspatzen das Ausbrüten fremder Eier so vermeiden möchten. Es gibt aber auch eine weitere Motivation: Das Sauberhalten der Brutstätte. Es zeigte sich, dass weiße und kantige Objekte während der Brutzeit weniger häufig entfernt wurden. Diese Formen und Farben erinnern die Vögel wahrscheinlich an Eischalen. Üblicherweise entfernen die Tiere diese Teile erst nach dem Schlüpfen der Küken und halten so das Nest für die Nachkommen sauber.“

Alle Experimente fanden in einer ländlichen Umgebung in der Nähe von Feuerbrunn (Niederösterreich) statt. Die Nistkästen waren in den örtlichen Weinbergen, an Zaunpfosten und Marillenbäumen montiert.

Der Artikel “Nest sanitation as the evolutionary background for egg ejection behaviour and the role of motivation for object removal” von Miroslav Poláèeka, Matteo Griggio, Michaela Bartíková, und Herbert Hoi wurde im Journal Plos One veröffentlicht.

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0078771

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist die einzige veterinärmedizinische, akademische Bildungs- und Forschungsstätte Österreichs und zugleich die älteste im deutschsprachigen Raum (gegründet 1765). Die Vetmeduni Vienna forscht an Themen, die für die Gesellschaft bedeutend sind. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, Themen der Tierhaltung, des Tierschutzes und der Tierethik.

Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bildet zurzeit 2300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und modernste Forschungsinfrastruktur. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls dazu. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr.phil. Herbert Hoi
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 664 60257-6051
herbert.hoi@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Dr. Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at
http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2013/spatzen-nest/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Fettleber produziert Eiweiße, die andere Organe schädigen können
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

nachricht Auf dem Weg zu künstlichem Gewebe- und Organersatz aus dem 3D-Drucker
18.08.2017 | Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten