Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sind Regulatorische T-Zellen der Schlüssel zu effektiveren Impfungen? Eine Frage des Timings.

30.10.2012
Gegen viele Infektionskrankheiten existieren keine wirksamen Impfstrategien – die Antworten des Immunsystems auf den Impfstoff fallen zu schwach aus.

Forscher versuchen deshalb, das Immunsystem auszutricksen, indem sie Regulatorische T-Zellen abschalten, die ansonsten die Immunantwort dämpfen.

Immunologen des Institut Curie, Paris, haben die Effekte beim Abschalten dieser Zellen unter Beteiligung des TWINCORE Instituts für Infektionsimmunologie genauer untersucht. Dass ein solcher Eingriff in unser Immunsystem vor allem eine Frage des genauen Timings ist, publizieren sie in der aktuellen Ausgabe von Science.

Solange Eindringlinge für unser Immunsystem gut zu erkennen sind, weil sie sich frei in unseren Blutbahnen und Schleimhäuten bewegen, reagiert das Immunsystem schnell und effizient. Schwierig wird es, wenn die Erreger sich in unseren Zellen verstecken oder unsere Zellen – wie bei Krebserkrankungen – selbst zum Gegner werden. Dann ist die Unterscheidung zwischen „fremd“ und „selbst“ durch das Immunsystem kritisch.

Hält es „fremd“ für „selbst“, reagiert es nicht, hält es „selbst“ für „fremd“, greift es gesundes Gewebe an und löst sogenannte Autoimmunerkrankungen aus. Eine zentrale Rolle bei dieser Unterscheidung spielen die Regulatorischen T-Zellen, kurz Tregs. Sie haben unter anderem die Aufgabe, die für die Abwehr zuständigen T-Zellen zu regulieren. Erkennen die T-Zellen eigene Zellen als Gegner und droht eine Autoimmunreaktion? Werden die T-Zellen zu übereifrig und droht die Immunreaktion überzuschießen? Dann greifen die Tregs ein.

„Damit spielen Tregs auch eine zentrale Rolle bei Impfstrategien gegen intrazelluläre Erreger oder Krebs“, sagt Catharina Arnold-Schrauf, Wissenschaftlerin am Institut für Infektionsimmunologie des TWINCORE. Eine experimentelle Strategie, die von vielen Wissenschaftlern derzeit verfolgt wird, ist, Tregs während der Impfung zu entfernen, um damit den T-Zellen ihre Gegenspieler zu nehmen und für eine stärkere Immunreaktion zu sorgen.

Entscheidend für den Impfvorgang ist das Priming, bei dem die T-Zellen auf Fremdantigen geprägt werden. Beim Priming reagiert das Immunsystem auf einen Eindringling, indem es unterschiedlichste T-Zellen auf ihre Wirksamkeit prüft. Die wirksamsten T-Zellen werden dann massenhaft hergestellt und schwärmen aus, um den Angreifer abzuwehren. Also – so die Theorie – sollte die Abwesenheit von den regulierend eingreifenden Tregs wie ein Turbo auf die Produktion von T-Zellen wirken.

„Wir haben diesen Ansatz mit dem intrazellulären Infektionserreger Listeria monocytogenes in Mäusen überprüft, deren Tregs wir ausschalten können, und eine erstaunliche Entdeckung gemacht“, sagt Catharina Arnold-Schrauf. „Fehlen Tregs während des Priming-Vorganges, verschiebt sich die Qualität der Immunantwort zugunsten der schwächeren, weniger wirksamen T-Zellen.“ Und daran hängt ein wichtiger Impfeffekt: Denn nur wenn das Immunsystem beim Priming starke T-Zellantworten erzeugen kann, kann es sich später auch wieder daran erinnern. Und das wiederum ist das entscheidende Kriterium für den Impferfolg. Denn das Immunsystem muss auch noch nach Jahren passende Abwehrzellen parat haben, die den Erreger erkennen.

„Mit diesen Ergebnissen können wir in Zukunft besser einschätzen, ob und wann es sinnvoll ist, Tregs aus dem System zu entfernen“, schließt Prof. Dr. Tim Sparwasser, Direktor des Instituts für Infektionsimmunologie. „Das Timing bei der Treg-Depletion spielt eine zentrale Rolle, wenn wir das Gleichgewicht zwischen Tregs und T-Zellen günstig beeinflussen wollen, um Infektionen oder Krebs zurückzudrängen.“

Literatur:
Luigia Pace, Andy Tempez, Catharina Arnold-Schrauf, Fabrice Lemaitre, Philippe Bousso, Luc Fetler, Tim Sparwasser, Sebastian Amigorena, Science 26 October 2012: Vol. 338 no. 6106 pp. 532-536; DOI: 10.1126/science.1227049
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Tim Sparwasser, tim.sparwasser@twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-201

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de
http://www.twincore.de/infothek-und-presse/mitteilungen/newsdetails/artikel/336/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie