Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regulator der T-Zell-Immunantwort identifiziert

13.10.2010
Lange Zeit war unklar, wie es weiße Blutkörperchen schaffen, sich nach Kontakt mit einem Krankheitserreger (Antigen) genügend schnell zu vermehren.

Der Schlüssel dazu ist eine winzig kleine Nukleinsäure, eine microRNA, wie Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Zellbiologie von Prof. Dr. Andreas Radbruch am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) nun entdeckt haben.

Sobald ein Krankheitserreger in den Körper eindringt, beginnt der Wettlauf. Pathogen und T-Helfer-Zellen, die als Teil des adaptiven Immunsystems jeweils auf ein Antigen spezialisiert sind, vermehren sich um die Wette. Es geht um die Entscheidung zwischen erfolgreicher Besiedlung, also Krankheit, und Abwehr des Eindringlings, also Gesundheit.

Bei Krankheiten wie Leukämie ist die Regulation dieser T-Zell-Vermehrung defekt. Der Körper kann die Eindringlinge nicht abwehren. Bei Autoimmunkrankheiten, wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, kommt es dagegen zu einer übermäßigen Expansion krankheitsfördernder T-Helfer-Zellen. Eine chronische Entzündung ist die Folge.

Rolle der microRNA-182
Aufgrund der Vielzahl von Krankheitserregern kann im Körper jeweils nur eine geringe Zahl von T-Zellen gegen jedes Antigen vorgehalten werden. Ihre Vermehrung ist strikt kontrolliert. Im Ruhezustand sorgt ein Protein, der Transkriptionsfaktor Foxo1, dafür, dass sich T-Helfer-Zellen nicht unkontrolliert vermehren. Sobald aber ein Antigen an den T-Zell-Rezeptor auf der Oberfläche der T-Helfer-Zellen bindet und sie damit aktiviert, wird diese Blockade aufgehoben. Die Vermehrung der spezifischen T-Helfer-Zellen nimmt ihren Lauf und wird unterstützt durch den Botenstoff Interleukin-2. Man spricht von klonaler Expansion.

Die Aktivierung der Vermehrung über den T-Zell-Rezeptor und Interleukin-2 ist allerdings nur von kurzer Dauer. Für die anhaltende klonale Expansion bedarf es eines weiteren Signals. Dieses zweite, durch Interleukin-2 aktivierte Signal, liefert eine winzige Ribonukleinsäure (RNA), die microRNA-182, wie das Team um Andreas Radbruch, Anna-Barbera Stittrich und Mir-Farzin Mashreghi vom DRFZ zeigen konnte. Die microRNA-182 sorgt dafür, dass Foxo1 länger blockiert bleibt und damit der Expansion nichts im Wege steht.

Dass die microRNA-182 tatsächlich eine zentrale Rolle in der physiologischen Regulation von Immunantworten spielt, konnte in einem Mausmodell für Arthritis bestätigt werden. Wenn ein Hemmstoff gegen die microRNA-182 gegeben wurde, konnten sich die aktivierten T-Helfer-Zellen nicht ausreichend vermehren, um die für die Arthritis typische, überschießende Immunantwort auszulösen. Die Entdeckung der Funktion von microRNA-182 eröffnet somit neue therapeutische Möglichkeiten, unter anderem bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Dieses Projekt wurde durch das FORSYS Netzwerk des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Beteiligt waren neben den Wissenschaftlern des DRFZ auch Wissenschaftler des Max-Delbrück-Zentrums, der Charité-Universitätsmedizin, der Firma Miltenyi-Biotec, des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie.

Stittrich A.-B. et al., Regulator der T-Zell-Immunantwort identifiziert. Nature Immunology (2010) doi:10.1038/ni.1945 (Online Version)

Kontakt:
Dr. Mir-Farzin Mashreghi
Tel.030-28460 601
E-Mail:mashreghi@drfz.de

Jacqueline Hirscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.drfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics