Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Raffiniert maskiert: Entwicklung von chemischen "trojanischen Pferden" hochrangig publiziert und zum Patent angemeldet

08.10.2008
In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Chris Meier aus dem Department Chemie der Universität Hamburg wurde erstmals ein Verfahren entwickelt, das es erlaubt, für die Verwendung als Medikamente wichtige zuckerhaltige DNA-Bausteine so zu "maskieren", dass sie ihre Wirkung erst entfalten, wenn sie in den Zellen angekommen sind. Dieses Verfahren eröffnet neue Perspektiven für die Entwicklung von hochwirksamen Wirkstoffen gegen Krebs, HIV und andere Infektionserkrankungen.

Die Universität Hamburg hat das Verfahren zum Patent angemeldet. Einzelheiten zu den Forschungsarbeiten sind ab heute in einem der weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Journalen, der Angewandten Chemie, als "highly important paper (HIP)" online veröffentlicht.

Die DNA bzw. ihre Bausteine spielen im menschlichen Körper eine wesentliche Rolle als Träger der Erbinformation sowie als Energieträger. Deshalb sind strukturell verwandte Verbindungen wichtige Substanzen bei der Medikamentenentwicklung. Manchmal wirken sie allerdings nicht dort, wo sie sollen, kommen an ihrem Ziel nicht an oder der Körper bildet gegen sie Resistenzen. Mit dem unter Leitung von Prof. Meier entwickelten Verfahren können nun erstmals chemisch synthetisierte Verbindungen, die DNA-Bausteinen ähnlich sind, in Zellen geschleust werden, ohne dass der Körper sie vorher erkennt. Einem trojanischen Pferd gleich durchdringen diese Verbindungen "maskiert" als Wirkstoffvorstufen (Prodrugs) die Zellmembranen. In den Zellen werden die "chemischen, trojanische Pferde" dann durch körpereigene Enzymen gespalten und die eigentlichen Wirkstoffe freigesetzt.

Das Konzept wurde zuerst an strukturellen Varianten (Analoga) von Nucleosiddiphosphaten getestet, die im Bereich der antiviralen Chemotherapie bei Infektionen Einsatz finden und die Virusvermehrung blockieren. Nucleosid-Analoga werden bereits seit längerem klinisch zur Therapie, z. B. bei HIV, eingesetzt. Hier besteht weiterhin ein großer Bedarf an neuen anti-HIV Wirkstoffen, da durch das Auftreten von Resistenzen die bereits bekannten Medikamente unwirksam werden.

Nicht alle Nucleosid-Analoga sind antiviral aktiv. Ihre Aktivität hängt von einer effizienten intrazellulären Umwandlung in den letztlich bioaktiven Stoff ab. Das neue Verfahren hilft hier, ineffiziente Stoffwechselschritte zu umgehen. Damit ist das Konzept zur intrazellulären Nucleosiddiphosphat-Freisetzung auch ein wesentlicher Schritt zur Entwicklung neuer Medikamente, die für die antivirale Chemotherapie, die Krebstherapie oder Stoffwechselerkrankungen genutzt werden können.

Dazu Prof. Dr. Chris Meier: "Ziel unserer Forschung ist es, neue Wirkstoffe bzw. neue Wirkstoff-Konzepte zu entwickeln, die effizient gegen Infektionskrankheiten einsetzbar sind. Je selektiver der Wirkstoff einsetzbar ist, desto besser."

Das Potential dieses neuen Verfahrens ist sehr groß, da prinzipiell eine Anwendung auf verschiedenste, biologisch aktive Verbindungen möglich ist. So kann das Konzept nicht nur für Nucleinsäurebausteine, sondern auch für andere Naturstoffe eingesetzt werden, um verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper zu stoppen oder aber zu fördern.

Der Artikel in der Angewandten Chemie kann abgerufen werden unter:
http://www3.interscience.wiley.com/journal/121427683/abstract
Für Rückfragen:
Prof. Dr. Chris Meier
Institut für Organische Chemie
Tel.: 040-428 38-43 24
E-Mail: chris.meier@chemie.uni-hamburg.de

Viola Griehl | idw
Weitere Informationen:
http://www.chemie.uni-hamburg.de/oc/meier/
http://www3.interscience.wiley.com/journal/121427683/abstract

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie