Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rätselhaftes Gen funktionell entschlüsselt

23.06.2014

Das Protein BEM46 kommt bei allen Lebewesen mit Zellkern vor. Bei Säugetieren liegen jeweils mehrere Genkopien vor, bei Pilzen nur eine einzige.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es jetzt erstmals gelungen, den Zusammenhang zwischen BEM46 und Fortpflanzungs- und Wachstumsprozessen in Pilzen nachzuvollziehen. Die Studie wurde am 13. Juni online in der Fachzeitschrift Eukaryotic Cell veröffentlicht.

Bisher sind weltweit etwa 80.000 Pilzarten bekannt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten aber noch viele unentdeckte Arten. Diese Vielzahl an Arten interessiert die Forschungsteams, vor allem weil sie in ihnen eine Vielzahl von Stoffen vermuten, die möglicherweise zukünftig in Medikamenten Anwendung finden könnten.

Ein Wissenschaftlerteam an der CAU hat jetzt einen Pilz genauer untersucht und herausgefunden, dass die Weiterverarbeitung der Erbinformationen im Zellkern, das sogenannte Spleißen, im untersuchten Pilz anders funktioniert als sonst bei Pilzen üblich. „Die Resultate des Spleißens von bem46 erzeugen im Pilz Proteine, die dessen sexuelle Fortpflanzung stören“, sagt Krisztina Kollath-Leiß, Erstautorin der Studie.

Das Team konnte außerdem nachweisen, dass der Pilz Neurospora crassa den Wachstumsregulator Auxin bildet. Die hierfür notwendigen Gene werden von BEM46 reguliert. „Das ist eine echte Überraschung!“, berichtet Professor Frank Kempken, Projektleiter der Studie.

Die Bildung von Auxin in dieser Pilzart war bereits in den 1950er Jahren beschrieben worden, geriet dann aber wieder in Vergessenheit. „Erst nachdem wir das Auxin im Pilz gefunden hatten, stolperten wir sozusagen über die alten Arbeiten“, sagt Kempken.

Außerdem konnte das Forschungsteam nachweisen, dass BEM46 mit der Bildung und dem Transport einer Aminosäure in Verbindung steht. Diese ist eine Vorstufe des Auxins und somit sind die Funktionen des Proteins BEM46 überraschend vielfältig. „Damit haben wir quasi ein neues Forschungsgebiet eröffnet“, fasst Professor Kempken die Ergebnisse der neuesten Studie zusammen. „Nachfolgearbeiten zur biologischen Systematik und zur Funktion von Auxin in Pilzen sind bereits in Arbeit. Inwieweit die biologischen Funktionen des Auxins in Medikamenten genutzt werden können ist aber zum momentanen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen.“

Originalpublikation:
Kollath-Leiß, K., Bönninger, C., Sardar, P. and Kempken, F. (2014): BEM46 Shows Eisosomal Localization and Association with Tryptophan-Derived Auxin Pathway in Neurospora crassa. Eukaryotic Cell, http://dx.doi.org/10.1128/EC.00061-14

Bilder stehen zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2014/2014-183-1.jpg
Bildunterschrift: Prof. Frank Kempken und Erstautorin Krisztina Kollath-Leiß beim Betrachten von DNA-Material, das aus Pilzen extrahiert wurde.
Foto/Copyright: Tebke Böschen, Uni Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2014/2014-183-2.jpg
Ein Agarosegel mit DNA- Molekülen wird unter UV-Licht betrachtet.
Foto/Copyright: Tebke Böschen, Uni Kiel

www.uni-kiel.de/download/pm/2014/2014-183-3.jpg
Co-Autorin Christine Bönninger und Co-Autor Puspendu Sardar vergleichen Proteinstrukturen am Computer.
Foto/Copyright: Tebke Böschen, Uni Kiel

Kontakt:
Dr. Tebke Böschen
Presse, Kommunikation& Marketing
Tel.: (0431) 880-4682
E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2014-183-pilzgen

Dr. Boris Pawlowski | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie