Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Radnetzspinnen unterschiedliche Netze bauen

18.05.2010
Während die meisten Radnetzspinnen kopfunten in ihren Netzen sitzen, haben einige wenige den Kopf oben – deren Netze sind denn auch anders gebaut.

Forscher der Tokyo Keizai University und der Universität Basel haben nun herausgefunden, dass diese unterschiedliche Orientierung der Spinnen und die Asymmetrie ihrer Netze dazu dient, den Erfolg im Beutefang zu erhöhen. Ihre Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift «Proceedings of the Royal Society B» publiziert.

Radnetzspinnen sitzen fast immer auf der Nabe ihres Netzes mit dem Kopf nach unten, wenn sie auf Beute warten, und bauen asymmetrische Netze, deren unterer Teil grösser ist als der obere. Unklar war bisher, wieso dies die Spinnen tun: Sitzen sie kopfunten, damit sie besser fliehen können, wenn sie angegriffen werden? Bauen sie vielleicht asymmetrische Netze, weil der Bau im oberen Teil aufwendiger ist? Oder geht es darum, vom Netz gefangene Insekten erreichen zu können, bevor diese fliehen?

Für ihre Studie haben die Forscher aus Japan und der Schweiz Spinnen der Gattung Cyclosa untersucht, die zwischen- und innerartliche Unterschiede in ihrer Orientierung zeigen. Während die Spinnen vieler Arten immer kopfunten im Netz sitzen, tragen die Spinnen einiger eher kleinerer Arten den Kopf oben. Spinnen der Art Cyclosa confusa wiederum sitzen sogar manchmal kopfoben, manchmal kopfunten und ab und zu auch seitwärts orientiert.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass die Orientierung der Spinnen und die Netzasymmetrie miteinander gekoppelt sind: Kopfoben sitzende Spinnen bauen Netze mit grösserem oberen Teil und kopfunten sitzende Spinnen solche mit grösserem unteren Teil; seitwärts orientierte Spinnen bauen einigermassen symmetrische Netze. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen Orientierung, Grösse und Laufgeschwindigkeiten der Spinne: Die kopfoben sitzenden Spinnen waren eher klein und konnten sich ähnlich schnell aufwärts wie abwärts bewegen, um Beute im Netz zu erreichen. Dagegen waren die kopfunten sitzenden Spinnen eher grösser und konnten deutlich schneller abwärts als aufwärts rennen.

Aufgrund von Modellrechnungen und Simulationen, die dieselben Forscher kürzlich in der Fachzeitschrift «Naturwissenschaften» veröffentlicht haben, schliessen sie, dass die Orientierung der Spinne und die Asymmetrie des Netzes dem Tier ermöglichen, das ganze Netz innert möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Damit zeigten sie, dass die Orientierung der Spinne und die Asymmetrie des Netzes dazu dienen, ihren Beutefangerfolg zu maximieren; denn die in Spinnennetzen gefangenen Insekten bleiben nicht lange dort, sondern versuchen jeweils, möglichst schnell zu entkommen.

Originalbeiträge

Nakata Kensuke & Zschokke Samuel (2010)
Upside-down spiders build upside-down orb webs: web asymmetry, spider orientation and running speed in Cyclosa

Proceedings of the Royal Society of London, Series B 277: in press. doi: 10.1098/rspb.2010.0729

Zschokke Samuel & Nakata Kensuke (2010)
Spider orientation and hub position in orb webs
Naturwissenschaften 97(1): 43-52. doi: 10.1007/s00114-009-0609-7
Weitere Auskünfte
PD Dr. Samuel Zschokke, Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz der Universität Basel, Abt. Biologie, St.-Johanns-Vorstadt 10, 4056 Basel, Tel: +41 061 267 08 54 E-Mail: Samuel.Zschokke@unibas.ch

Christoph Dieffenbacher | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/early/2010/05/10/rspb.2010.0729.abstract?sid=9bc56f1b-8358-49bc-8e8c80ef942b3018

Weitere Berichte zu: Asymmetrie Beute Cyclosa Insekt Orientierung Radnetzspinnen Spinne

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops