Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Molekulare Fossilien": Über 82 Millionen Jahre altes Hepatitis-B-Virus entdeckt

02.05.2013
Wissenschaftler der Universität Münster weisen in Vogel-Genomen prähistorische Hepatitis-B-Viren nach / Veröffentlichung in "Nature Communications"

Die Lebererkrankung Hepatitis B ist mit 350 Millionen chronischen Erkrankungen eine der häufigsten Virusinfektionen weltweit - und die Ahnen des Auslösers existieren schon seit mindestens 82 Millionen Jahren.


Größenvergleich von Hepatitis-B-Viren (grün dargestellt) und menschlichen Lymphozyten
Copyright: somersault18:24

Das hat eine Gruppe von Wissenschaftlern des Instituts für Experimentelle Pathologie der Universität Münster um Dr. Alexander Suh herausgefunden, die in Vogel-Genomen prähistorische Hepatitis-B-Viren nachweisen konnte. Die renommierte Wissenschaftszeitschrift „Nature Communications“ hat die Erkenntnisse des Teams in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht.

Die Studie der Forscher – sie gehört zu dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekt „Phylogenie der Vögel“ - erlaubt bisher nicht dagewesene Einblicke in die frühe Evolution von Hepatitis-B-Viren bei Vögeln und Säugetieren. „Viren selbst hinterlassen keine Fossilien, die Aufschluss über ihre Vergangenheit geben könnten“, erläutert Dr. Alexander Suh die Arbeitsweise der münsterschen Forschungsgruppe.

Gemeinsam mit Dr. Jürgen Schmitz, dem Leiter der Arbeitsgruppe, und Dr. Jan Ole Kriegs vom LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) entschied sich Suh, nach genomischen Überbleibseln paläoviraler Sequenzen in der Erbsubstanz von Wirtsorganismen wie Vögeln zu suchen.

Da sich Einschlüsse von viralen Sequenzen im Wirtsgenom vergleichsweise langsam veränderten, sei es heute noch möglich, viele Millionen Jahre alte virale Erbsubstanzen zu untersuchen, wie Dr. Jürgen Schmitz ausführt: „Die prähistorische virale Erbsubstanz wird quasi zum Zeitpunkt ihrer Integration ins Wirts-Genom im Urzustand eingefroren und bleibt daher bis heute als solche sichtbar – wir nennen diese Sequenzen deshalb auch molekulare Fossilien“, so Schmitz.

Durch dieses Vorgehen bei der Untersuchung molekularer Fossilien kann die frühe Evolution von Viren untersucht werden. Suh und seine Kollegen zeigten dies umfassend am Beispiel prähistorischer Einschlüsse von Hepatitis-B-Viren bei Vogel-Genomen. „Ein sensationeller Fund war dabei ein nahezu vollständiges Virusgenom, das sich seit über 82 Millionen Jahren als molekulares Fossil erhalten hat“, schildert Suh. Dieses stammt also aus dem späten Mesozoikum, einem erdgeschichtlichen Zeitabschnitt, in dem noch die Dinosaurier die Erde bevölkerten.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler legen nahe, dass die Hepatitis-B-Viren bei Säugetieren vermutlich ihren Ursprung in einem Wirtswechsel vom Vogel zum Säuger haben. „Außerdem deuten unsere Forschungen darauf hin, dass das krebserregende X-Gen menschlicher Hepatitis-B-Viren relativ spät in der Evolution dieser Virenfamilie entstand“, berichtet Suh. So sind mit diesem Sensationsfund der münsterschen Forscher nicht nur Erkenntnisse über eine Millionen von Jahren alte Form der Hepatitis B bei Vögeln möglich, sondern auch über die heutige Ausprägung dieser so weit verbreiteten Virusinfektion beim Menschen.

Kontakt:

Dr. Thomas Bauer
Dekanat der Medizinischen Fakultät
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Ressort Presse & Public Relations
Telefon: 0251 83-58937
E-Mail: thbauer@uni-muenster.de

Originalpublikation:
Suh, A., Brosius, J., Schmitz, J., Kriegs, J. O. (2013) The genome of a Mesozoic paleovirus reveals the evolution of hepatitis B viruses. Nature Communications, http://dx.doi.org/10.1038/ncomms2798

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de
http://dx.doi.org/10.1038/ncomms2798

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie