Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteinchips testen neue Krebs-Medikamente

11.04.2011
Forscherteam der Leibniz Universität Hannover entwickelt innovative Technik zur Prüfung von Wirkstoffen

Wenn neue Medikamente vor der Anwendung am Patienten auf ihre Wirksamkeit getestet werden sollen, sind im Allgemeinen aufwändige, teure Testreihen mit viel Materialaufwand notwendig.

Ein neuer Proteinchip könnte das jetzt ändern. Assay Scriptum, ein Forscherteam am Zentrum für Biomolekulare Wirkstoffe (BMWZ) der Leibniz Universität, bedruckt Chip-Oberflächen mit Proteinen, um effizient und materialsparend Wirkstoffe gegen Krankheiten zunächst auf Wirksamkeit und später auf Nebenwirkungen und Umweltverträglichkeit zu testen.

Für die bislang in dieser Form einmalige Neuentwicklung wurden die Forscher von Assay Scriptum (Assay: Test/Probe zum Nachweis bestimmter Substanzen; Scriptum: von lateinisch „Geschriebenes“) jetzt beim Wettbewerb StartUp-Impuls mit 2.500 Euro ausgezeichnet.

„Wir haben sehr vielversprechende erste Ergebnisse bei der Sondierung von neuen Krebswirkstoffen erzielt“, berichtet Dr. Carsten Zeilinger. Gemeinsam mit Dr. Frank Stahl und Dr. Johanna Walter hat er vor etwa einem halben Jahr den ersten Chip bedruckt und getestet. „Wir waren selber ganz beeindruckt, wie gut das System tatsächlich funktioniert.“ Ziel der Testreihe von potenziellen neuen Krebsmedikamenten ist es, geeignete „Aus-Schalter“ zu finden, die fehlgeleitete Vorgänge in der Zelle unterbinden. Angriffspunkt der krebsartigen Veränderungen in der Zelle ist das sogenannte Reparatursystem HSP90. In der gesunden Zelle ist es dafür da, Proteine zu reparieren.

In pathologisch veränderten Zellen ist diese Funktion, Fehlfaltungen von Proteinen zu reparieren, jedoch kontraproduktiv. Zellen mit Folgeschäden des Erbguts können sich dann unkontrolliert vermehren. „Eine Reparaturmaschine, die gut gemeint ist, aber das Falsche bewirkt“, erläutert Dr. Stahl. Man hofft, mit neuen Wirkstoffen biokompatible „Aus-Schalter“ für das Reparatursystem HSP90 in Krebszellen zu finden.

Mit dem neuen Chip können viele potenzielle „Aus-Schalter“ überprüft werden. Die Chip-Oberflächen werden mit Proteinen bedruckt, anhand derer getestet werden kann, ob der neue Wirkstoff funktioniert. So kann nun neben der reinen Anwesenheit des Proteins auch seine Funktion getestet werden – und das extrem zeit- und materialsparend. Die Proteinmenge, die für die bisherigen Ansätze (Mikrotiterplatte) benötigt wird, reicht für einige Tausend Chips; das bedeutet also eine Materialeinsparung um das mehr als Tausendfache. Ein weiterer großer Vorteil ist die Stabilität der Chips. Sie sind robust und klein genug, um sie im Paket zu verschicken und im Kühlschrank zu lagern, was bei den herkömmlichen Systemen nicht ohne Weiteres möglich ist.

Die Forschung an Naturwirkstoffen gegen Krebs ist vielversprechend. Medikamente, die schon im Gebrauch oder klinisch getestet worden sind, scheinen recht gut zu wirken. „Mit den neuen Chip-Testsystemen könnten aber nicht nur Krebsmedikamente, sondern auch Wirkstoffe etwa gegen Malaria, Bakterien oder Pilze getestet werden“, sagt Dr. Walter.

Das Testsystem soll bald patentiert werden. Das Assay Scriptum-Team denkt über eine Ausgründung nach, um die Chips auf den Markt zu bringen. Auch Kooperationen mit interessierten Pharma-Firmen wären möglich.

Jessica Lumme | Leibniz Universität
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie