Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostata: Wichtiges Protein für Krebswachstum entdeckt

09.09.2009
Innsbrucker Wissenschaftler finden Regulator für Zelltod beim Prostatakarzinom

Rund 1200 Männer sterben jährlich in Österreich an Prostata-Krebs. Europaweit muss jeder Zehnte im Laufe seines Lebens mit dieser Erkrankung rechnen. Die genauen Ursachen für die Entstehung und das Wachstum des Prostatakarzinoms, des häufigsten, bösartigen Tumors beim Mann, sind ungeklärt.

Innsbrucker Wissenschaftler haben nun erstmals ein wichtiges Protein für das Wachstum von Prostata-Krebs entdeckt. Die Zeitschrift „Cancer Research“ berichtet darüber in ihrer aktuellen Ausgabe.

Weshalb Zellen der Vorsteherdrüse (Prostata) plötzlich entarten und unkontrolliert wachsen, ist bisher nicht bekannt. Der Molekular-Pathologe Univ.-Prof. Dr. Zoran Culig von der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie und sein siebenköpfiges Team erforschen als eine weniger Gruppen in Mitteleuropa jene Signalwege, die beim Entstehen und Wachsen von Prostata-Krebs im Mikrokosmos der Zellen ablaufen. Das Team hat nun in Zellen des Prostata-Karzinoms nachgewiesen, dass ein Schlüsselprotein den Zelltod reguliert. Dieses als „SOCS-3“ bezeichnete Protein zählt zur Klasse der „Suppressor of Cytokine Signaling“ genannten Eiweißstoffe. Wie das Team jetzt herausfand, forciert dieses Schlüsselprotein das Wachstum von Prostata-Krebs dadurch, dass es den Zelltod verhindert.

Die kurz „SOCS“ genannten Eiweißstoffe – bisher sind sieben bekannt - unterdrücken im Körper die Wirkung von Zytokinen. Sie legen damit einen Sicherheitsmechanismus des Körpers bei der Regulierung des gesundes Gleichgewichtes von Zelltod und Zellteilung lahm. SOCS-Proteine haben in verschiedenen Tumorarten unterschiedliche Wirkungen. „Beim Prostata-Karzinom blockiert das als ´SOCS-3` bezeichnete Protein bestimmte Botenstoffe, die Zytokine. Der Zelltod, die sogenannte Apoptose, wird damit verhindert. Wird SOCS-3 jedoch durch spezifische Substanzen niederreguliert, sterben die Krebszellen ab“, erklärt Culig. Das Innsbrucker Team hat in Zusammenarbeit mit Kollegen vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung in Wien und der Abteilung Urologie des Landeskrankenhaus Feldkirch bei seinem neuesten Experiment die Konzentration von SOCS-3 in Zellkulturen im Labor durch eine interferierende RNA („siRNA“) unterdrückt, dabei kam es zu einem plötzlichen Absterben von Krebszellen. Der Erstautor der Arbeit, Mag. Martin Puhr, der an seiner Dissertation arbeitet, hat für Ergebnisse dieses Teilprojektes den Preis der Französischen Gesellschaft für Prostatakarzinomforschung (ARTP) bekommen.

Kommunikation des Karzinoms verstehen

Mit der Aufklärung der Rolle dieses Proteins haben Culig und sein Team einen neuen Signalweg entdeckt, der bei der Entstehung und dem Wachstum von Prostata-Krebs eine essenzielle Rolle spielen könnte. „Wir versuchen, die Entstehung von Krebs, damit die Kommunikation des Karzinoms von Anfang an, zu verstehen. Jene Signale, die zwischen den Zellen fehlgeleitet ablaufen, spüren wir auf. Vereinfacht erklärt, erforschen wir, was genau hinter der Entstehung und dem Voranschreiten von Prostata-Krebs auf molekularer Ebene abläuft, denn bei Krebs läuft die Fehlleitung von Signalen kaskadenartig, wie ein Wasserfall, ab“, sagt der Molekular-Pathologe.

Das Prostata-Karzinom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen der westlichen Welt und nur bei frühzeitiger Diagnose sehr gut behandelbar. Die Gruppe Culigs gilt – wie vor Kurzem durch eine Evaluation belegt - in diesem speziellen Forschungsbereich als eine der international renommiertesten. Zusätzlich zum nun erbrachten Nachweis, dass SOCS-3 das Wachstum von Prostata-Krebs forciert, hat das Team heuer bereits gezeigt, dass das als „SOCS-1“ bekannte Protein eine konträre Wirkung hat und die unkontrollierte Vermehrung kanzerogener Zellen der Vorsteherdrüse einschränken kann. Die Ergebnisse der Innsbrucker Grundlagenforschungen sind für weitere Krebsarten, wie z. B. Tumore des Gehirnes und des Hodens, von Bedeutung.

Eine wichtige, übergeordnete Erkenntnis des Teams und weiterer renommierter Krebsforscher in diesem Spezialgebiet ist, dass Tumorzellen lernfähig und trickreich sind, weshalb die seit den 1960er Jahren eingesetzte Hormon-Therapie bei fortgeschrittenem Prostata-Krebs in vielen Fällen nicht mehr wirkt. Langfristiges Ziel der Innsbrucker Grundlagenforschungen ist daher, experimentelle Grundlagen für eine neue Therapie gegen Prostata-Krebs zu liefern. Gefördert werden diese Forschungen von der EU und vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).

Publikation:

Down-Regulation of Suppressor of Cytokine Signaling-3 Causes Prostate Cancer Cell Death through Activation of the Extrinsic and Intrinsic Apoptosis Pathways. M. Puhr, F. R. Santer, H. Neuwirt, M. Susani, J. A. Nemeth, A. Hobisch, L. Kenner and Z. Culig. Cancer Research September 15 2009, Volume 69, Issue 18

http://cancerres.aacrjournals.org/cgi/content/abstract/0008-5472.CAN-09-0806v2

Kontakt:
Prof. Zoran Culig
Medizinische Universität Innsbruck
Universitätsklinik für Urologie
Anichstrasse 35, A-6020 Innsbruck
Tel.: ++43/512/504 - 24717
Email: zoran.culig@i-med.ac.at
Mag. Gabriele Rampl
Public Relations Prof. Zoran Culig
Kurzgasse 3/10, A-1060 Wien
Telefon: +43(0)650/2763351
Email: office@scinews.at
Web: http://www.scinews.at

Gabriele Rampl | scinews.at
Weitere Informationen:
http://www.zculig.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics