Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem programmierten Selbstmord auf der Spur

11.07.2011
Ergebnisse zur differenzierten Regulation des Zelltods in „Molecular Cell“ veröffentlicht

Wissenschaftler um Professor Dr. Martin Leverkus, Leiter der Sektion Molekulare Dermatologie an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), haben in Hauttumorzellen einen Proteinkomplex entdeckt, der eine zentrale Rolle bei der Entscheidung spielt, ob eine Zelle am programmierten Zelltod (Apoptose) oder der programmierten Nekrose (Nekroptose) zugrunde geht.

Die Kenntnis der Regulationsmechanismen, die darüber entscheiden, in welcher Weise Zellen abgebaut werden, ist von hohem klinischem Interesse. Denn der nekrotische Zelltod wirkt offenbar immunstimulierend und bietet damit möglicherweise neue Ansätze für die Therapie von Tumorerkrankungen.

Zum Hintergrund: Die meisten Gewebe des Organismus erneuern sich stetig. Kontinuierlich werden neue Zellen gebildet, während gleichzeitig andere Zellen zugrunde gehen. Das Absterben von Zellen geschieht im gesunden Organismus streng kontrolliert. Zellen kennen aber verschiedene Wege, programmiert zu sterben. Beim sogenannten programmierten Zelltod, der Apoptose, durchlaufen einzelne Zellen ein Selbstmordprogramm, ohne dass angrenzende Gewebe von diesem physiologischen Prozess betroffen sind.

Seit einiger Zeit wird einer weiteren Form des Zelltodes, der programmierten Nekrose (Nekroptose), vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Die Nekroptose wird durch schädigende Einflüsse ausgelöst und führt über bislang weitgehend unbekannte Mechanismen zu Entzündungsreaktionen. Diese entzündlichen Reaktionen schädigen nicht nur die eigentlich betroffene Zelle, sie führen auch zum Untergang unbeteiligter Zellen in Gewebeverbänden, möglicherweise indem toxische oder entzündliche Signale freigesetzt werden. Die Nekroptose könnte daher bei der Bekämpfung eines Tumors durch das Immunsystem förderlich sein, wenn nämlich solch ein Prozess in einem Tumorgewebe ausgelöst werden könnte.

Die Mannheimer Wissenschaftler konnten den Proteinkomplex, über den entschieden wird, ob Zellen durch Apoptose oder Nekroptose zugrunde gehen, mit biochemischen und molekularbiologischen Methoden genauer charakterisieren. Die Gruppe um Professor Leverkus identifizierte die Kinase RIP1 als zentralen Bestandteil dieser intrazellulären Signalplattform und bezeichnete diese deshalb als „Ripoptosom“. Des Weiteren stellten sie fest, dass die Mengenverhältnisse verschiedener Komponenten in dem Komplex darüber entscheiden, ob und auf welchen Wegen die Zellen absterben – durch Apoptose oder Nekroptose.

Weiterhin sind an der Regulation der Signalplattform die seit mehreren Jahren bekannten „inhibitors of apoptosis proteins“ (IAP Proteine) beteiligt, und zwar unmittelbar über die Kinase RIP1. Darüber hinaus identifizierten die Wissenschaftler verschiedene Isoformen des Proteins cFLIP (cFLIPL und cFLIPS) als wichtige Komponenten des Komplexes, die interessanterweise entweder Apoptose hemmen (cFLIPL) oder Nekroptose erleichtern (cFLIPS). Dies ist aber nur dann der Fall, wenn die Zelltod-fördernde Funktion von RIP1 nicht mehr durch IAPs gehemmt wird.

Aufbauend auf den neuen Erkenntnissen werden die Wissenschaftler den Komplex weiter erforschen und daraus neue Strategien für die Behandlung von Tumorerkrankungen entwickeln. Die Ergebnisse sind im Journal Molecular Cell publiziert und ab heute online verfügbar.

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1097276511004527

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu
05.12.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen
05.12.2016 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten