Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prof. Karch analysiert Münsteraner Ergebnisse der Genomsequenzierung des EHEC-Ausbruchsstamms

03.06.2011
Bisherige Untersuchungen bestätigt: „HUSEC041 (O104:H4) ist ein Hybrid-Klon“ / Datenabgleich mit dem Referenzstamm aus 2001 hat begonnen

Die Genomsequenzierung des aktuellen Ausbruchsstamms des EHEC-Erregers HUSEC041 (O104:H4) liegt seit heute morgen (06.45 Uhr, 02. Juni) den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Münster (UKM) vor (siehe Pressemeldung von Life Technologies von heute, Link unten). Prof. Dr. Dr. h.c. Helge Karch, Direktor des Instituts für Hygiene am UKM: „Unsere bisherigen Untersuchungen wurden damit untermauert: Es handelt sich bei dem Ausbruchsstamm um einen Hybrid-Klon, der Virulenzeigenschaften unterschiedlicher Erreger vereint.“

Meldungen, wonach es sich bei dem aktuellen Erreger um einen völlig neuen Typ handele, seien nicht zutreffend, betont Karch: „HUSEC041 (O104:H4) ist der bestätigte Ausbruchsstamm. Wir haben die in Münster erhobenen Ergebnisse der H-Antigen kodierenden Gene (flicH4) und des Sequenztyps ST 678 bereits am 26. Mai 2011 gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vom RKI und anderen Wissenschaftlern veröffentlicht (www.eurosurveillance.org). Mittlerweile haben wir unsere Ergebnisse an mehr als 60 HUS-Patientenisolaten bestätigt. Stämme, die zu HUSEC041 gehören sind nicht neu, sondern auch schon früher aufgetreten. Allerdings sind sie extrem selten und zwar weltweit.“

Anhand einer ersten Datenanalyse wurde heute in Münster erneut nachgewiesen, dass es sich bei den neuen Eigenschaften des Ausbruchserregers um Charakteristika handelt, die sowohl in enteroaggregativen E. coli (EAEC) als auch in enterohämorrhagischen E. coli (EHEC) und in extraintestinalen E. coli auftreten. Diese Eigenschaften sind aber bereits im Referenzstamm aus 2001 enthalten. Der aktuelle Ausbruchsstamm zeigt das gleiche Verhalten (sogenannte aggregative Adhärenz) bei der Anheftung an die Zellen der Darmwand wie sein Vorgänger aus 2001. Zudem zeigt er die gleichen Rezeptorbindungseigenschaften. „Das hat unser Stammvergleich gezeigt“, so Karch. Hinzugekommen ist ein erweitertes Antibiotikaresistenzspektrum. „Außerdem zeigt er eine etwas stärkere zellschädigende Wirkung auf Nierenzellen. Im Vergleich zu anderen HUSEC-Typen ist diese Toxizität allerdings nicht außergewöhnlich hoch“, erklärt Karch.

Die Sequenzierung wurde in den Laboren des Unternehmens „Life Technologies Corporation“ in Darmstadt unter der Leitung von Dr. Simone Guenther (Life Technologies) gemeinsam mit einem Wissenschaftlerteam aus Münster auf einem Ion Torrent Personal Genome Machine PGMTM durchgeführt. In Münster werden die Daten aktuell weiter ausgewertet. „Wir hoffen nun, anhand der Daten herauszufinden, warum sich der aktuelle Ausbruchserreger so schnell und aggressiv ausbreitet. Das ist die Aufgabe der kommenden Tage. Dabei werden wir den aktuellen Stamm auch intensiv mit dem Stamm aus dem Jahr 2001 aus unserer HUSEC-Kollektion (www.ehec.org) vergleichen. Gerade in der aktuellen Situation zeigt sich, wie wertvoll diese in Zusammenarbeit mit dem RKI erstellte Stammsammlung in unserem Institut ist“, so Prof. Karch.

Zur weiteren Information hierzu der Hinweis auf die Pressemeldung des Unternehmens Life Technologies Cooperations vom 02. Juni (6:45 CET).:

http://www.lifetechnologies.com

Das Ion Torrent PGMTM Instrument kann nur für Forschungszwecke eingesetzt werden. Es ist nicht zertifiziert für diagnostische Anwendung.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster
Weitere Informationen:
http://www.lifetechnologies.com
http://www.ukmuenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie