Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Produktionssteuerung für Gene

29.11.2010
Seit dem Wintersemester hat der Physiologe PD Dr. Ralf Mrowka die neu eingerichtete Professur für experimentelle Nephrologie an der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Jena inne. Mit systembiologischen Ansätzen und molekularbiologischen Methoden untersucht er Mechanismen, die die Genaktivität steuern.

Unser Körper gleicht einer Großbaustelle. Die menschlichen Organe arbeiten Hand in Hand zusammen. Doch manchmal geht auch etwas schief. Was passiert eigentlich bei Bluthochdruck? Wie stellt sich unser Körper auf veränderte Umweltbedingungen ein?

Die Aktivität der menschlichen Gene spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Synthese der von ihnen verschlüsselten Proteine wird zielgerichtet forciert, gedrosselt oder gar nicht erst aufgenommen. Professor Mrowka beschäftigt sich mit der Frage, welche Mechanismen die Produktion steuern und welche Regeln dahinter stehen. „Wann und wodurch welches Gen aktiviert wird, ist nun nach der kompletten Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2003 eine wesentliche Frage der Biomedizin“, so Ralf Mrowka.

Die zentrale Rolle bei der Genaktivierung spielen Transkriptionsfaktoren, DNA-bindende Proteine, die das Ablesen des Gens und die Vervielfältigung der Geninformation als RNA steuern. Um einem der etwa 25 000 menschlichen Gene einen Transkriptionsfaktor und dessen Funktion zuordnen zu können, bedarf es systembiologischer Methoden und Hochdurchsatzverfahren. „Mit Hilfe systembiologischer Verfahren formulieren wir eine Hypothese, die wir im Labor nachprüfen“, beschreibt Professor Mrowka seine Vorgehensweise. Dabei stützt sich seine Arbeit auf Daten aus großen biologischen Datenbanken, in denen die Aktivität aller Gene unter verschiedensten Bedingungen hinterlegt ist. Das in der Niere produzierte Enzym Renin, das maßgeblich an der Regulation des Blutdrucks und des Salz- und Wasserhaushaltes beteiligt ist, steht im besonderen Fokus der Forschung in seiner Arbeitsgruppe.

Im bundesgeförderten Verbundprojekt MedSys beschäftigt sich Mrowkas Arbeitsgruppe außerdem mit pluripotenten Stammzellen. Vier Gene reichen aus, um menschliche Hautzellen in das Stadium undifferenzierter Stammzellen zurück zu versetzen. „Wir versuchen dies nicht wie in den bisherigen Versuchen durch das Einschleusen der Gene in die Zellen zu erreichen, sondern durch kleine chemische Wirkstoffe, die dann die eigenen Gene in den Zellen aktivieren.“ Da man aus den pluripotenten Stammzellen prinzipiell jeden Gewebetyp herstellen kann, erhoffen sich die Wissenschaftler von den Ergebnissen wichtige Impulse für zukünftige Konzepte für den individualisierten Organersatz.

Auf sechs bis acht Mitarbeiter wird die Arbeitsgruppe „Experimentelle Nephrologie“ in den kommenden Wochen anwachsen. Die Anbindung an die Klinik ist Professor Mrowka sehr wichtig: „Wenn wir die molekularen Mechanismen in der Niere aufklären, dürfen wir die Patienten nicht aus den Augen verlieren.“ Diese Sichtweise möchte der 41-Jährige auch den Studierenden vermitteln, ab dem kommenden Sommersemester beteiligt er sich an den Lehrveranstaltungen im Masterstudiengang Molekulare Medizin.

Der gebürtige Zeitzer ist in Dresden aufgewachsen und hat in Berlin Medizin studiert. In London erwarb er das International Diploma of Imperial College im Fach „Engineering and Physical Science in Medicine“. Nach seiner Habilitation an der Charité leitete er zuletzt eine Arbeitsgruppe „Systembiologie“ am dortigen Institut für Vegetative Physiologie. In seiner Freizeit spielt der zweifache Familienvater gern Gitarre, fotografiert und konstruiert Mini-Helicopter.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Mrowka
Klinik für Innere Medizin III,
Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9396600
E-Mail: Ralf.Mrowka[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa
27.02.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Neurobiologie - Vorausschauend teilen
27.02.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik