Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proben von lebendem menschlichem Tumorgewebe erstmals mit Ionen bestrahlt

17.12.2010
Ziel ist die Krebstherapie mit Ionenstrahlen weiter zu entwickeln

Die am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entwickelte Krebstherapie mit Ionenstrahlen zeichnet sich durch hohe Heilungsraten und geringe Nebenwirkungen aus und ist seit gut einem Jahr im Routineeinsatz.

Die Wirkung von Ionenstrahlen hängt nicht nur von der Beschaffenheit des Tumors ab, sondern darüber hinaus auch von der genetischen Voraussetzung und den Lebensumständen eines Patienten. Wissenschaftler haben am GSI nun erstmals Proben von lebendem menschlichem Tumorgewebe mit Ionen bestrahlt, um dies grundlegend und systematisch zu erforschen.

Langfristiges Ziel ist es, die schon jetzt sehr wirkungsvolle Therapie mit Ionenstrahlen so weiter zu entwickeln, dass die Bestrahlungs-Dosis auf den Tumor und außerdem individuell für jeden Patienten optimal eingestellt werden kann. Eine derartige Behandlung wäre ein neuer Ansatz, denn bislang werden bei Strahlentherapien vor allem die Beschaffenheit und die Position des Tumors berücksichtigt.

Die Untersuchungen sind nur deshalb möglich, weil es an der Universität Frankfurt erstmals gelungen ist, Proben von bestimmten menschlichen Tumoren herzustellen. Das von Patienten entnommene Tumorgewebe wird dabei so präpariert, dass es über Wochen am Leben bleibt. Weil diese Proben weitgehend den natürlichen Begebenheiten im Patienten entsprechen, können die Wissenschaftler bei der Bestrahlung Effekte beobachten, die auch bei der Behandlung von Patienten auftreten. Insbesondere möchten die Wissenschaftler herausfinden, wie die durch Strahlung getroffenen Zellen auf ihre benachbarten Zellen wirken, den so genannten Bystander-Effekt. Dies ist bei bisherigen Testverfahren mit künstlichen Zellproben oder in Tierversuchen nur sehr eingeschränkt möglich.

Die am GSI entwickelte Krebstherapie mit Ionenstrahlen zeichnet sich schon jetzt durch hohe Wirksamkeit und geringe Nebenwirkungen aus. „Dennoch reagiert jeder Tumor unterschiedlich auf Strahlung: manche sind empfindlicher, stellen das Wachstum ein oder gehen zu Grunde, andere sind resistenter und werden von der Therapie nicht beeinträchtigt. Die Wirkung ist außerdem von Patient zu Patient verschieden“, sagt Professor Marco Durante, Leiter der Abteilung Biophysik am GSI Helmholtzzentrum. „Die Bestrahlung und Auswertung der Gewebeproben von Patienten bietet uns die Möglichkeit das herauszufinden. Mit diesem Wissen könnten die behandelnden Ärzte die Tumortherapie auf jeden einzelnen Patienten individuell optimieren.“

Menschliches Gewebe wird häufig während einer Operation gewonnen. Eine neue Methode ermöglicht es nun, diese Gewebekulturen für mehrere Wochen im Labor am Leben zu halten. „Diese so genannten Gewebeschnittkulturen stellen ein Testsystem für biologische Untersuchungen dar, da in ihnen nicht die Zelle einzeln, sondern in ihrer natürlichen Umgebung, das heißt in der Umgebung von anderen Zellen betrachtet werden kann“, so Professor Ingo Bechmann, der das Verfahren an der Charité und der Universität Frankfurt mitentwickelt hat und inzwischen Professor an der Universität Leipzig ist. Die Idee, diese Schnittkulturen für die Forschung am GSI einzusetzen, hatte der Frankfurter Arzt und Kurator der Senckenbergstiftung Dr. Kosta Schopow.

Erste Ergebnisse der Bestrahlungen von Gewebeschnittkulturen am GSI wurden bereits veröffentlicht:

- Modeling radiation effects at the tissue level / The European Physical Journal D (2010), DOI: 10.1140/epjd/e2010-00030-y, Müller et al.

- Tissue slice cultures from humans or rodents: a new tool to evaluate biological effects of heavy ions / Radiation and Environmental Biophysics (2010), DOI: 10.1007/s00411-010-0293-1, Merz et al.

Dr. Ingo Peter | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsi.de/portrait/presse/Pressemeldungen/17122010.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics