Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pollenflug beeinflusst Neurodermitis

15.06.2015

Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Fraunhofer ITEM und MHH

Was seit nunmehr 100 Jahren unter Wissenschaftlern diskutiert wurde, ist jetzt wissenschaftlich bewiesen: Der Gräserpollenflug hat einen Einfluss auf Neurodermitis – Betroffene zeigen ein deutlich verschlechtertes Krankheitsbild.


Am Fraunhofer ITEM haben die Wissenschaftler für klinische Studien zu allergischen Erkrankungen die Wiese ins Labor geholt – im Pollenraum herrscht ganzjährig Heuschnupfenzeit.

Foto: Ralf Mohr; Copyright: Fraunhofer ITEM

Zu diesem Ergebnis kam ein Team aus Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM und der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie hatten freiwillige Probanden mit Neurodermitis in den Fraunhofer-Pollenprovokationsraum, auf die sogenannte »Wiese im Labor«, gesetzt und beobachtet, dass die Probanden mit deutlich sichtbaren Schüben der Neurodermitis reagierten.

Die Studienergebnisse wurden jüngst im »Journal of Allergy and Clinical Immunology«http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26044854, dem weltweit führenden Fachjournal für Allergieforschung, publiziert und riefen zeitgleich großes Interesse auf der Jahrestagung der »Europäischen Akademie für Allergologie und Klinische Immunologie« hervor.

Neurodermitis ist eine quälend juckende Hauterkrankung, deren Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat und auch weiterhin zunimmt. Ihre Behandlung ist nach wie vor besonders schwierig, auch weil die Faktoren, die die Krankheit auslösen individuell sehr unterschiedlich sind.

Klar ist seit der Studie im Pollenprovokationsraum des Fraunhofer ITEM – in dem die Gräserpollen wie auf einer natürlichen Sommerwiese fliegen –, dass die Belastung der Luft mit Pollen das Hautbild der Neurodermitispatienten innerhalb von Stunden signifikant verschlechtert.

In den Laboren der MHH wurde gezeigt, dass im Blut dieser Patienten Marker für allergische Entzündungen anstiegen. Ob die Pollenprovokation für die Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen für Immuntherapien von Neurodermitispatienten infrage kommt, wird das Team aus MHH- und Fraunhofer-Wissenschaftlern nun weiter untersuchen.

Die derzeit verfügbaren Therapien zur Behandlung der Neurodermitis zielen darauf ab, die Entzündungsreaktion mit breit wirksamen Medikamenten wie Kortikosteroiden zu unterdrücken. Ein gänzlich neuer Weg könnte mit einer neuartigen Behandlungsform beschritten werden, nämlich mit der Verwendung von DNAzymen – synthetischen DNA-Molekülen mit Enzymaktivität.

Das Forscherteam hatte sich mit einem DNAzym als Therapeutikum bereits in einem anderen Projekt http://www.item.fraunhofer.de/de/presse-medien/latest-news/pm_sternaSB010.html beschäftigt. Dabei ging es um die Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit des DNAzym-Wirkstoffs zur Behandlung des allergischen Asthmas, den die Firma Sterna Biologicals http://www.sterna-biologicals.com/willkommen-bei-sterna-biologicals.html zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Marburg entwickelt hat.

Der Wirkstoff mit der Bezeichnung »SB010« http://www.sterna-biologicals.com/dnazym/das-medikament-sb010.html basiert auf der Hemmung des Transkriptionsfaktors GATA-3, der für Entzündungsreaktionen und damit einhergehende Symptome verantwortlich ist. In dem gemeinsamen Projekt lieferten die Wissenschaftler des MHH-Teams um Professor Thomas Werfel, Leiter der Forschungsabteilung »Immundermatologie und experimentelle Allergologie«, wichtige Hinweise auf die Wirksamkeit von »SB010« bei Allergien anhand von menschlichen Zellsystemen in Laborversuchen.

Die Entwicklung dieses »First-in-Class«-Wirkstoffs begleitete auch das Fraunhofer ITEM mit seiner Expertise, angefangen vom »Scientific Advice«, der wissenschaftlichen Beratung über die erforderlichen toxikologischen Tests, bis hin zu den klinischen Studien der Phasen Ib und IIa. Letztere – auch Proof-of-Concept-Studie genannt – wurde als multizentrische Studie an sieben deutschen Zentren unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Norbert Krug, Ärztlicher Direktor am Fraunhofer ITEM, an Patienten mit allergischem Asthma durchgeführt.

Eine 28-tägige Behandlung mit »SB010« führte im Vergleich zu Placebo nach spezifischer Allergenprovokation zu einer signifikanten Verbesserung der Lungenfunktion. »SB010« erwies sich außerdem als sicher und gut verträglich. Die Ergebnisse der Studie wurden im renommierten »New England Journal of Medicine« http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1411776 im Mai 2015 publiziert.

Ob das DNAzym »SB010« auch für eine Therapie der Neurodermitis eingesetzt werden kann, wird nun in der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der MHH unter der Studienleitung von Professor Werfel untersucht. Bei geplanten Folgeuntersuchungen ist das Fraunhofer ITEM wieder mit im Team. »Die hervorragenden Forschungsbedingungen und die kurzen Wege zwischen unseren benachbarten Institutionen, Fraunhofer ITEM und MHH, werden wir auch für zukünftige gemeinsame Projekte in der Allergieforschung intensiv nutzen«, sagt Professor Werfel.

Weitere Informationen:

Sie finden den Text der Pressemitteilung sowie ein Bild zum Downloaden auf unserer Homepage unter
http://www.item.fraunhofer.de/de/presse-medien/latest-news/pm_eczema.html

Kommunikation | Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics