Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Platin plus Licht gegen Krebs

14.09.2010
Für eine nebenwirkungsarme Tumortherapie: Platin-Komplex entfaltet cytotoxische Wirkung unter gezielter Bestrahlung mit sichtbarem Licht

Nach wie vor ist die Forschung auf der Suche nach einer Krebstherapie, die effektiv Tumorzellen zerstört, umgebendes gesundes Gewebe und den Organismus aber schont. Ein interessanter Ansatz wäre ein lichtaktivierter Wirkstoff: Eine inaktive Vorstufe wird verabreicht, das kranke Gewebe gezielt bestrahlt und das Pharmakon so nur lokal in seine cytotoxische Form gebracht.

Peter J. Sadler und seine Kollegen von den Universitäten Warwick und Edinburgh sowie dem Ninewells Hospital in Dundee haben einen neuen Platin-Komplex entwickelt, der dafür geeignet wäre. Wie die britischen Forscher in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, zeigte sich der neue Wirkstoff herkömmlichem Cisplatin überlegen.

Die Herausforderung bei der Herstellung photoaktivierbarer Cytostatika: Die inaktive Form muss thermisch stabil sein und ihre Zielorte, beispielsweise die DNA der erkrankten Zellen, vor der Bestrahlung in intakter Form erreichen. Dazu müssen sie vor allem gegenüber reaktiven Biomolekülen resistent sein, wie dem reduzierend wirkenden Glutathion, das in hohen Konzentrationen in allen Zellen vorkommt. „Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Wellenlänge zu kontrollieren, mit der der Wirkstoff aktiviert werden kann,“ sagt Sadler. „Denn die Wellelänge bestimmt, wie tief das Licht in das bestrahlte Gewebe eindringt. Längere Wellenlängen dringen tiefer ein als kürzere.“

Platin-Komplexe sind erprobte Antitumormittel. Prominentestes Beispiel ist Cisplatin. Platintherapeutika haben jedoch starke Nebenwirkungen. Sadler und seine Kollegen hoffen, dass sich diese mit photoaktivierbaren Platintherapeutika mildern lassen. Dazu haben sie einen neuen Platinkomplex entwickelt, der zwei Azido- (N3), zwei Hydroxy- (OH-) und zwei Pyridin-Liganden enthält. In seiner inaktiven Form zeigt der Komplex die geforderte Stabilität, auch gegenüber reaktiven Biomolekülen. „Das Besondere: Unser neuer Komplex lässt sich nicht nur mit UV-Licht aktivieren“, berichtet Sadler, „sondern auch mit geringen Dosen blauen oder grünen Lichts.“ Bei der Lichtaktivierung entsteht eine hochwirksame cytotoxische Verbindung, die sich gegenüber einer ganzen Reihe getesteter Krebszelllinien als wesentlich wirksamer erwies als Cisplatin. Sadler: „Der Wirkmechanismus ist dabei offenbar ein anderer als bei Cisplatin. Vermutlich liegt dies an den beiden Pyridin-Liganden, die auch nach der Photoaktivierung an das Platin gebunden bleiben.“

„Wir hoffen, dass eine Therapie mit lichtaktivierten Platin-Komplexen auch Krebsarten behandelbar macht, die bisher nicht auf eine Chemotherapie mit Platinverbindungen reagiert haben“, so Sadler. „Auch Tumore, die Resistenzen gegenüber herkömmlichen Platintherapeutika entwickelt haben, könnten darauf ansprechen.“

Angewandte Chemie: Presseinfo 32/2010

Autor: Peter J. Sadler, University of Warwick (UK),
http://www2.warwick.ac.uk/fac/sci/chemistry/research/chemicalbiology/sadler
/sadlergroup/people/sadler/
Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201003399

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201003399

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Closing the carbon loop

08.12.2016 | Life Sciences

Applicability of dynamic facilitation theory to binary hard disk systems

08.12.2016 | Physics and Astronomy

Scientists track chemical and structural evolution of catalytic nanoparticles in 3-D

08.12.2016 | Materials Sciences