Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Pilzen, die den Geschmack von Weinen heben und solchen, die Reben verderben

18.02.2010
Bio-Riesling von Steillagen-Versuchsfläche des Julius Kühn-Instituts aus Bernkastel-Kues erhält Goldmedaille bei Weinwettbewerb Mundus Vini auf BioFach 2010, Leitmesse für Bioprodukte

Pilze, wie der Erreger der Schwarzfäule sind der Feind der Winzer. Besonders in ökologisch bewirtschafteten Weinbergen richtet der Schlauchpilz Guignardia bidwellii seit 2002 Schäden an, weswegen die Forscher des Julius Kühn-Instituts in Bernkastel-Kues an der Mosel Bekämpfungsstrategien entwickeln.

Ein anderer Pilz, ein Schimmelpilz aus der Gattung Botrytis, ist dem Winzer zu bestimmten Zeiten jedoch sogar willkommen. Bei einem späten Botrytis-Befall kommt es zur so genannten Edelfäule. Sie trägt dazu bei, wertvolle Inhaltsstoffe in den Trauben zu konzentrieren und eröffnet Kellermeistern die Möglichkeit edelsüße Weine auszubauen. Genau einem solchen Tropfen aus Kues (Mittelmosel) ist heute eine hohe Ehre auf der Messe BioFach 2010 zuteil geworden. Der von Kellermeister Christoph Pfeiffer am Julius Kühn-Institut produzierte 2006er Bio-Riesling wurde im Rahmen des Weinwettbewerbs "Mundus vini BioFach" mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Der klassisch edelsüße Moselriesling mit betonter Restsüße und fruchtiger Säure gereicht nicht nur dem Kellermeister, sondern auch dem Julius Kühn-Institut zur Ehre. Die Auslese wurde aus der Lage Kueser Kardinalsberg im Jahr 2006 geerntet. Dabei handelt es sich um jene ökologisch bewirtschafteten Steillagen des Bundesforschungsinstituts, die der Erforschung der Bekämpfung des Schwarzfäule verursachenden Schlauchpilzes dienen. Womit die Geschichte von Pilzen, die die Ökowinzer bekämpfen müssen und solchen, die ihnen nützlich sind, zu einem goldenen Abschluss kommt.

Zu den Versuchen des JKI an der Mosel:
Das Fachinstitut für Pflanzenschutz im Weinbau unter dem Dach des Julius Kühn-Instituts bewirtschaftet Versuchsflächen in den Gemarkungen Bernkastel, Kues, Graach und Wolf. Zu Pflanzenschutzfragen im Ökologischen Weinbau werden Flächen in der Gemarkung Kues seit 2001 ökologisch bewirtschaftet und sind seit 2004 nach der EU-Öko-VO zertifiziert (bis 2009 ca.2 ha). Untersuchungsschwerpunkte sind Fragen der Bodenpflege, des Begrünungsmanagements und der Regulation von Pilzkrankheiten der Rebe. Außerdem wird die Anfälligkeit pilzwiderstandsfähiger Rebsorten gegenüber neuen Schaderregern wie der Schwarzfäule untersucht. Bei dieser sich ausbreitenden Krankheit zeigen die Blätter große Flecken, die durch einen dunkelbraunen Rand vom gesunden Gewebe abgegrenzt sind. Auf den Sommertrieben bilden sich schwärzliche Nekrosen. Befallene Beeren werden zu Fruchtmumien. Sie färben sich dunkelgrau und trocknen meist völlig ein. Im Öko-Anbau sind vorbeugende Maßnahmen gegen Pilzkrankheiten besonders wichtig. So müssen von Schwarzfäule befallene Teile der Rebe regelmäßig in Handarbeit entfernt werden. Hinzu kommen bei Infektionsgefahr regelmäßige Gänge durch die Steillagen mit für den Ökoweinbau zugelassenen Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln.

Weitere Untersuchungen des JKI beschäftigen sich mit der Minimierung des Kupferaufwands bei der Bekämpfung des Falschen Mehltaus und es werden Nebenwirkungen von im ökologischen Weinbau verwendeten Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln auf Raubmilben untersucht. Das Erntegut der Versuchsrebflächen wird, soweit nicht für Versuche benötigt, zu Most- bzw. Wein verarbeitet und vermarktet.

Die Versuchsflächen des Instituts liegen an der Mittelmosel, dem Zentrum des mit ca. 9.000 ha fünftgrößten Weinbaugebiets Deutschlands und bedeutenden Steillagenweinbaugebiets. Wichtigste Rebsorte auf den Schiefer-Steillagen ist der Riesling. Aufgrund seiner langen Reifephase bringt er dort besonders fruchtige, mineralische und langlebige Weine hervor.

Das JKI auf der BioFach 2010:
Die Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) beschäftigen sich nicht nur mit Fragen der Regulation von Rebkrankheiten, sondern züchten auch widerstandsfähige Rebsorten, die weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Sie tragen nicht nur im Weinbau ihr Scherflein dazu bei, dass ökologisch angebaute Kulturen vor und nach der Ernte nicht von Schädlingen vernichtet oder durch Krankheiten zerstört werden. So analysieren sie die Aromen von Biomöhren, damit die robusteren Sorten während des Züchtungsprozess nicht ihren Geschmack einbüßen und entwickeln Strategien im Pflanzen- und Vorratsschutz. Aus der breiten Palette der Forschungsaktivitäten des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen werden exemplarisch noch bis 20. Februar Arbeiten auf dem Stand in Halle 9/9-351 auf der internationalen Leitmesse für Bio-Produkte in Nürnberg präsentiert. (siehe Presseinfo vom 16.2.)

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

nachricht Schimpansen belohnen Gefälligkeiten
23.06.2017 | Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften