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Pilz macht Ameisen zu Zombies

13.08.2009
Taktik eines Parasiten drehbuchreif für Horror-Film

Der Ameisen-Parasit Ophiocordyceps unilateralis bringt seine Opfer dazu, an der für ihn optimalen Stelle zu sterben. Details zu der raffinierten Taktik dieses Pilzes beschreiben Forscher der Harvard University in der Zeitschrift The American Naturalist.

Der Parasit steuert nicht nur den Weg der Rossameise, sondern auch Zeitpunkt, Ort und Form ihres Verendens, und sichert sich dadurch die Vermehrung. "Der Pilz bringt die befallene Ameise mit sehr hoher Präzision dazu, an dem Ort zu sterben, an dem es für ihn am günstigsten ist. Er muss die todgeweihten Tiere somit zwingen, in ihren letzten Lebensstunden eine lange Wegstrecke zurückzulegen", berichtet Studienleiter David P. Hughes.

Das bevorzugte Opfer des Ophiocordyceps unilateralis sind Rossameisen, die üblicherweise in Baumkronen ihr Nest anlegen. Nach dem Befall bleibt die Ameise noch für einige Zeit am Leben, wird jedoch bis zu ihrem Verenden strikt vom Parasiten kontrolliert. Dieser zwingt das Tier, aus seinem Nest in den Bäumen herabzuklettern und niedrige Pflanzen oder junge Baumtriebe zu besteigen. Dort beißt sich die Ameise in den letzten Atemzügen mit ihren Kiefern an der Unterseite eines bodennahen Blattes fest und verstirbt, was ein wochenlanges Hängenbleiben des Kadavers ermöglicht.

Der Pilz wächst im toten Körper weiter und lässt nach einigen Tagen einen Fruchtkörper aus dem Hinterkopf des Tieres entsprießen. Eine Woche später lässt er schließlich seine Sporen auf den darunter liegenden Waldboden regnen. Jede Spore kann theoretisch aufs Neue einen unglücklichen Ameisen-Passanten befallen und der Kreislauf wiederholt sich.

Ist der hinterlistige Parasit auch schon länger bekannt, so wurden nun erstmals Details seiner Taktik erforscht. Die Harvard-Forscher untersuchten dabei die toten festgebissenen Ameisen genauer, die sie in einem Wald Thailands vorfanden. Die Todesstelle war stets jeweils 25 Zentimeter über dem Waldboden und meist an der Nordwest-Seite der Pflanze, auf der Temperatur, Feuchtigkeit und Sonnenlicht geradezu ideal für Wachstum und Vermehrung des Pilzes waren. Befestigten die Forscher hingegen die zur letzten Ruhestätte gewordenen Blätter in größerer Höhe oder direkt am Boden, konnte sich der Parasit nicht richtig weiterentwickeln.

Die Forscher präparierten auch einige der befallenen Ameisen. Sie entdeckten, dass der Ophiocordyceps unilateralis mehrere Strategien entwickelt hat, um seine wertvolle Ressource nicht aus dem Besitz zu verlieren. Sobald sich der Pilz im Körper der toten Ameise ausbreitet, verwandelt er die Eingeweide des Insekts in Zuckerverbindungen, die er für sein weiteres Wachstum braucht. Die Kontrolle für die Kiefernmuskeln lässt er jedoch intakt, um ein unterwünschtes Abfallen vom Blatt zu vermeiden. Unversehrt bleibt auch die äußere Hülle des toten Tieres, deren Risse und Spalten er so bewächst, dass die Stabilität des Kadavers gesichert bleibt. Dabei kleidet er seinen toten Wirt in einen Schutzmantel, der ihm Mikroben und andere konkurrierende Pilze vom Leibe hält. Hat der Parasit dies erreicht, kann er sich in Ruhe auf die Lauer legen, um neue Opfer zu finden.

Rossameisen können sich scheinbar kaum gegen ihren Feind verteidigen, versuchen ihm jedoch aus dem Weg zu gehen. Befallene Artgenossen werden gemieden, außerdem scheinen sie auch von den Pilzsporen befallene Böden bei der Nahrungssuche zu meiden. Das würde eine Erklärung dafür liefern, warum diese Ameisenart ihre Nester in den Baumkronen errichtet, in sicherer Entfernung von der Fortpflanzungszone des Parasiten. Ein Rätsel bleibt allerdings weiterhin, welche Mechanismen sich der Pilz genau zu eigen macht, um das Verhalten der noch lebenden Ameisen zu steuern.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.harvard.edu

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