Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzlicher Ersatz für einen Duftstoff aus der Walverdauung

19.04.2012
Ambra ist die Basisnote vieler Parfüme. Was viele jedoch nicht wissen: Der Duftstoff wurde ursprünglich aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen gewonnen.
Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Balsam-Tanne ein Duftstoffäquivalent produzieren kann. Dieses Äquivalent gilt als nachhaltige pflanzliche Alternative für die Parfümindustrie.

Lange spekulierte man, wo genau die graue wachsartige Substanz Ambra, die auf der Meeresoberfläche treibt und an die Küste gespült wird, herkommt. Marco Polo fand erstmals heraus, dass Pottwale der Ursprung sind: Ambra wird im Verdauungstrakt des Tieres produziert und von diesem erbrochen oder ausgeschieden.

Die Klumpen treiben auf der Wasseroberfläche und beginnen sich, durch den Kontakt mit Wasser und Sauerstoff, zu verfestigen. Der Duftstoff, der aus diesen Klumpen gewonnen wird, wurde lange Zeit für die Herstellung von Parfüm verwendet.

Synthetisch hergestellte Stoffe lösten Ambra allerdings fast vollständig ab. Forscher entdeckten nun mit dem Duftstoff Cis-Abienol eine pflanzliche Alternative in der Rinde der Balsam-Tanne (Abies balsamea).

Cis-Abienol ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der von der Tanne im sogenannten Sekundärstoffwechsel produziert wird. Der Stoff ist dabei fast ausschließlich in der Rinde der Balsam-Tanne zu finden. Die Synthese dieses Alkohols wird von dem Enzym cis-Abienol Synthase katalysiert d.h. beschleunigt. Die Entdeckung von cis-Abienol Synthase war insofern entscheidend, da jedes Enzym eine bestimmte biochemische Reaktion steuert und somit den Duftstoff hervorbringt, der als natürliches Produkt für die Parfümindustrie von Wert ist.

Um den Duftstoff zu erkennen, untersuchten die Forscher das Stoffwechselprofil der Tanne. Die genauen Vorgänge der Expression von Genen beobachteten sie auf RNA-Ebene mittels einer Hochdurchsatz-Sequenzierungstechnologie. Durch die Entdeckung des Biokatalysators (cis-Abienol Synthase) könnte cis-Abienol zukünftig im industriellen Maßstab hergestellt werden. Das Enzym würde dazu in einem Wirt, wie Hefe oder dem Bakterium Escherichia Coli, vervielfältigt werden. So wäre eine nachhaltige Produktionsplattform sichergestellt.
Zusätzlich würde man die Pflanzen- und Tierwelt schonen. Da sich diese Wirte leicht im Labor kultivieren, genetisch verändern und untersuchen lassen, sind sie für Metabolic Engineering besonders gut geeignet. Metabolic Engineering meint die gezielte Veränderung des Stoffwechsels, um die Produktion eines Stoffwechselproduktes zu erhöhen. Dieses Verfahren wäre für die Parfümindustrie ein Mittel, den hochwertigen Duftstoff kostengünstig und gezielt zu produzieren.

Quelle:
Zerbe, P., et al. (2012): Bifunctional cis-Abienol Synthase from Abies balsamea Discovered by Transcriptome Sequencing and Its Implications for Diterpenoid Fragrance Production. In: The Journal of Biological Chemistry Vol. 287, No. 15, pp. 12121–12131, 06. April 2012, DOI 10.1074/jbc.M111.317669.

| Pflanzenforschung.de
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenforschung.de/journal/aktuelles/pflanzlicher-ersatz-fuer-einen-duftstoff-aus-der-walverdauung?piwik_campaign=newslett

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie