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Pflanzenwinzling mit Potenzial

09.12.2013
Pflanzenphysiologe der Uni Jena leitet internationales Komitee zur Wasserlinsen-Forschung

Wasserlinsen sind kleine, unscheinbare Pflanzen, die etwas geringschätzig als Entenflott oder Entengrütze bezeichnet werden. Die kleinen Schwimmpflanzen dienen Schildkröten, Fischen und Enten als Nahrung. Doch obwohl die 37 Arten umfassende Familie der Lemnaceae vom Menschen bislang kaum beachtet wird, prophezeit Dr. Klaus Appenroth von der Universität Jena ihr eine rasante Karriere.


Der Pflanzenphysiologe PD Dr. Klaus Appenroth von der Universität Jena erforscht das Potenzial von Wasserlinsen.

Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

„Wasserlinsen haben ein gewaltiges Potenzial als Energiepflanzen, Tierfutter und sogar für die menschliche Ernährung“, sagt Appenroth, der jetzt für zwei Jahre zum Vorsitzenden des „International Committee on Duckweed Research and Application“ gewählt worden ist. Dieses Komitee zur Förderung der Forschung und Anwendung von Wasserlinsen setzt sich weltweit dafür ein, die Wasserlinsen als Alternative zu anderen Nutzpflanzen zu erforschen.

Interessant sind die Wasserlinsen, weil sie die weltweit am schnellsten wachsenden Blütenpflanzen sind. Das Erfolgsgeheimnis für das rasante Wachstum der Wasserlinsen ist die vegetative Vermehrung. Ohne den Umweg der geschlechtlichen Reproduktion vermehren sich die Pflanzen so rasch, dass sie bei ausreichender Nährstoffversorgung in kurzer Zeit ein Gewässer vollständig bedecken können. Vor allem dieser rasche Zugewinn an Biomasse rückt sie in den Fokus der Wissenschaft. Zudem lassen sich Wasserlinsen – anders als Algen – sehr einfach ernten und sie gedeihen in überdüngten Gewässern hervorragend.

„Es gibt beachtliche Erfolge in der Grundlagenforschung“, sagt Dr. Appenroth, der sich selbst seit über 35 Jahren mit Wasserlinsen befasst. US-Wissenschaftler haben beispielsweise das Genom der Wasserlinsen ausgelesen. So können die Variationen innerhalb der Pflanzenfamilie exakt bestimmt werden. Da Wasserlinsen außer in Wüsten und an den Polen überall gedeihen, können die Wissenschaftler gezielt nach geeigneten Pflanzen fahnden.

Bereits 2011 trafen sich im chinesischen Chengdu Wissenschaftler und Ingenieure, um sich über das Potenzial der Wasserlinsen auszutauschen. Im Sommer dieses Jahres gab es die zweite internationale Konferenz in New Brunswick bei New York. Nun soll das fünfköpfige Komitee in der Zeit bis zur nächsten Konferenz, die in zwei Jahren stattfinden soll, die Werbung für die kleinen Pflanzen mit großem Potenzial intensivieren.

„Schon heute werden Wasserlinsen wegen ihres hohen Proteingehalts als Tierfutter genutzt“, sagt Klaus Appenroth. Manche Arten können sogar vom Menschen verzehrt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die abgeernteten Gewässer nicht verschmutzt sind. Interessant sei das vor allem in sogenannten Schwellenländern wie Indien, wo sich die Preise für Lebensmittel in den letzten Jahren verdoppelt haben. Zu den Gründen zählt der Trend, Nahrungspflanzen wie Mais als Energielieferanten oder für die Produktion von Biosprit zu verwenden. „Viele Landwirte setzen auf die sogenannten Energiepflanzen, weil sie mit ihnen höhere Preise erzielen und vernachlässigen dafür Nutzpflanzen“, sagt Klaus Appenroth.

Auch dafür könnten die Wasserlinsen einen Ausweg bieten. Manche Arten der Familie Lemnaceae (deutsch: Wasserlinsengewächse) lagern unter entsprechenden Bedingungen Stärke ein, sie könnten zur Produktion von Bio-Ethanol verwendet werden. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit sind Biogasanlagen. Hierfür ist es von Vorteil, dass sich Wasserlinsen das ganze Jahr über kultivieren lassen.

Kontakt:
PD Dr. Klaus Appenroth
Institut für Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949233
E-Mail: Klaus.Appenroth[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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