Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzen besitzen angeborenes Immunsystem

26.05.2009
Überleben durch raffiniertes Wahrnehmen von Krankheitserregern

Pflanzen ähneln in ihrem Immunsystem den Tieren mehr als man bisher angenommen hat. Zu diesem Schluss kommen Botaniker der Universität Basel und der Michigan State University in der Zeitschrift Science. Gegen Erreger setzen sich Pflanzen über ein angeborenes Immunsystem zur Wehr.

Dieses wird ausgelöst sobald die Pflanze in ihrem Umfeld mikrobielle Muster wahrnimmt, die Hinweise auf Pilze und Bakterien geben. Erst seit etwa drei Jahren hat diese Erkenntnis zu einem Paradigmenwechsel der Pflanzenphysiologie geführt, so die Forscher. Dieses Abwehrsystem ist lebenswichtig, denn sein Fehlen würde die Existenz der Pflanzen und somit die weltweite Biomasse gefährden.

Lange Zeit nahm man an, dass Pflanzen über kein Immunsystem verfügen. "Es stimmt, dass sie keine spezialisierte Immunzellen und Antikörper besitzen, die durch ein genetisches Programm gebildet werden und somit als 'erworbene Immunität' bezeichnet werden", erklärt Thomas Boller vom Botanischen Institut der Universität Basel im pressetext-Interview. Erst vor wenigen Jahren konnte Bollers Forscherteam beweisen, dass Pflanzen, Tiere und Menschen ein weiteres Schutzschild vor Krankheiten besitzen, das angeboren ist.

Auslöser dieser ersten Immunreaktion sind hochsensible Rezeptoren, die in jeder einzelnen Pflanzenzelle integriert sind. Sie sprechen auf bestimmte Muster an, die in der Pflanze selbst nicht vorkommen, beispielsweise auf Flagellin, ein Grundbaustein der Geißel von Bakterien. Auf diese Weise können die Pflanzen Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten erkennen. "Diese Rezeptoren sind so empfindlich, dass sie auch dann reagieren würden, wenn man einen Champignon in ein Schwimmbad wirft und Wasser daraus noch um den Faktor 100 verdünnt", so Boller.

Dass auch der Mensch über ein angeborenes Immunsystem verfügt, ist ebenfalls erst seit relativ kurzer Zeit bekannt. "Die Entdeckung der angeborenen Immunität erfolgte 1959, sie blieb jedoch bis 1990 völlig unbekannt. Seither nahm jedoch die wissenschaftliche Erforschung des Themas exponentiell zu mit derzeit über 2.000 Publikationen pro Jahr", berichtet der Basler Biologe. Hohe Bedeutung habe die angeborene Immunität etwa bei AIDS.

"Das AIDS-Virus löscht die erworbene Immunität der Abwehrzellen aus, wodurch die Patienten auf ihr angeborenes Immunsystem angewiesen sind. Selbes gilt bei der Organtransplantation, bei der das normale Immunsystem unterdrückt wird." Boller hält es für möglich, dass eines Tages Medikamente die Funktion dieses bisher wenig erforschten Immunsystems unterstützen.

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://plantbiology.unibas.ch
http://www.msu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise