Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pestizide machen Bienen das Lernen schwer

28.03.2018

Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg haben den Einfluss eines neuen Pestizids auf die Honigbiene untersucht. Hoch dosiert zeigt es einen negativen Einfluss auf die Geschmackswahrnehmung und das Lernvermögen der Tiere.

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat im Februar 2018 Risiken für Bienen durch die Pestizidgruppe der Neonikotinoide bestätigt. Als Alternative ist deshalb ein neues Produkt der Firma Bayer AG im Gespräch, das den Wirkstoff Flupyradifuron aus der Klasse der Butenolide enthält. Der Markenname des Pestizids lautet Sivanto.


In hoher Dosierung beeinflusst ein neues Pestizid die Geschmackswahrnehmung sowie das Lernen und das Gedächtnis von Honigbienen negativ.

Foto: Ricarda Scheiner

Sivanto soll gegen diverse saugende Insekten wie Blattläuse und Weiße Fliegen wirken und kann an einer ganzen Reihe von Obst- und Gemüse-, aber auch Kakao- und Kaffeepflanzen angewendet werden. Das Pestizid wird als bienenfreundlich vermarktet und kann sogar auf blühende Felder aufgebracht werden. In den USA ist es seit dem Jahr 2015 auf dem Markt. In der EU ist es bereits zugelassen, aber noch nicht erhältlich.

Messbarer Einfluss auf die Honigbiene

Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg haben jetzt den Einfluss von Flupyradifuron auf das Verhalten der Honigbiene untersucht. Verantwortlich dafür sind Ricarda Scheiner, Professorin für Neuroethologie der Arthropoden am Lehrstuhl für Zoologie II, und ihre Doktorandin Hannah Hesselbach. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Forscherinnen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlicht.

„Unsere Daten zeigen, dass nicht tödliche Dosen von Flupyradifuron nach einmaliger Verabreichung an sammelnde Honigbienen deren Geschmackswahrnehmung sowie das Lernen und Gedächtnis negativ beeinflussen“, fasst Ricarda Scheiner die Ergebnisse der Arbeit zusammen.

Keine Effekte bei bestimmungsgemäßem Einsatz

Für ihre Studie haben die beiden Forscherinnen zunächst mit einem gängigen Verfahren die Wahrnehmung von Zucker der von ihnen untersuchten Bienen getestet. Im Anschluss wurden die Tiere auf einen Duft konditioniert und ihre Erinnerung an das Gelernte am nächsten Tag getestet. Dabei belegen die Experimente: „Während die beiden niedrigeren verwendeten Dosen keinen Einfluss zeigten, führte eine Flupyradifuronmenge von 1,2 Mikrogramm pro Biene zu deutlich reduzierten Wahrnehmungs- und Lernleistungen“, sagt Hannah Hesselbach.

Die gute Nachricht sei allerdings, dass die sammelnden Honigbienen bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Pestizids nicht mit dieser Dosis in Kontakt kommen sollten. Dennoch bedürfe es weiterer Forschungsarbeit, um zum Beispiel den Einfluss des Pestizids auf motorische Fähigkeiten, den Bienentanz oder die Orientierung zu bestimmen.

„Auch können wir nicht sagen, welchen Einfluss Flupyradifuron in Kombination mit anderen Pflanzenschutzmitteln, von denen häufig Rückstände in Honig und Pollen zu finden sind, auf die Bienen hat,“ ergänzt Hannah Hesselbach. Zusätzlich sollte ihrer Meinung nach auch der Einfluss auf Wildbienen und andere Bestäuber untersucht werden.

Verhaltensbiologie der Honigbiene

Die Arbeitsgruppe von Ricarda Scheiner am Lehrstuhl für Zoologie II der Universität Würzburg befasst sich mit der Verhaltensbiologie der Honigbiene. Dabei kommt ein breites Methodenspektrum zum Einsatz, das unter anderem Verhaltensanalysen, verhaltensphysiologische, verhaltenspharmakologische sowie molekularbiologische Methoden umfasst.

Effects of the novel pesticide flupyradifurone (Sivanto) on honeybee taste and cognition. Hannah Hesselbach & Ricarda Scheiner. Nature Scientific Reports DOI:10.1038/s41598-018-23200-0, http://rdcu.be/JxoK

Kontakt

Prof. Ricarda Scheiner, Lehrstuhl für Zoologie II, T: +49 931 31-84745, ricarda.scheiner@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Poröse Salze für Brennstoffzellen
24.04.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics