Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was passiert, wenn Bienen in einem ihnen unbekannten Gelände ausgesetzt werden?

18.05.2011
Etliche von ihnen finden sogar aus großer Entfernung zurück zum Bienenstock – allerdings nur, wenn eine Voraussetzung erfüllt ist. Welche, darüber berichten Forscher aus Würzburg und Canberra in einer neuen Publikation.

Der sprichwörtliche Fleiß der Honigbiene ist Tatsache: Ständig sind die Sammler unterwegs auf der Suche nach Pollen, Nektar und Wasser und legen dabei gewaltige Strecken zurück. Damit sie sich nicht verirren, orientieren sich die Tiere an einer Reihe von Merkmalen, beispielsweise am Stand der Sonne, an der Schwingungsebene polarisierten Lichts, an bestimmten Kennzeichen in der Landschaft und an der zurückgelegten Entfernung. Diese Informationen können sie auch mit Hilfe des Schwänzel-Tanzes an ihre Kollegen weitergeben.

Ob Bienen allerdings auch in der Lage sind, in ihren Bienenstock zurückzufinden, wenn sie in einer unbekannten Gegend ausgesetzt werden, das haben Bienenforscher der Universität Würzburg und der Australian National University in Canberra untersucht. Über ihre Arbeit berichten sie in dem Fachmagazin Plos ONE.

„Wir haben in unseren Experimenten herausgefunden, dass ab einer Entfernung von mehr als drei Kilometern Bienen vor allem aus einer Himmelsrichtung wieder nach Hause gefunden haben“, sagt Mario Pahl. Pahl ist Doktorand in der Beegroup – einem Zusammenschluss von Bienenforschern der Universität Würzburg. Aus der passenden Richtung haben es die Tiere sogar dann zurück in ihren Bienenstock geschafft, wenn sie dafür mehr als elf Kilometer zurücklegen mussten.

„Wir gehen davon aus, dass Bienen das Landschaftspanorama erkennen und in ihre Positionsberechnung einbeziehen können“, sagt Pahl. Kommt der Honigsammlerin also das Panorama vertraut vor, weiß sie auch aus großer Entfernung, in welche Richtung sie sich für den Heimflug wenden muss. Im Gegenzug tun sich Bienen ohne den bekannten Anblick schwer mit der Entscheidung, wohin sie sich wenden sollen.

Das Experiment

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler Sammelbienen direkt nach Erreichen des Stocks abgefangen und in eine schwarze Schachtel gesetzt. Anschließend transportierten sie die Schachteln an ausgewählte Punkte nördlich, südlich, westlich und östlich des Bienenstocks und ließen die Tiere in Entfernungen zwischen mehreren hundert Metern und 13 Kilometern frei. Erschwerend kam hinzu, dass an manchen Stellen Berge den Blick in Richtung Bienenstock blockierten.

„Auf ihren Sammelflügen speichern die Bienen ständig Distanz- und Richtungsinformationen, um jederzeit in einer geraden Linie zum Stock zurückfliegen zu können. Durch das Fangen der Tiere nach ihrer Rückkehr am Stockeingang haben wir das Navigationssystem der Bienen sozusagen auf Null gesetzt. Sie verfügten nach dem Transport über keinerlei Richtungs- oder Entfernungsinformationen in Bezug auf ihren Bienenstock. So stellten wir sicher dass sie sich auf bereits vorhandenes Wissen über die Landschaft verlassen mussten “, erklärt Pahl.

Ob es die ausgesetzten Tiere zurück in den Stock schaffen und wie lange sie dafür brauchen, haben die Forscher mit Hilfe einer ausgefeilten Technik erfasst: „Jede Biene erhielt von uns einen winzig kleinen Chip auf den Brustkorb, der mit einer individuellen Kennung versehen war“, sagt Pahl. Ein Empfänger am Einflugloch des Bienenstocks konnte so die exakte Ankunftszeit jedes einzelnen Exemplars festhalten – auch solcher Tiere, die erst nach Tagen wieder zurück gefunden hatten.

Das Ergebnis

„Bienen, die aus dem Osten kamen, erreichten den Bienenstock deutlich schneller als Tiere, die wir im Norden, Süden und Westen freigelassen hatten“, fasst Pahl das Ergebnis der Experimente zusammen. Und: „Wenn wir die Bienen mehr als sieben Kilometer entfernt freiließen, fanden nur die Bienen aus dem Osten erfolgreich nach Hause zurück.“

Den Grund dafür sehen die Forscher in der Gestalt der Landschaft: Die Tiere, die von Osten aus ihren Heimflug starten mussten, konnten einen bestimmten Berg – den Black Mountain – aus einem ihnen vertrauten Blickwinkel sehen. Damit verfügten sie im Unterschied zu ihren Konkurrenten über die wichtige Information, in welche Richtung der Bienenstock zu finden war.

Was die Wissenschaftler darüber hinaus faszinierte: Manche Bienen waren zwei bis drei Tage unterwegs, bis der Empfänger am Einflugloch ihre Rückkehr registrierte. Das spricht dafür, dass sie in der Lage sind, Informationen über den Weg und das Gelände auch über einen längeren Zeitraum hinweg zu behalten. „Es ist faszinierend zu sehen, dass die Honigbiene mit ihrem Gehirn, das gerade mal so groß ist wie ein Samenkorn, so viele Informationen speichern kann“, sagt Pahl.

Die Untersuchungen wurden durchgeführt in Kooperation zwischen der Bienenforschungsgruppe des Vision Centre an der Research School of Biology, Australian National University, geleitet von Professor ShaoWu Zhang, und der Beegroup der Universität Würzburg, geleitet von Professor Jürgen Tautz.

“Large Scale Homing in Honeybees”, Mario Pahl, Hong Zhu, Jürgen Tautz, Shaowu Zhang, Plos One, doi:10.1371/journal.pone.0019669.t001

Kontakt
Mario Pahl, Lehrstuhl für Zoologie II, T: (0931) 31-89176,
E-Mail: mario.pahl@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: BEEgroup Biene Bienenstock Einflugloch Entfernung Heimflug Honigbiene Schachtel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Verbesserte Kohlendioxid-Fixierung dank Mikrokompartiment
25.09.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Regenbogenfarben enthüllen Werdegang von Zellen
25.09.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops