Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Partnerwahl bei Lemuren - Rotstirnmakis erkennen Artgenossen auf Fotos

13.02.2018

Die erste und wichtigste Entscheidung, die fortpflanzungsbereite Weibchen treffen müssen, ist die Auswahl eines Männchens der eigenen Art. Um Fehlverpaarungen zu vermeiden und dem Nachwuchs die bestmöglichen Überlebenschancen mit auf den Weg zu geben, müssen sie also unterscheiden können, ob ein Männchen der eigenen Art angehört oder nicht.

Wissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) - Leibniz-Institut für Primatenforschung haben herausgefunden, dass wildlebende Rotstirnmakis (Eulemur rufifrons) in der Lage sind, Artgenossen anhand von Gesichtsfarbmustern zu erkennen. Die Forscher präsentierten den Lemuren dafür Fotos von Mitgliedern der eigenen Art und von nah verwandten Arten innerhalb der Gattung Große Makis. Die Untersuchungen zeigten, dass Rotstirnmakis deutlich mehr Zeit damit verbrachten, sich Bilder von Artgenossen anzusehen, als von verwandten Arten. (BMC Evolutionary Biology).


Ein junges Rotstirnmakiweibchen (Eulemur rufifrons) im Wald von Kirindy.

Foto: Sperber


Claudia Fichtel, Wissenschaftlerin in der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie, erforscht sowohl das Verhalten als auch kommunikative und kognitive Fähigkeiten von Lemuren in Madagaskar.

Foto: Privat

Die Lemuren auf Madagaskar haben vielfältig gefärbte Gesichter, insbesondere die Männchen. Manche Arten sehen sich jedoch so ähnlich, dass wir Menschen sie kaum unterscheiden können. "In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass wildlebende Rotstirnmakis in der Lage sind, zwischen Artgenossen und Schwesterarten anhand von Fellmuster- und farbe zu unterschieden", sagt Hanitriniaina Rakotonirina, Erstautorin der Studie und Verhaltensforscherin in der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ und der Universität Göttingen.

Das Forscher-Team um Hanitriniaina Rakotonirina untersuchte, wie die im Kirindy-Wald in Madagaskar lebenden Rotstirnmakis auf Fotos von Artgenossen und verwandten Lemuren reagieren. Sie zeigten erwachsenen Tieren einer Gruppe fünf Farbfotos von Gesichtern männlicher Lemuren, die nicht im selben Verbreitungsgebiet vorkommen und keinen Kontakt zueinander haben. Ein Foto zeigte das Gesicht eines Artgenossen, drei Fotos zeigten Gesichter von nahverwandten Arten - Weißkopfmakis (Eulemur albifrons), Braunen Makis (Eulemur fulvu), Roten Makis (Eulemur rufus) - auf dem fünften Foto war ein genetisch weiter entfernter Verwandter, der Rotbauchmaki (Eulemur rubriventer), zu sehen. Die Zeit, die die Rotstirnmakis damit verbrachten sich die Bilder anzuschauen, nahm mit abnehmender Verwandtschaft ab. Je näher beide Arten miteinander verwandt waren, desto intensiver wurden die Bilder betrachtet. Zudem zeigten die Weibchen eine stärkere Reaktion als die Männchen. "Die Entwicklung von Gesichts- und Farbmustern könnte somit durch sexuelle Selektion beeinflusst sein", erklärt Claudia Fichtel, Seniorautorin der Studie. Außerdem stellen die Forscher fest, dass die Affen an den Bildern der Artgenossen schnupperten. "Das Schnupper-Verhalten deutet darauf hin, dass neben visuellen Signalen auch Gerüche bei der Arterkennung eine richtige Rolle spielen", sagt Hanitriniaina Rakotonirina.

Artgenossen von artfremden Individuen zu unterscheiden, spielt in der Fortpflanzung eine wichtige Rolle. Zwischenartliche Paarung ist für Weibchen besonders kostspielig, denn die frühe Embryonalentwicklung ist oft gestört und die Embryos sterben früh. In anderen Fällen kann es zu Hybridisierung kommen, wobei der Nachwuchs eine verminderte Fortpflanzungsfähigkeit aufweist. Weibchen verlieren ihre Investitionen in die Embryoentwicklung und damit wertvolle Zeit und Gelegenheit, sich erfolgreich fortzupflanzen.

Zukünftige Untersuchungen in freier Wildbahn sollen zeigen, ob die Fähigkeit, Artgenossen zu erkennen, beeinträchtigt ist, wenn verschiedene Arten im selben Verbreitungsgebiet vorkommen und miteinander in Kontakt stehen. In Gefangenschaft sind bei Großen Makis hin und wieder lebensfähige und manchmal fruchtbare Nachkommen bei Paarung artfremder Elterntiere entstanden. Auch in Gebieten der freien Wildbahn, in denen sich Verbreitungsgebiete überlappen, sind Kreuzungen beobachtet wurden.

Original Veröffentlichung
Rakotonirina H, Kappeler P, Fichtel C. (2018): The role of facial pattern variation for species recognition in red-fronted lemurs (Eulemur rufifrons). BMC Evolutionary Biology DOI 10.1186/s12862-018-1126-0

Download während der Sperrfrist
http://bit.ly/2nSYdim

Kontakt und Hinweise für Redaktionen
Dr. Claudia Fichtel
Tel: +49 551 3851- 467
E-Mail: CFichtel@dpz.eu

Luzie Almenräder (Kommunikation)
Tel: +49 551 3851-424
E-Mail: lalmenraeder@dpz.eu

Druckfähige Bilder und Filmmaterial finden Sie in unserer Mediathek. Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) - Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält außerdem vier Freilandstationen in den Tropen und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 93 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://medien.dpz.eu/webgate/keyword.html?currentContainerId=4261

Dr. Susanne Diederich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wasserbewegung als Hinweis auf den Zustand von Tumoren
19.04.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden
19.04.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics