Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parasitische Wespen setzen Viren gegen Wirt ein

18.02.2009
Forscher bringen Licht ins Dunkel der Evolution von gezähmten Viren

Mehr Einblicke in die Lebensweise parasitischer Wespen, die sich in anderen Insekten entwickeln, sind einem französisch-schweizerischen Forscherteam gelungen.

Sie haben die Evolution der Viren, die von den Wespen gebildet werden, genauer unter die Lupe genommen und konnten das Ur-Virus identifizieren. Die rund 100.000 parasitischen Wespenarten, von denen viele Viren zur Manipulation ihrer Wirtsinsekten nutzen, sind höchst erfolgreich. Über die Erkenntnisse berichtet das Wissenschaftsteam im Fachmagazin Science.

"Die Wirte von parasitischen Wespen überleben nicht, sondern werden letztlich getötet und aufgefressen", so Studienautorin Beatrice Lanzenrein vom Berner Institut für Zellbiologie gegenüber pressetext. Manche der Wespen sind auf gewisse Wirte spezialisiert, während andere Generalisten bei der Auswahl ihrer Wirte sind. Um in einem fremden Insekt zu überleben, sind gewisse "Tricks" erforderlich.

Und diese haben sich die Wespen angeeignet. Vor 100 Mio. Jahren haben sich die Wespen mit einem Virus infiziert, das ihnen nun als wesentliche Hilfe für die Fortpflanzung dient", erklärt die Wissenschaftlerin. "Es handelt sich um ein einmaliges Beispiel, wo Viren durch Wespen so domestiziert wurden, dass sie genetische Information in den Wirt übertragen, die nur dem Überleben der Wespen dient."

So genannte Polydnaviren sind Teil eines einzigartigen biologischen Systems, das aus der parasitischen Wespe, dem symbiotischen Virus und einem Wirtsinsekt besteht. Die genetische Information des Virus ist dabei in das Erbgut der Wespe eingebaut. Es wird nur in einem Zelltyp des Eierstocks der Wespe vermehrt und in Viruspartikel verpackt. Von dort gelangen die Viren in den Eileiter. Bei der Eiablage der Wespe werden die Viren zusammen mit Gift und dem Wespenei in den Wirt injiziert. "Das Interessante dabei ist, dass das Virus die Zellen des Wirtsinsekts - zumeist eine Raupe - infiziert und so das Immunsystem und den Stoffwechsel beeinflusst." Einerseits werde das Immunsystem der Raupe so manipuliert, dass es das Wespenei nicht zerstören kann. Andererseits exprimiere das Virus Gene, die die Entwicklung und den Stoffwechsel der Raupe zugunsten des Wachstums der Wespenlarve beeinflussen. "Das bedeutet, dass das Virus eine symbiotische Funktion hat", erklärt die Forscherin.

Bisher war nicht geklärt, um welche Art von Viren es sich handeln könnte. Es wurde sogar in Frage gestellt, ob es sich überhaupt um Viren handelt oder um "genetische Sekretionen" der Wespe. "Schließlich hat die Untersuchung der Boten-RNS am Produktionsort der Polydnaviren, dem Eierstock der Wespe, dabei geholfen das Rätsel der Herkunft dieser Viren zu lüften", erklärt Lanzrein. Gemeinsam mit der Gruppe des Kollegen Jean-Michel Drezen von der Universität Tours haben die Wissenschaftler zwei stammesgeschichtlich weit entfernte Polydnaviren-übertragende Brackwespen untersucht und sind zur Erkenntnis gelangt, dass die "Urwespe" ein Nudivirus-ähnliches Virus aufgenommen hatte. Im Verlauf der Evolution wurden diese Viren so umgebaut, dass sie das Überleben der Wespenlarve sichert.

"Das gezielte Platzieren von Genen in einem anderen Organismus ist beispielsweise das Ziel von Gentherapien. Das heißt auch, dass wir von parasitischen Wespen also sehr viel lernen können ", meint Lanzrein abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.izb.unibe.ch/res/lanzrein/index.php

Weitere Berichte zu: Eierstock Gen Immunsystem Insekt Polydnaviren Raupe Stoffwechsel Virus Wespe Wespenei Wespenlarve Wirtsinsekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln
24.07.2017 | Universität Potsdam

nachricht Pfade ausleuchten im Fischgehirn
24.07.2017 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie