Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parasiten im Menschen beeinflussen sich über die gemeinsame Nahrungsquelle

12.03.2014

Parasiten befallen oft auch Menschen, manchmal gleich mehrere aufs Mal. Die Behandlung solcher Co-Infektionen ist schwieriger, weil sich die Erreger gegenseitig beeinflussen können.

Ein Ökologe der Universität Zürich und sein internationales Team haben die unzähligen Möglichkeiten, wie die Parasiten interagieren können, zusammengetragen: Am ehesten beeinflussen sich die Parasiten indirekt über die Nahrungsquelle, die sie sich teilen.

Über 1400 Arten von Parasiten – Viren, Bakterien, Pilze, Darmwürmer, Protozoen – können den Menschen befallen. Die richtige Arznei gegen einen Parasiten kuriert den Patienten in den meisten Fällen.

Leidet er aber gleichzeitig an einer Infektion durch zwei oder mehrere Parasiten-Arten, werden Diagnose und Behandlung schnell schwieriger. Der Krankheitszustand kann sich durch eine Medika-tion sogar verschlimmern, wenn dadurch zwar der eine Erreger abgetötet wird, der zweite sich aber umso stärker vermehrt. Ein Grund dafür sind die noch vielfach unverstandenen Interaktionen der Parasiten, die sich im gleichen Wirt aufhalten. 

Ein internationales Forschungsteam um Prof. Owen Petchey vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich stellt nun in einer Studie in den «Proceedings of Royal Society B» ein Netzwerk vor, das erklärt, wie sich verschiedene Krankmacher und Parasiten-Gruppen im menschlichen Körper gegenseitig beeinflussen.

Die Biologen stellen überraschenderweise fest, dass die Parasiten wohl hauptsächlich über die Nahrungsquellen, die sie sich teilen, interagieren – und nicht über die Immunantwort oder direkt über den Kontakt mit anderen Parasiten.

Komplexe Übersicht mit klaren Mustern

Co-Infektionen kommen sehr häufig vor, ein gleichzeitiger Befall von verschiedenen Darmwürmern zum Beispiel betrifft weltweit rund 800 Millionen Menschen. Um wirksame Behandlungsansätze für Co-Infektionen zu entwickeln, müssen gemäss Owen Petchey die Strukturen der Parasiten-Gruppen in einem Wirt – in diesem Fall im individuellen Menschen – und die Interaktionen zwischen den Parasiten besser verstanden werden.

Die Ökologen der Universitäten Zürich, Liverpool, Sheffield und Edinburgh haben in einer Meta-Studie 305 Parasiten-Arten, 124 Ressourcen im Wirt und 98 Kompo-nenten des Immunsystems zusammen getragen – und schliesslich in bisher einzigartiger Weise über 2900 Verbindungen zwischen all diesen Faktoren analysiert.

Das Netzwerk lässt klare Muster erkennen: Der befallene Körperteil und die gleiche Nahrungsres-source sind die häufigsten Berührungspunkte, die bei den verschiedenen Parasiten zu einer Wech-selwirkung führen können. «Wir fanden doppelt so viele Parasiten, die um dieselbe Energiequelle kämpfen, als Parasiten, die die gleiche Reaktion des Immunsystems hervorrufen und sich so beein-flussen können», führt Petchey aus.

Die Art, wie das Immunsystem auf die einzelnen Erreger reagie-re, scheine von untergeordneter Bedeutung zu sein, obwohl genau dies andere Studien postulierten. Ebenfalls seltener sei die direkte Beeinflussung von Parasit zu Parasit, mit Ausnahmen etwa von HIV, Staphilococcus aureus und das Hepatitis C-Virus, die bekannterweise mit anderen Erregern direkt interagieren. 

Personalisierte Medizin im Fokus

Der neue netzwerkartige Überblick über die vielfältigen Interaktionen von Parasiten, die dem Men-schen schaden können, geht über die übliche Betrachtung von Parasiten-Paaren hinaus. Owen Pet-chey hofft, «dass seine Erkenntnisse als Grundlage für die Entwicklung von neuen, personalisierteren Behandlungsschemata für Infiziierte dienen können». Der Biologe ist nun daran, seine Hypothesen aus der Meta-Studie mit verschiedenen Organismen zu überprüfen. 

Literatur:
Emily C. Griffiths, Amy B. Pedersen, Andy Fenton and Owen L. Petchey. Analysis of a summary net-work of co-infection in humans reveals that parasites interact most via shared resources. Proceedings of Royal Society B, March 12, 2014. Doi: 10.1098/rspb.2013.2286

Kontakt:
Prof. Owen Petchey
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften

Universität Zürich 

Tel. +41 (0)44 635 47 70
E-Mail: owen.petchey@ieu.uzh.ch

Bettina Jakob
Media Relations
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 39
E-Mail: bettina.jakob@kommunikation.uzh.ch

Weitere Informationen:

http://www.mediadesk.uzh.ch/index.html

Bettina Jakob | Universität Zürich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie