Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parasiten bedrohter Tiere ebenfalls gefährdet

08.06.2009
Artensterben bedeutet Untergang gesamter Tiergemeinschaften

Nicht nur Panda oder Eisbär sind vom Aussterben bedroht, sondern auch ihre Läuse und andere Parasiten.

Diesen kaum beachteten Aspekt des Artensterbens behandelt Rob Dunn von der North Carolina State University in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B. Anhand von Modellen berechnete der Ökologe, was in Zukunft mit Parasiten bedrohter Tiere geschehen wird. "Wenn ein Tier vom Aussterben bedroht ist, haben seine Parasiten und die Tiere, die mit ihm in Symbiose leben, zwei Möglichkeiten. Entweder besiedeln sie einen neuen Wirt oder sie sterben aus. Jede der beiden Situationen ist sehr problematisch", so Dunn.

Bisher ging man davon aus, dass der Untergang der Parasiten zahlenmäßig mit dem ihrer Wirte übereinstimmt. Diese Berechnung vernachlässigt jedoch die höhere Artenvielfalt der Schmarotzertiere, so Dunn. "Zu dieser Gruppe gehören Viren, Zecken, Läuse, Bakterien wie auch Schmetterlinge, aber genauso auch symbiotische Arten wie etwa bienenbestäubte Getreidepflanzen und die Bienen selbst. Da es unter Wirtstieren deutlich weniger Vielfalt gibt, ist zu erwarten, dass die Zahl der aussterbenden Parasiten noch weit über der ihrer Wirtsarten liegt", so der US-Forscher. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sei das Parasitensterben ökologisch weitaus besorgniserregender als der Verlust ihrer Wirte selbst.

Das Parasitensterben bekomme auch der Mensch negativ zu spüren, betont Dunn. Einerseits bestehe die Natur aus zahlreichen Symbiosen, wodurch der Verlust eines Partners oft auch weitere Art gefährden. "Beispielsweise wird jede Feigenart nur von einer ganz bestimmten Feigenwespe bestäubt. Geht eine der beiden Arten verloren, bedeutet das auch den Untergang der anderen", so Dunn. Daneben käme die biologische Vielfalt zu schaden, einzigartige Merkmale von Arten gingen verloren und damit auch Lernmaterial des Menschen über die Evolutionsgeschichte.

Eine tatsächliche Gefahr stelle hingegen die Tatsache dar, dass viele parasitäre Beziehungen der Natur weit weniger spezialisiert sind als Feige und Feigenwespe. "Da man bisher kaum das Aussterben von Parasiten in der Geschichte dokumentieren konnte, ist anzunehmen, dass weitaus mehr Parasiten den Wirt wechseln als angenommen."

Das Tiersterben könnte daher die Zahl der Krankheitserreger und Parasiten für Menschen, Tiere und Pflanzen sprunghaft ansteigen lassen. Einen Hinweis dafür liefert der Umstand, dass die Regionen, in denen neue Krankheitserreger des Menschen wie etwa Vogelgrippe entstanden sind, gleichzeitig die Gebiete mit der größten Anzahl an von Aussterben bedrohten Säugetieren und Vögel sind. "Wir haben lange über die Nachteile der Bedrohung der Arten gesprochen, die wir lieben. Doch niemand denkt daran, dass wir auch mit ihren Parasiten zurechtkommen müssen", warnt der US-Ökologe.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://ncsu.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks
17.02.2017 | Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Münster

nachricht Der Entropie auf der Spur
17.02.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung