Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pankreas-Krebs: Protein CD44 beeinflusst Metastasen

03.11.2015

Tumore der Bauchspeicheldrüse zählen wegen ihrer schnellen Metastasierung zu den aggressivsten Krebsarten. Nur drei bis fünf Prozent der Betroffenen haben eine Überlebensrate von fünf Jahren. Eine Forschergruppe des KIT hat nun die Grundlagen für neue therapeutische Ansätze geschaffen. In der Fachzeitschrift Gastroenterology berichten sie, dass im Labor CD44v6-spezifische Peptide nicht nur die Ausbreitung der Tumorzellen hemmen, sondern sogar zur Rückbildung bereits vorhandener Metastasen führen können. (DOI 10.1053/j.gastro.2015.10.020)

„Wir glauben, dass diese Peptide ein hohes Potenzial als Wirkstoff in der Tumortherapie haben, vor allem für die Behandlung von Pankreaskrebs mit seinen aggressiven Metastasen“, sagt Véronique Orian-Rousseau vom Institut für Toxikologie und Genetik (ITG) am KIT.


Die Zellen eines Pankreastumors: Die gelben Bereiche zeigen die Ko-Lokalisierung der Proteine c-Met und CD44v6

Bildquelle: ITG/KIT

Das in den 90er Jahren am KIT entdeckte Protein CD44v6 fungiert auf der Zellmembran als Ko-Rezeptor für Signalmoleküle, wodurch bestimmte Enzyme, die sogenannten Tyrosinkinasen wie etwa MET oder VEGFR-2 aktiviert werden. Diese Enzyme beeinflussen maßgeblich die Aktivitäten von Tumorzellen.

MET forciert ihre Vermehrung, Migration und Invasion. VEGFR-2 fördert die Angionese, also die Neubildung von Blutgefäßen, die zur Versorgung des Tumors notwendig sind. Damit sind sie entscheidende Faktoren für Wachstum und Verbreitung von Tumorzellen.

Im Rahmen vorklinischer Studien an Tieren und anhand verschiedener Pankreas-Krebs-Modelle haben Wissenschaftler am KIT erstmals nachgewiesen, dass die Ko-Rezeptorfunktion von CD44v6 die treibende Kraft für die Metastasierung ist. Interessanterweise erwiesen sich kleine Abschnitte des CD44v6 Proteins (v6pep genannt) in Tierversuchen als erfolgreiche Hemmstoffe für die Metastasierung.

Die Wissenschaftler vermuten, dass sie in die dreidimensionale Proteinstruktur von CD44v6 eingreifen und es damit inaktivieren. Die Peptidbehandlung von tumortragenden Tieren führte zur Reduktion der Tumorlast und zur Hemmung der Metastasenbildung. Aber auch bereits vorhandene Metastasen bildeten sich zurück oder verschwanden gänzlich:

„Dies ist das bemerkenswerteste Ergebnis mit Blick auf Bauchspeicheldrüsenkrebs für den die Diagnose meist erst nach Ausbildung von Metastasen möglich ist“, sagt Orian-Rousseau. Insgesamt stieg die Überlebensdauer im Tierexperiment dramatisch. Dabei wirkten die Peptide v6pep wesentlich effizienter als die bislang als Tyrosinkinase-Hemmer eingesetzten Wirkstoffe Crizotinib und Pazopanib.

Da die Datenauswertung von an Pankreaskrebs erkrankten Patienten zeigt, dass Metastasierung und kürzere Überlebenszeiten einhergehen mit einem erhöhten Spiegel von CD44v6 und MET ist anzunehmen, dass beim Menschen ähnliche Mechanismen ausschlaggebend sind wie in den Tierexperimenten.

„Hiermit sind wir in der Grundlagenforschung für die Entwicklung von Krebsmedikamenten einen wichtigen Schritt weiter gekommen“, betont die Wissenschaftlerin. Ob und wie sich die Peptide als Wirkstoffe in der Praxis bei menschlichen Patienten bewähren, sollen ab Ende 2016 klinische Studien in Kooperation mit der KIT-Ausgründung „amcure GmbH“ zeigen.

Inhibition of Tumor Growth and Metastasis in Pancreatic Cancer Models by interference with CD44v6 Signaling, Gastroenterology, Alexandra Matzke-Ogi et al., DOI:10.1053/j.gastro.2015.10.020
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001650851501519X

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, PKM – Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vereint als selbständige Körperschaft des öffentlichen Rechts die Aufgaben einer Universität des Landes Baden-Württemberg und eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft. Seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation verbindet das KIT zu einer Mission. Mit rund 9 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 24 500 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S001650851501519X

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

Weitere Berichte zu: CD44 MET Metastasen Metastasierung Pankreaskrebs Peptide Technologie Tumorzellen VEGFR-2 Zellmembran protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung
18.08.2017 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie